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Blick in die linksradikale Geschichte

Der Aktivist Thomas Billstein nutzt den Kurznachrichtendienst Twitter für historische Aufklärung

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Wie ist die Idee entstanden, linke Geschichte per Twitter zu erzählen?

Mir ist aufgefallen, dass es zwar recht viele linke und antifaschistische Nutzerkonten bei Twitter gibt und auch viele aktuelle Diskussionen und Aktionen kommentiert werden, aber der »Blick zurück« fehlte mir oft. Aus unserer Geschichte, also speziell aus der außerparlamentarischen, linken Bewegung, können wir in vielen Fällen eine Menge lernen, Kraft schöpfen oder auch Fehler vermeiden. Andere Ereignisse sind erwähnenswert, weil sie einfach »nur« interessant sind. Und dann gibt es natürlich auch noch Begebenheiten, die aus heutiger Sicht einfach kurios oder lustig sind.

Über welche Themen twittern Sie?

Ich habe mich seit den frühen 1990ern in der autonomen, also linksradikalen und undogmatischen Bewegung in diversen Teilbereichen engagiert. Deswegen liegt mir die Geschichte dieser Szene besonders am Herzen. Trotzdem schaue ich über den Tellerrand hinaus und versuche, ein breites und möglichst strömungsübergreifendes Bild wiederzugeben, also nicht irgendeinen bestimmten politischen Flügel zu bevorzugen.

In den von Ihnen gesendeten Tweets scheinen immer wieder Sympathien für einzelne geschichtliche Ereignisse heraus. Warum ist Ihnen das wichtig?

Wenn wir uns die progressiven Veränderungen der letzten Jahrzehnte anschauen, wird klar, dass sehr vieles durch eine rebellische, kraftvolle und außerparlamentarische Protestkultur in die Wege geleitet wurde. So erfahren wir, dass wir auch ohne eine gigantische Massenbewegung auf der Straße mit kreativen und widerständigen Aktionsformen viel erreichen können. Andererseits sollten wir Lehren daraus ziehen, dass wir trotz unserer Differenzen gemeinsam zusammenstehen müssen, um dem neuen und erstarkten Faschismus Einhalt zu gebieten.

Woraus schöpfen Sie Ihre Informationen?

Ich habe in der Anfangsphase eine kleine Termintabelle aus verschiedenen Quellen zusammengestellt, mit ein bis zwei interessanten Meldungen pro Woche. Über die Zeit ist diese Liste mehr und mehr gewachsen. Andere Twitternutzer*innen erinnern mich gelegentlich an Ereignisse. »Da kann aber gerne noch mehr kommen!«, heißt es dann. Zudem rufe ich dazu auf, unter dem Hashtag radicalpast selber zu twittern, was von einigen Accounts ausgiebig praktiziert wird.

Andere Twitteraccounts werden von mehrköpfigen Teams bespielt. Wie viel Arbeit steckt hinter @RadicalPast?

Ehrlich gesagt wird es mit der Zeit sogar weniger Arbeit, weil ich viele Tweets aus den Vorjahren »recyceln« kann. Trotzdem halte ich die Augen für neue Ereignisse und Dinge offen. Täglich investiere ich vielleicht 20, 30 Minuten in die Pflege des Kanals. Wenn ich etwas mehr Zeit finde, durchforste ich mein kleines Offline-Archiv oder suche im Netz nach spannenden Themen.

Welches Resümee ziehen Sie nach vier Jahren?

Ich finde das Projekt sehr erfolgreich, und die vielen Interaktionen sind natürlich auch Ansporn weiterzumachen. Fairerweise muss man sagen, dass es sich bei dem Themenbereich »linksradikale Geschichte« um ein recht spezielles Thema handelt, da sind über 7000 Follower schon wirklich viele Leute. Durchschnittlich wird eine Meldung (laut Twitter-Statistik) etwa 3000 Mal angesehen. Besonders interessante Tweets, welche oft geteilt werden, erzielen bis zu 50 000 Impressionen. Das ist für den deutschsprachigen Raum schon enorm. Auch von Aktivist*innen kommen viele positive Reaktionen.

Was ist Ihre Perspektive mit diesem Twitter-Konto?

Ich würde gerne mehr über inhaltliche Diskussionen berichten. Aber das ist natürlich aufwendiger, als mal eben schnell ein altes Demoplakat oder Fotos von Aktionen zu posten. Außerdem möchte ich den Inhalt zukünftig auch in anderer Form zugänglich machen. Der Erfolg bei Twitter ist zwar schön, aber die Geschichte der linksradikalen Bewegung einzig und allein an diesen Konzern zu binden, ist natürlich etwas dürftig.

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