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Erfurt braucht schon wieder Geld

Folge 140 der nd-Serie »Ostkurve«: Der FC Rot-Weiß will sich in der Regionalliga neu sortieren. Das wird schwierig

  • Von Matthias Koch
  • Lesedauer: 3 Min.

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Anhänger des FC Rot-Weiß Erfurt müssen derzeit starke Nerven beweisen. Beim Blick auf die Tabelle der Regionalliga Nordost sucht man den Traditionsverein nach fünf Spieltagen vergeblich in der oberen Hälfte. Zwei Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen hat der Drittligaabsteiger bislang erspielt. Mitabsteiger und jetziger Spitzenreiter Chemnitzer FC, der in Erfurt am vierten Spieltag glatt mit 3:0 gewann, liegt schon acht Punkte vor den Rot-Weißen.

»Es ist keine Landung auf dem harten Boden, sondern ein Teil unseres Weges. Wir sind in der Realität angekommen«, sagt Sportdirektor Oliver Bornemann. »Unser Saisonziel ist ein einstelliger Tabellenplatz. Wir wissen dass wir nicht jede Mannschaft dominieren und gegen sie gewinnen können.« Am vergangenen Spieltag setzte es für die Blumenstädter eine unglückliche 0:1-Niederlage beim Berliner AK. Am heutigen Sonnabend soll gegen Budissa Bautzen endlich das erste Heimtor und der erste Heimsieg dieser Saison im Steigerwaldstadion eingefahren werden.

Vom sofortigen Wiederaufstieg geht auch der neue Trainer Thomas Brdaric nicht aus. »Wir haben ordentliche Bedingungen, auch was die Trainingsplätze betrifft. Wir haben eine hungrige Mannschaft, die neu aufgestellt ist. Wir werden wieder in den Flow kommen, dass wir unsere Spiele gewinnen«, sagt der achtfache deutsche Nationalspieler. »Ich ziehe das Ding durch mit der Mannschaft. Da kann keiner im Umfeld irgendwas dagegen sagen. Wir haben kein großes Budget. Ich denke, da sind wir im Durchschnitt der Liga.«

Die 3. Liga verließ Erfurt als Tabellenletzter mit nur 13 Zählern und nach einer monatelang andauernden öffentlichen Schlammschlacht. Das sportliche und wirtschaftliche Desaster verschlang mit Stefan Krämer, David Bergner und Stefan Emmerling drei Trainer sowie mit Rolf Rombach und Frank Nowag zwei Präsidenten. Die Konsequenzen des Niedergangs an allen Fronten waren gravierend.

Dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied der 2009 ins Leben gerufenen dritthöchsten deutschen Spielklasse wurden wegen des Insolvenzantrags und einer nicht geschlossenen Liquiditätslücke insgesamt zehn Punkte abgezogen. Das Ganze hat ein Geschmäckle, weil der FC Rot-Weiß Erfurt den Insolvenzantrag wegen wirtschaftlicher und sportlicher Aussichtslosigkeit schon Mitte März gestellt hatte. Der Schuldenberg von rund acht Millionen Euro, der am 1. Juni zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens führte, sollte nicht in die Regionalliga mitgenommen werden. Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Volker Reinhardt muss den Klub jetzt finanziell retten.

Auf dem Transfermarkt konnte der Verein dadurch auch nur bedingt tätig werden. Trainer Brdaric und Sportdirektor Bornemann vertrauen dem Kader, in dem mit dem derzeit verletzten Kapitän Marcel Kaffenberger nur noch ein Stammspieler der finsteren Vorsaison steht. »Unser Budget ist eigentlich auch erschöpft. Wir müssen die Ruhe bewahren und uns konsolidieren«, meint Bornemann kurz vor dem Ende der Transferperiode.

In diesem Zusammenhang begrüßt Bornemann die Einigung, die der Insolvenzverwalter kürzlich mit den Gläubigern erzielen konnte. Diese werden nur zwei Prozent von ihren ursprünglichen Forderungen zurückerhalten. »Ich freue mich darüber, dass Einigkeit unter den Gläubigern herrscht, diesen Weg weiterzugehen, den Insolvenzverwalter Reinhardt begonnen hat. Für uns geht es darum, dass sich der Verein wirtschaftlich konsolidiert und eine Zukunft hat«, erklärt Bornemann. »So ist auch unsere Kaderplanung ausgerichtet. Wir machen kein Harakiri. Wir geben das aus, was uns wirtschaftlich zur Verfügung steht. Wir brauchen einfach Geduld.«

Frisches Geld muss aber wohl auch noch schnell irgendwo herkommen. Laut Presseberichten vom Donnerstag soll auch der Etat für die laufende Saison noch nicht gedeckt sein. Die Rede ist von 1,4 Millionen Euro, die fehlen. Vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung am kommenden Mittwoch sind das nicht die besten Nachrichten für die Fans.

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