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Goldrausch in der »Einöde«

Das Reka-Feriendorf im Kurort Disentis in der Schweiz lockt mit bezahlbaren und kinderfreundlichen Angeboten für Familien.

  • Von Katja Choudhuri
  • Lesedauer: 6 Min.

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Ach, wie herrlich! Es kracht und quietscht, während sich die Rhätische Bahn ihren Weg von Chur quer durch die Berge bis nach Disentis/Muster bahnt. Meine Tochter hält die Nase in den Wind und genießt sichtlich die spektakuläre Aussicht auf Viadukte, sattgrüne Wiesen und die Alpen Graubündens.

Wer sich bisher die Nase nur an den geschlossenen Fenstern deutscher ICEs platt gedrückt hat, lässt sich vom Charme dieses älteren Zuges schnell um den Finger wickeln. Bereits seit 1889 gehört die Rhätische Bahn zu Graubünden. Zwei der Linien bilden seit 2008 die UNESCO-Welterbestrecke Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina. Hier kommen Eisenbahnfans voll auf ihre Kosten: Züge aus dem Dampfzeitalter, den dreißiger Jahren und modernste Panoramawagen - alles dabei!

Es ist eine atemberaubend schöne Anreise, und wir kommen entspannt an unserem Zielort an. Der Wintersport- und Kurort Disentis/Muster liegt in der Cadi im oberen Teil der Surselva, am Zusammenfluss des Medelser Rheins mit dem Vorderrhein im Kanton Graubünden. Ein Paradies für Wanderer und Goldschürfer, wie wir noch feststellen werden.

Google verrät mir, dass sich Disentis von Desertina (»Einöde«) ableitet. Man sollte sich allerdings vom Namen des 3000-Seelen-Ortes nicht täuschen lassen: Wandern, Klettern, Biken, Gleitschirmfliegen - hier kommt jeder auf seine Kosten, verspricht die Webseite des Ortes. Ein bisschen skeptisch ob der Ruhe des in ein Bergpanorama eingebetteten Ortes machen wir Großstädter uns auf den Weg ins Reka-Feriendorf, wo wir eine Woche zu Gast sein werden. Ohne Auto, mit Kleinkind und Buggy macht sich eine gute Vorbereitung bezahlt, denn das Feriendorf liegt ein wenig außerhalb des Ortes auf einem Berg. Der kostenfreie Ortsbus, der mehrmals täglich fährt, ist hier eine große Hilfe.

Noch vor unserer Reise haben wir uns gefragt, warum eigentlich Urlaub in der Schweiz? Denn natürlich wussten wir, dass das Land nicht für den schmalen Geldbeutel geeignet ist. »Die Schweizer punkten mit Service und Qualität«, findet mein Mann, und ich komme nach der angenehmen Anreise nicht umhin, ihm zuzustimmen.

Das Feriendorf lockt - neben wunderschöner Natur - aus zweierlei Gründen: Es ist kinderfreundlich und für Schweizer Verhältnisse bezahlbar. Non-Profit heißt das Zauberwort, und möglich macht das die Genossenschaft Reka (Schweizer Reisekasse), eine Organisation für Sozialtourismus in der Schweiz. Gegründet 1939, hat sich die Genossenschaft zum Ziel gesetzt, Ferien und Freizeit, insbesondere für Familien, zu fördern. Das Angebot richtet sich nicht nur an zahlungskräftige Gäste. Jedes der 13 Feriendörfer hält im Rahmen ihrer »Ferienwochen« ein Kontingent an günstigen Ferienwohnungen bereit, die von Familien mit geringem Einkommen gemietet werden können. Auch für Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung halten die Feriendörfer maßgeschneiderte Angebote bereit. Die voll ausgestatteten Wohnungen für Selbstversorger werden ohnehin alle zu fairen Preisen vermietet.

Viele Großeltern nutzen die barrierefreien und rollstuhlgerechten Wohnungen der Reka-Feriendörfer für einen Urlaub mit ihren Enkeln. In unserem Feriendorf sind es eher die älteren Enkel, denn Disentis dient als Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen, die für Kleinkinder allesamt nicht so gut zu bewältigen sind. Wer sich davon nicht abhalten lässt, kann sich allerdings auch vor Ort eine Wanderkraxe ausleihen und das Kind auf dem Rücken tragen.

Apropos Wandern: Gleich am zweiten Tag unseres Aufenthaltes macht sich mein Mann auf den Weg zum Tomasee, der als die Quelle des Rheins gilt. Diese Tour ist erst für Kinder ab sieben Jahren geeignet, daher genießt unsere Tochter derweil die Zeit in vollen Zügen im Schwimmbad und auf dem Goldwäscher-Spielplatz im Feriendorf.

Wer den Tomasee erreichen will, nimmt zunächst den Panorama-Zug zum Oberalppass - fast 45 Minuten dauert die Fahrt. Von hier aus ist es eine rund zweistündige Wandertour bis zum Tomasee auf 2345 Metern Höhe. Das Wasser legt vom See aus mehr als 1300 Kilometer bis zur Nordsee zurück. Wo es als junger Rhein den See verlässt, führt der Wanderweg hinab auf die Fahrstraße zur Maighelshütte.

Die insgesamt rund 20 Kilometer lange Wanderung über fast 1100 Höhenmeter würden viele Schweizer wohl gemütlich nennen, erzählt mir eine Mitreisende einen Tag später lachend: »Kein Wunder, die sind ja auch fit.« Sie plane bei der Vorbereitung einfach immer ein bisschen mehr Zeit ein als angegeben. Uns war das so nicht klar. Mein untrainierter Mann lacht ein wenig gequält. Sie können es sich bestimmt denken: Er hat einen ordentlichen Muskelkater.

Aber es geht auch anders herum, erzählt die Wirtin des Campingplatzes Rheincamping in Sedrun, wo wir an einem anderen Tag die historische Seilbahn aus dem Jahr 1957 auf die Terrasse Tgom Sedrun nehmen wollen. Wenn sie in der Stadt immer nur flach und geradeaus laufen könne, dann schmerze ihr Becken. Von der Terrasse genießt man die herrliche Aussicht auf das Bündner Oberland - vom Oberalppass bis Chur. Sie wird als Ausgangspunkt für verschiedenste Wanderungen genutzt.

Kein Reka-Feriendorf gleicht dem anderen. So steht beispielsweise unser Feriendorf ganz im Zeichen des Goldwaschens, das in dieser Region sehr populär ist. Das Goldschürfen im Kanton Graubünden lohne sich sehr, schreibt August Brändle, »Gold-Gusti« genannt, auf seiner Webseite. Der Zürcher hat lange im IT-Bereich gearbeitet und ist als Ausgleich zu seiner stressigen Arbeitswoche am Wochenende immer wieder an den Rhein gekommen, um Gold zu waschen. Mittlerweile hat er sein Hobby zum Beruf gemacht: Eine Hälfte des Jahres bietet er Goldwaschkurse in seinem Schweizer Camp »Big Nuggets« an, die andere Jahreshälfte ist er in Australien, um Gold zu waschen.

Wir lassen uns einen kurzen Einführungskurs geben. Hierbei erfahren wir alles Wichtige über die Goldvorkommnisse in der Region und die Technik des Goldschürfens. Das sieht leichter aus, als es ist. Ausgestattet mit Gummistiefeln und der passenden Ausrüstung (u. a. Schaufeln, Eimer, Schalen) steigen wir in den klaren und kühlen Rhein, hangeln uns über die Steine entlang zu den Goldwaschplätzen und legen los.

Ruhig waschen wir den Kies aus den Schalen in der Hoffnung, am Grund ein Goldnugget zu entdecken. Winzig klein, aber schwer genug, um nicht vom Wasser weggespült zu werden. Ich bin leider nicht erfolgreich. Aber das macht nichts, denn das gemächliche Fließen des Rheins und die gleichförmigen Bewegungen, mit denen ich den Kies aus der Schale spüle, entfalten bei mir eine wunderbare Wirkung: Ruhe und Gelassenheit. Ja, das geht auch so, bestätigt mir »Gold-Gusti«.

Reiseinfos

Rhätische Bahn: Fahrpläne und Tickets unter www.rhb.ch

Disentis/Muster: Infos unter www.disentis-sedrun.graubuenden.ch/de

Informationen zu Reka-Dörfern
www.reka.ch/de/unternehmung

Reka-Feriendorf Disentis: Adresse: Via Plauns 10 CH-7180 Disentis/Mustér Tel.: (+4181) 936 46 10 www.reka.ch/disentis
Wanderung Tomasee: Sedrun Disentis Tourismus Tel.: (+4181) 920 40 30 www.disentis-sedrun.ch Maighelshütte: www.maighelshuette.ch

Terrasse Tgom Sedrun: Alp Tgom auf 1913 Metern über dem Meer ist ein imposanter Aussichts- und Ausgangspunkt für Wanderungen. Den Fahrplan der Seilbahn und Infos zur Terrasse sowie zu den Wanderungen unter www.disentis-sedrun.graubuenden.ch/de/aktivitaeten-erlebnisse/seilbahn-alp-tgom

Goldwaschen mit »Gold-Gusti«: Tel.: (+4179) 614 30 40
www.gold-gusti.ch
Schweiz Tourismus: Tel.: (0800) 100 200 30 (kostenlos)
www.myswitzerland.com

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