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  • Kommerz in der Formel 1

Die Formel 1 verkommt zur Mietwagenfirma

Viele Piloten kaufen sich ihre Plätze im Rennzirkus. Der Vater von Lance Stroll übernahm jetzt ein ganzes Team, der Sohn wird wohl bald wechseln

  • Von Kristof Stühm, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Lawrence Stroll (l.) kaufte seinem Sohn Lance (r.) bereits einen Fahrersitz in der Formel 1. Nun hat er sogar ein ganzes Team erworben.
Lawrence Stroll (l.) kaufte seinem Sohn Lance (r.) bereits einen Fahrersitz in der Formel 1. Nun hat er sogar ein ganzes Team erworben.

Lance Stroll kann charmant plaudern. Aber wenn der kanadische Teenager zu seinem reichen Vater befragt wird, verfinstert sich seine freundliche Miene meist. Dann zieht Stroll seine Augenbrauen zusammen, wittert Gefahr und presst nur noch knurrige Antworten heraus. »Ich habe mir diesen Weg nicht erkauft«, sagt Stroll dann über seine Karriere in der Formel 1. Stimmt. Es war sein Papa.

Das Vermögen des Großinvestors Lawrence Stroll wird vom Forbes Magazin auf 2,7 Milliarden Dollar geschätzt, mit etlichen Millionen sicherte der Unternehmer seinem Sohn Lance bereits den Einstieg ins traditionsreiche Formel-1-Team Williams. Nun kaufte Vater Stroll gleich ein ganzes Team: Eine Investorengruppe mit dem Kanadier an der Spitze übernahm jüngst Force India und rettete den Rennstall so vor der Insolvenz.

»Force India ist von echtem Racer-Geist beseelt, und ich freue mich darauf, das Team auf die nächste Stufe zu heben«, sagte Stroll senior, dessen neues Spielzeug nun unter dem Namen »Racing Point Force India« firmiert. Und es gilt als offenes Geheimnis im Fahrerlager, dass der neue Boss bald seinen Sohn ans Lenkrad lässt. Die Frage ist nur, wann? Vielleicht sogar schon am kommenden Wochenende in Monza?

»Eine Veränderung würde die Zustimmung vieler Seiten bedingen, aber unmöglich ist das nicht«, sagte Teamchef Otmar Szafnauer. Für Lance Stroll wäre ein solcher Wechsel ein Schritt nach vorne - die Autos von Force India fuhren in diesem Jahr erneut deutlich schneller als die von Williams. »Wir werden sehen, was mein Vater entscheidet. Er ist ein netter Typ, hoffentlich nimmt er mich«, scherzte der Sohn.

Sogenannte Paydriver, also Piloten, die für ihr Cockpit bezahlen, gab es in der Formel 1 schon immer. Selbst Legenden wie Niki Lauda oder Michael Schumacher mussten in Vorkasse gehen, um den Sprung nach ganz oben zu schaffen. Doch der Fall Stroll treibt es auf die Spitze - und macht damit das ganze Dilemma der Formel 1 deutlich.

Viele Experten zweifeln am Talent von Stroll, trotzdem hat der 19-Jährige wohl über Jahre hinaus einen der heiß begehrten Fahrersitze in der Formel 1 sicher. Und ein Wechsel zu Force India würde den Fahrermarkt kräftig durcheinanderwirbeln, mit Esteban Ocon (Frankreich) stünde ein aufstrebender Pilot dann womöglich plötzlich ohne eigenes Cockpit da. Der Pole Robert Kubica, der seit seinem schweren Rallye-Unfall 2011 keinen Grand Prix mehr gefahren ist, könnte Stroll bei Williams ersetzen.

Das System Stroll stößt zunehmend auf Kritik. Spötter behaupten, die Formel 1 verkomme zu einer Luxus-Mietwagenfirma. »Geld kann kein Talent kaufen«, sagte zum Beispiel Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve über seinen Landsmann. Aber es kann einem ganz offensichtlich den Weg in die Formel 1 ebnen. Während Sebastian Vettel und Lewis Hamilton in jungen Jahren in zugigen Zelten an der Kartstrecke schliefen, schnupperte der kleine Lance die erste PS-Luft auf der Rennstrecke von Mont-Tremblant bei Montreal. Sie gehört übrigens seinem Vater.

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