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Der Heimatfilm setzt Schimmel an

Sorge um Archivschätze des Bayerischen Rundfunks

  • Von Cordula Diekmann, München
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Tatort«-Krimis, »Pumuckl«-Folgen oder Helmut Dietls Kultserie »Monaco Franze« - im Filmarchiv des Bayerischen Rundfunks (BR) lagern viele Schätze. Doch das mediale Erbe der vergangenen Jahrzehnte ist bedroht. Essigsäure, Schimmel und Klebstoffe beschädigen die Zelluloid-Rollen, auf denen noch vor wenigen Jahren Filme und Fernsehbeiträge gedreht wurden. Diesem drohenden Verlust will der BR entgegenwirken. Mitte des Jahres wurde damit begonnen, mehr als 50 000 Filme, Beiträge und Filmausschnitte zu restaurieren, zu digitalisieren und neu zu dokumentieren. Eine Mammutaufgabe, die die Fachleute vermutlich noch die kommenden zehn Jahre beschäftigen wird, gilt das BR-Archiv doch als eines der größten innerhalb der ARD.

Etwa ein Drittel der Filme seien in schlechtem Zustand, erklärt Rainer Tief, Leiter der Hauptabteilung, die sich um die Fernseh- und Hörfunkarchive kümmert. Eine Temperatur von vier Grad und konstante Luftfeuchtigkeit wären notwendig, um das anfällige Zelluloid vor Schäden zu bewahren. Bedingungen, die die Archive in Freimann und am BR-Standort in Unterföhring nicht erfüllen. Doch Alternativen gab es bislang nicht. »Eine Kühlhalle in der Größe wäre zu teuer«, sagt Tief.

So lagern die runden Metalldosen mit den Filmrollen in Kellerräumen, in langen Regalreihen. Wer hier durchläuft, kann auf eine Reise durch die Fernsehgeschichte gehen, die im BR-Archiv am 6. November 1954 beginnt. Mit dem Mozart-Singspiel »Die Gärtnerin aus Liebe« gestaltete der Sender damals im Westen zum ersten Mal das Abendprogramm des Deutschen Fernsehens. Bis in die 1990er Jahre reicht der Fundus. Auch Nachrichten-Schnipsel, Interviews, Reportagen finden sich hier.

Doch wie sieht es im Inneren der runden Filmboxen aus? Schimmelt das Material? Ist die Metalldose selbst verrostet? Ist der Film gar durch Säure geschrumpft? Oder ist alles in Ordnung? »Das wissen wir erst, wenn wir die Dose öffnen«, sagt Andreas Müller, der das Digitalisierungsprojekt leitet. Probleme mit Essigsäure gebe es häufiger. Verschimmelte Filmrollen seien bislang Einzelfälle. Aber: »Die Zeit spielt gegen uns«, erklärt Tief.

Annika Preusser ist eine von denen, die beim BR im Münchner Vorort Ismaning versuchen, den Verfall zu stoppen. Mit Handschuhen sitzt sie vor einem Monitor an einem Schneidetisch und lässt eine Filmrolle durchlaufen. Doch hin und wieder kommt es vor, dass ein Film nicht mehr zu retten ist und im Müll landet.

Rainer Tief schwärmt von den vielen Entdeckungen, die nach und nach auftauchen, wenn die Cutterinnen wieder eine der vielen Filmdosen öffnen und sichten. Bislang wusste niemand so genau, welche Schätze das Archiv birgt. Dabei ist manches mittlerweile ein Zeitdokument. Viele Filme zeigen das Leben in Bayern, wie es früher einmal war - und wie es heute oft verschwunden ist. Bauern pflügen ihre Felder mit Hilfe von Pferden. Und das Oktoberfest wirkt sehr gemütlich, als man noch in Schwarz-Weiß drehte. Wenn alles gesichtet, geklebt, repariert, gesäubert ist, folgt endlich die Digitalisierung. Bei Spezialfirmen in München und Hamburg werden die Filme in Computer eingespeist, damit sie künftig als Datei zur Verfügung stehen. dpa/nd

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