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Luxustaschen, mit Juwelen vollgestopft

In den Kleptokratien Asiens kommen viele illegal zu wahnsinnigem Reichtum - und stellen ihn ganz offen zur Schau

  • Von Michael Lenz, Bangkok
  • Lesedauer: 6 Min.

Besonders in Asien stellen Reiche ihren Reichtum auf geradezu obszöne Weise zur Schau, während die Mehrheit ihrer Landsleute arm ist. Zwar wächst in den wirtschaftlichen Boomländern von Indien bis China auch eine konsumfreudige Mittelklasse heran und gleichzeitig geht die Armut zurück. Trotzdem leben noch immer die meisten Armen dieser Welt in Asien. Und die Reichen kaufen sich mit ihren Millionen nicht nur Luxusgüter, sondern auch Wahlen und die Justiz ihrer Länder. Die Idee westlicher Milliardäre wie Bill Gates oder Warren Buffett, dass Reichtum auch verpflichtet, einen guten Teil des Vermögens für soziale Zwecke herzugeben, ist ihnen fremd. Gates und Buffett ist es bisher kaum gelungen, asiatische Milliardäre für ihre Initiative »The Giving Pledge« (das Versprechen) zu begeistern.

Besonders krass ist es im bitterarmen Kambodscha. Nirgendwo in Asien sieht man so viele Rolls Royce, Bentleys, Porsches, Ferraris und McLarens auf den Straßen wie in der Hauptstadt Phnom Penh. Die Reichen sind hier so »wahnsinnig reich«, dass die Hersteller ihre Luxuskarossen längst in eigenen Autohäusern feilbieten.

Im Nobelviertel Toul Kork ist in einem mit viel Graffiti verzierten Anwesen Small World zu Hause. Das Unternehmen des jungen Kambodschaners Rithy Thul will Start-up-Unternehmen mit Investoren zusammenzubringen. »Das ist schwierig«, seufzt Rithy und weist mit einer ausladenden Armbewegung auf die Villen der Reichen in der Nachbarschaft. »Die geben schon mal 5000 Dollar für eine wilde Partynacht aus. Damit wäre so manchem Start-up schon geholfen. Aber sie investieren lieber Millionen in Großprojekte, die schnellen Reibach versprechen. An langfristigen Investitionen, um etwas aufzubauen, ist niemand interessiert.«

Vor einem Edelsportstudio gegenüber dem Wat (Tempel) Langka fährt ein roter Porsche Macan S vor. Zwei uniformierte Bedienstete eilen servil heran, verneigen sich, öffnen dem Fahrer und seiner Beifahrerin die Wagentüren, tragen der Dame geflissentlich den kleinen Sportbeutel ins Sportstudio. Nicht einmal zusammen werden die beiden Arbeiter in ihrem Leben soviel verdienen, wie dieser Porsche kostet.

So gut wie keiner der Khmer-Millionäre hat seinen Reichtum legal erworben. Der Clan von Premierminister Hun Sen und seine Günstlinge haben von Beteiligungen an Niederlassungen ausländischer Unternehmen bis zur illegalen Abholzung der Wälder ihre Finger in jeder profitversprechenden Branche drin, wie es die Nichtregierungsorganisation »Global Witness« 2016 in ihrem ausführlichen Bericht »Feindliche Übernahme« akribisch auflistete.

Doch kaum jemand muckt im laut Tourismuswerbung »Königreich der Wunder« gegen Korruption und Nepotismus auf. »Die Kambodschaner sind ein duldsames Volk«, weiß Ali Al-Nasani, Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung in Phnom Penh. »Viele haben noch die Gewalt der Roten Khmer, Krieg und Bürgerkrieg erlebt. Mit diesen Ängsten spielt Hun Sen.«

Der Regierungschef weiß dabei nur zu gut, dass die Mehrheit des Volkes »Change« (Wandel) herbeisehnt. Deshalb hat er im vergangenen Jahr mit Hilfe der willfährigen Justiz die oppositionelle Partei zur nationalen Rettung Kambodschas auflösen, deren Vorsitzenden Kem Sokha wegen angeblichen Hochverrats verhaften und kritische Medien schließen lassen. Die Rechnung ist aufgegangen: Bei der Parlamentswahl Ende Juli gewann Hun Sens Kambodschanische Volkspartei auf wundersame Weise 100 Prozent der Sitze.

Wer dennoch aufmuckt wie Tep Vanny, landet im Knast. Die 38-jährige Landrechtsaktivistin war die Stimme der vielen Tausend Anwohner am Boeung-Kak-See mitten in Phnom Penh. Die wurden im Jahr 2011 vertrieben, weil es verrückten Reichen gefiel, das Gewässer für den Bau von Bürohäusern, schicken Hotels und Luxuswohnungen zuschütten zu lassen. Immerhin wurde Tep vor einigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen. Die Wahl ist ja gewonnen.

Auch in Thailands Hauptstadt Bangkok lassen es die Reichen gerne krachen, wie es im Luxuskaufhaus Emporium in der Sukhumvit-Straße gerade wieder zu bewundern ist. Zwischen den Geschäften von Bulgari, Cartier und Louis Vuitton stehen zwei nagelneue weiße MacLarens zum Verkauf. »In der Grundausstattung kosten sie eine Millionen Dollar«, sagt der freundliche Verkäufer im dezenten dunkelblauen Anzug. »Ein Auto ist aber schon verkauft.«

In solchen Edelkarren kutschieren die Schönen und Reichen abends in Designerklamotten in die Thonglor-Straße, um in den angesagten Clubs die Sau rauszulassen. Vor sechs Jahren fuhr Vorayuth Yoovidhya nach einer dieser Partynächte sturzbetrunken einen Polizisten tot. Der 32-jährige Erbe des Red-Bull-Imperiums beging erst Fahrerflucht und setzte sich dann ins Ausland ab. An den Spielplätzen der Reichen genießt der Jungmilliardär sein Playboyleben, derweil Polizei und Justiz in Thailand in die Röhre schauen.

Prawit Wongsuwan, Vizechef der regierenden Militärjunta, ist noch immer im Amt, obwohl er seit Monaten der Antikorruptionsbehörde die Auskunft über die Herkunft seiner 24 Luxusuhren im Wert von 1,5 Millionen Dollar verweigert. Dabei hat die Junta nach dem Putsch 2014 versprochen, mit der Korruption und Vetternwirtschaft aufzuräumen. »Prawit ist eben der eigentlich starke Mann der Junta«, sagt ein westlicher Diplomat über »General Rolex« und seine Straffreiheit.

Weitgehend unbehelligt bleibt bisher auch der milliardenschwere Baulöwe Premchai Karnasuta, der in einem Nationalpark einen seltenen und deshalb geschützten Schwarzen Panther geschossen hatte. Aus der Großkatze kochte er sich im Dschungelcamp eine Suppe, wie in Internetvideos zu sehen ist. Dies war für viele Thais, die Zensur, Korruption und Straffreiheit leid sind, ein gefundenes Fressen. Wochenlang sprayten in Bangkok Graffitikünstler in Nacht- und Nebelaktionen Schwarze Panther an Hauswände. Die Bemalung wurde flugs von Putztrupps der Sicherheitsorgane beseitigt; die Aktivisten blieben einigermaßen unbehelligt.

Die Graffitiaktionen würden als Ventil für den Frust der Thais über »General Rolex« geduldet, glaubt der Chef einer mittelgroßen Partei beim Gespräch im Klub der Auslandskorrespondenten über den Dächern von Bangkok. »Sie wollen vom Uhrenskandal ablenken«, sagt der 40-Jährige, der namentlich nicht genannt werden will, bitter. Kritik an der Junta kann unangenehme Folgen haben.

Der Krug geht aber bisweilen auch in Asien nur solange zum Brunnen, bis er bricht. In Malaysia war dies am 9. Mai der Fall. Erstmals seit der Unabhängigkeit vor über 60 Jahren wählten die Malaysier, angewidert vom gigantischen Ausmaß der Korruption des Regimes von Premierminister Najib Razak, die Opposition an die Macht.

Eine zentrale Rolle in Najibs »Kleptokratie« spielte seine luxusversessene Gattin Rosmah Mansor. Bei Razzien in ihren Privatwohnungen beschlagnahmte die Polizei hunderte Handtaschen des Luxuslabels Birkin, von denen viele zudem mit kostbaren Juwelen vollgestopft waren, sowie säckeweise Bargeld. Das waren aber nur Peanuts im Vergleich zu den rund vier Milliarden US-Dollar, die unter Najib aus dem staatlichen Investmentfonds 1MDB verschwunden sind. Dafür muss sich der Ex-Premier ab Februar 2019 vor Gericht verantworten.

Ihren Hang zu sündhaft teuren Handtaschen und glitzernden Juwelen begründete Rosmah, die als »heimliche Premierministerin« galt, unverfroren als Dienst am Volk: »Sie hoffen auf etwas, das prominenter ist, so wie es auch in anderen Ländern geschieht.« Erfinderin dieser bizarren Staatsphilosophie ist die philippinische Diktatorenwitwe und Schuhfetischistin Imelda Marcos, die 2003 in einem Interview allen Ernstes sagte: »Als First Lady habe ich Königinnen und Könige getroffen. Für diese Begegnungen brauchte ich nur eine Stunde, um mich zurechtzumachen. Wenn ich aber in die Provinzen gefahren bin, brauchte ich zwei Stunden. Die (Armen) brauchen Standards, ein Vorbild, einen Star.« Crazy Rich Asians.

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