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Sachsen soll Weichen später stellen

Bündnis startet Volksantrag für längeres gemeinsames Lernen - Koalitionsstreit absehbar

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Elternwille ist sehr deutlich. Als die LINKE vor gut einem Jahr die Sachsen befragen ließ, wie sie zur Aufteilung der Kinder auf verschiedene Schularten nach Klasse 4 stehen, sprachen sich 64 Prozent dagegen aus. Ein neues Schulgesetz, das die Dresdner Regierungskoalition aus CDU und SPD seither beschloss, hält aber an der Weichenstellung nach vier Schuljahren fest: Leistungsstärkere Schüler gehen zumeist auf das Gymnasium, die anderen auf die Oberschule.

Jetzt unternimmt ein Bündnis den Versuch, das längere gemeinsame Lernen doch durchzusetzen - zumindest auf lokaler Ebene. Es solle dort möglich werden, »wo Lehrer, Eltern und Schüler sowie der Schulträger dies wünschen«, sagt Bündniskoordinator Burkhard Naumann, der daher von einem »optionalen Modell« spricht. Das Kultusministerium soll an die Entscheidung aber gebunden sein. Durchgesetzt werden soll dies mittels eines Volksantrages. Damit er Erfolg hat, müssten 40 000 Unterschriften gesammelt werden. Schließt sich das Parlament dem Ansinnen nicht an, könnte mit 450 000 Unterschriften ein Volksentscheid erzwungen werden - was bisher in Sachsen erst einmal gelang.

Unterstützung für das Vorhaben kommt aus der Wissenschaft. Wolfgang Melzer, Schulforscher an der Technischen Universität Dresden, betont, es würde Druck von Kindern und Eltern genommen, wenn über die weitere Schullaufbahn nicht bereits nach Klasse 4 entschieden würde. Er nimmt Bezug auch auf seine Begleitforschung zu einem Schulversuch, bei dem von 2006 bis 2016 einige Gemeinschaftsschulen zugelassen wurden. Sie hätten sich »positiv gegenüber Vergleichsschulen abgehoben«, sagt Melzer und verweist auf die »Innovationsbereitschaft beim Umgang mit Heterogenität und individuellem Lernen«. Der Schulforscher Melzer spricht von einem »Reformschub von unten«, den das Land aufgreifen sollte.

Beim Bündnis pro Gemeinschaftsschule ist man sehr bemüht zu betonen, dass die Umstellung nicht erzwungen werden soll. Es gehe um eine Reform »ohne Gefährdung des Schulfriedens«, sagt Melzer. Bündniskoordinator Naumann sieht eine »Ergänzung« der Schullandschaft, ohne dass bestehende Schularten geändert würden.

Unterstützt wird das Bündnis von Gewerkschaften, Sozialverbänden sowie Landeseltern- und -schülerrat, aber auch von Parteien. Die LINKE hatte am Samstag auf einem Parteitag beschlossen, den Vorstoß zu unterstützen. Zwar ziele dieser nicht auf das von ihr angestrebte »verpflichtende« längere gemeinsame Lernen; es werde aber ein »notwendiger erster Schritt« unternommen. Die Grünen wirken ebenfalls in dem Bündnis mit. Landeschefin Christin Melcher sieht in dem Anliegen eine »wesentliche Voraussetzung für mehr Chancengleichheit«.

Brisant ist, dass sich auch die sächsische SPD hinter die Initiative stellt. Zwar befürworte die Partei schon lange das längere gemeinsame Lernen; den Schulversuch, bei dem ab 2006 einige Gemeinschaftsschulen ermöglicht wurden, setzte sie bei ihrer ersten Regierungsbeteiligung in Sachsen durch. Derzeit koalieren die Sozialdemokraten aber erneut mit der CDU, die strikt am bisherigen System einer Trennung der Kinder nach der Grundschule festhält. Damit bricht ein Jahr vor der Landtagswahl ein Konflikt in der Koalition auf.

LINKE-Fraktionschef Rico Gebhardt hatte auf dem Parteitag die Mitwirkung von SPD-Politikern an dem Bündnis als ein Beispiel dafür angeführt, dass es »Projekte zur Überwindung der konservativen Übermacht« im Freistaat gebe.

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