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Geglückte und misslungene EM-Revanchen

Beim 77. ISTAF der Leichtathleten in Berliner boten die deutschen Speerwerfer erneut die beste Show

  • Von Jürgen Holz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Führung konnte Konstanze Klosterhalfen (2.v.l.) im Rennen über die Meile nicht verteidigen, kam als Dritte aber mit einer guten Zeit ins Ziel.
Die Führung konnte Konstanze Klosterhalfen (2.v.l.) im Rennen über die Meile nicht verteidigen, kam als Dritte aber mit einer guten Zeit ins Ziel.

Der Showdown der Extraklasse vor über 40 000 Zuschauern mit vielen Stars in den 16 Disziplinen bot Neuauflagen der EM-Duelle, manchen Rekordversuch und schließlich ganz am Schluss den Abschied des erfolgreichsten deutschen Leichtathleten des letzten Jahrzehnts, des Berliner Diskuswerfers Robert Harting.

Vorneweg rockten die deutschen Speerwerfer um den Diamond-League-Sieger und Vizeeuropameister Andreas Hofmann aus Mannheim sowie den Olympiasieger und frisch gekürten Europameister Thomas Röhler aus Jena das Stadion. Hier hatte es im Vorfeld manche Spekulationen gegeben, ob einer von ihnen die Speerwurflegende Jan Zelezny aus Tschechien vom Thron stürzen könnte. Zelezny ist es beim ISTAF 1995 bisher als einzigem Speerwerfer gelungen, mit dem neu eingeführten Wurfmodell mit 91,30 Metern die 90-Meter-Marke zu überbieten.

»Ich schließe nichts aus«, meinte der 26-jährige Röhler. »Viel wird von den Windverhältnissen abhängen.« Am Ende einer kräftezehrenden Saison wurde aus der Thronbesteigung zwar nichts, aber mit 86,50 Metern vereitelte Röhler als Sieger die erneute EM-Revanche von Hofmann, der mit 85,09 Metern diesmal Dritter wurde, aber Genugtuung empfand, drei Tage vorher beim Diamond-League-Finale in Zürich Röhler geschlagen zu haben. Bei der Speerwurf-Show machte der Mainzer Julian Weber (85,54) den deutschen Dreifach-Erfolg perfekt.

Im Speerwurf der Frauen musste Europameisterin Christin Hussong hingegen mit dem zweiten Platz hinter der Australierin Kelsey-Lee Roberts (62,70) zufrieden sein. Mit 61,51 Metern ließ die 24-Jährige aus Zweibrücken aber wie bei den EM die beiden Medaillengewinnerin, die Tschechin Nikola Ogrodnikova (60,35) und die Slowenin Martina Ratej (57,14), hinter sich, denen damit die EM-Revanche versagt blieb.

Im Kugelstoßen revanchierte sich die EM-Zweite Christina Schwanitz (LV Erzgebirge) mit 19,25 Metern für die unerwartete Niederlage, die ihr die Europameisterin Paulina Guba im EM-Finale beigebracht hatte. Diesmal kam die Polin nicht über 18,58 Metern hinaus. Auch im Dreisprung reichte es für die griechische Europameisterin Paraskevi Papachristou mit 14,25 Metern nur zu Platz zwei hinter Kimberly Williams aus Jamaika (14,40).

Über 110 Meter Hürden der Männer schlug der EM-Dritte und Ex-Kubaner Orlando Ortega aus Spanien als Sieger mit 13,15 Sekunden den EM-Champion Pascal Martinot-Lagarde aus Frankreich (13,38). Auch Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko verlor mit 2,28 Metern gegen den belorussischen EM-Zweiten Maksim Nedasekau (2,30).

Zum überlegenen Sieg über die nach 1991 beim ISTAF wieder gelaufene 1000-Meter-Strecke kam die Südafrikanerin Caster Semenya. Die zweifache Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin über 800 Meter lief mit 2:30,70 min Weltjahresbestzeit, die nur knapp unter der 22 Jahre alten Weltrekordzeit (2:28,98) liegt. Über die englische Meile (1609,344 Meter), die für die Frauen zum ersten Mal auf dem ISTAF-Programm stand, hatte man sich vom deutschen Lauftalent Konstanze Klosterhalfen einen Rekordangriff erhofft. Die 21-jährige Leverkusenerin hatte bei den EM als Vierte über 5000 Meter für die beste deutsche Platzierung in der EM-Geschichte gesorgt. Würde sie nun über die Meile schneller schneller sein als die frühere Cottbuserin Ulrike Bruns-Klapezynski bei ihrem deutschen Rekord mit 4:21,59 Minuten im Jahr 1985? In dem schnellen Rennen fehlte nicht viel am Rekord. In 4:24,27 Minuten wurde Klosterhalfen Dritte. Die Siegerin Marta Pen Freitas (Portugal) lief mit 4:22,45 Minuten Meetingrekord.

Der Höhepunkt war der letzte Auftritt des 33-jährigen Diskuswerfers Robert Harting. Der Olympiasieger, dreifacher Welt- und zweifacher Europameister beendete seine zwölfjährige Karriere an der Stelle, an der er 2009 erstmals Weltmeister geworden war. »Jetzt kommt der Diskus in die Vitrine. Nächstes Jahr beende ich mein Studium an der Uni der Künste in Berlin mit dem Master of Arts-Abschluss in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation.« Sein »letzter Schrei« nach dem unwiderruflich letzten Wurf kam für diese Ausgabe aber zu spät.

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