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»Jetzt können wir mal ’nen Eierlikör trinken«

Schleswig-Holstein: Comic-Zeichner Brösel begleicht auf dem Flugfeld von Hartenholm eine uralte Rechnung

  • Von André Klohn, Hartenholm
  • Lesedauer: 3 Min.

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Rötger Feldmann alias Brösel nach seinem Sieg in Hartenholm
Rötger Feldmann alias Brösel nach seinem Sieg in Hartenholm

30 Jahre hat der norddeutsche Comiczeichner Rötger Feldmann alias Brösel auf diesen Moment gewartet. Und dann ging am Sonntag auf dem schleswig-holsteinischen Flugplatz Hartenholm alles doch ganz schnell. Nach gut zehn Sekunden brauste Brösels Motorrad »Red-Porsche-Killer« vor dem roten Sportwagen seines Widersachers, dem Kieler Gastwirt Holger (Holgi) Henze, nach rund 200 Metern durchs Ziel. Der 50 Jahre alte Porsche 911 war geschlagen. Entsprechend groß fiel der Jubel Tausender »Werner«-Fans an der Strecke aus. Glücklich zeigte sich der 68 Jahre alte Brösel direkt nach Durchfahrt der Ziellinie. »Eiskalt abgeledert«, sagte Feldmann. »Das war super.« Nach der Revanche verspüre er Erleichterung. »Jetzt ist gut, jetzt können wir mal ’nen Eierlikör trinken.«

Der erstmals unterlegene Porsche-Fahrer Henze zeigte sich im Ziel als guter Verlierer: »Herzlichen Glückwunsch! Das war sehr knapp und er hat zu Recht gewonnen.« Brösel habe nur ein paar Meter Vorsprung gehabt im Ziel. An seinem Porsche habe die Maschineneinstellung nicht so gepasst, so Holgis erstes Fazit. »Ich muss nochmal analysieren, was da los war.« Er habe im Rennverlauf zwar aufgeholt, aber bei der kurzen Strecke sei es für ihn und seinen Sportwagen schwer gewesen.

Brösel widersprach: »Ich habe ja gar nicht Vollgas gegeben.« Vier Tage lang haben die Fans auf dem Flugplatz Hartenholm ein Motorsport- und Musikfestival gefeiert. Rund 80 Bands sind auf vier Bühnen aufgetreten, darunter - wie bereits 1988 - die Gruppe BAP, aber auch Fury in the Slaughterhouse, Santiano und natürlich Torfrock (»Beinhart«).

An die Dimensionen des Rennens von 1988 reichte die Neuauflage jedoch nicht heran. Für das Festival hatten die Veranstalter in diesem Jahr rund 35 000 Tickets verkauft. 1988 sollen es auf jenem kleinen Flugplatz auf dem Land dagegen 200 000 Besucher gewesen sein, die den »größten Knaller seit Ben Hur« vor Ort verfolgen wollten.

So ganz genau weiß das allerdings niemand. Denn das Rennen hatte die Region in ein Verkehrschaos gestürzt, der Anreiseverkehr auf der Autobahn 7 staute sich damals bis nach Hamburg. Die Fans störte das nicht, sie feierten eine Riesenparty. Die Geschichte des »Werner«-Rennens geht zurück auf ein Wortgefecht in den frühen 1980er Jahren im Kieler »Club 68« des Kneipenwirts Henze. Brösel soll dessen roten Porsche dabei als Wanderdüne und Salzstreuer bezeichnet haben. Holgi verspottete die Horex des Zeichners daraufhin als Vorkriegsschrott und Geraffel.

Diese Nacht inklusive des vereinbarten Rennens fand Eingang in den »Werner«-Band »Eiskalt!«. Brösel erlangte mit seiner Comicfigur »Werner«, einem viel »Bölkstoff« trinkenden Klempnerlehrling und Motorrad-Enthusiasten, bundesweite Bekanntheit. 13 »Werner«-Comics und zahlreiche Sonderbände sind erschienen, fünf »Werner«-Filme lockten 14,5 Millionen Menschen in die Kinos.

Rund 280 000 D-Mark steckte der Zeichner nach eigenen Angaben damals in den Bau seines Motorrads mit vier Horex-Motoren zu je 40 PS. Doch Brösel unterlag Holgi 1988 in Hartenholm wegen eines Schaltfehlers binnen Sekunden. Bei einer ersten Neuauflage 2004 auf dem Lausitzring vor 30 000 Zuschauern erging es ihm nicht besser: Gleich drei Mal düste der rote Porsche 911 T, Erstzulassung 1968, locker ins Ziel, während die Maschine des Zeichners aufgrund technischer Probleme jeweils nach wenigen Metern stehen blieb.

Doch diesmal verlor der 300-PS-starke Porsche. Eines war am Sonntag trotz umgekehrten Ausgangs aber gleich: Brösel ließ sich auf dem sogenannten Schmähturm vor seinen Fans mit flüssigem Dreck bewerfen, genaue Rezeptur unbekannt. Aus alter Verbundenheit stellte sich der Gewinner neben seinen dieses Mal unterlegenen Weggefährten Holgi. Der Porsche-Fahrer schaut aber bereits nach vorn: »Jetzt kann ich ja eine Revanche fordern.« dpa/nd

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