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Fantasyfilmfest: Neue Filme aus den Genres Thriller, Horror, Science Fiction

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Zombies pfählen und dazu herzige Liedchen trällern, so geht es zu in »Anna and the Apocalypse«.
Zombies pfählen und dazu herzige Liedchen trällern, so geht es zu in »Anna and the Apocalypse«.

Welches Filmgenre vermittelt traditionell Zuversicht und überschäumende Lebensfreude? Wo wird gesungen, getanzt, gesprungen, dass einem nur so das Herz im Leibe lacht? Klar: im Teenie-Musical. Und wo spritzt literweise Kunstblut, wird mit Baseballschlägern auf Köpfe eingedroschen und wackeln bleiche Untote in Zeitlupe verwüstete Straßen entlang? Im Zombiefilm.

Jetzt ist natürlich die Frage: Wie bringt man beides auf möglichst elegante Art zusammen, die Lebensfreude und die bleichen Untoten, das Tanzen und das Einschlagen von Köpfen? Logo: mithilfe des Zombie-Teenie-Musicals. Interessante Subgenres kann es schließlich nie genug geben, warum also nicht einmal neue Wege gehen und zwei unterschiedliche Erfolgsrezepte und Zielgruppen miteinander verschmelzen? Und warum soll die Zombieapokalypse, wenn sie denn schon kommen muss, eine bierernste Angelegenheit werden?

Das britische Zombie-Weihnachts-Teenie-Musical »Anna and the Apocalypse« beginnt natürlich standesgemäß mit einem Weihnachtslied und einem wundervollen Tag. In der Nachrichtensendung, die gerade im Autoradio läuft, ist zwar beiläufig von einer rätselhaften »Grippe« die Rede, an der immer mehr Leute erkranken, aber was soll’s schon? Schnell wird ein neuer Sender eingestellt, schließlich ist Weihnachten: Heute nur Gute-Laune-Musik oder gute Nachrichten, bitte!

»Hey, it’s a brand new day /What a great time to be alive«, wird unsere junge Heldin später, auf ihrem Weg zur Schule, singen, und sie wird voller Begeisterung und Elan sein, wie das so üblich ist in lebensbejahenden Musicals, ja, die Begeisterung wird ihr sozusagen aus allen Poren sprudeln, während, von ihr unbemerkt, um sie herum das Chaos ausbricht: Menschen flüchten überstürzt aus ihren Wohnungen, verfolgt von Angehörigen, die ihnen ein Stück Fleisch aus der Schulter beißen oder reißen wollen oder dies schon getan haben; orientierungslose Zombies wanken umher beziehungsweise tun sich an ihren Opfern, insbesondere deren Innereien gütlich; Menschen, die in Panik fliehen, enden in Auffahrunfällen. Wir leben in einer tollen Zeit.

Was tun? Beratung in der Schulklasse. Dann weiß man es. Der Nerd soll helfen: »He has seen every Horror Movie , he will know what to do.« Ein paar Jugendliche kämpfen sich also tapfer durch die Zombies, die auch die Schule und die Bowling-Halle belagern, weswegen man schon bald nicht mehr rauskommt. Es ist also mal wieder Zeit für ein zu Herzen gehendes Liedchen: »All I want to hear is a human voice.« Wenn der besinnliche Song zu Ende ist, kann man wieder zum Üblichen übergehen: Zombies mit großen weiß-rot-gestreiften Zuckerstangen pfählen oder sie mit Klodeckeln guillotinieren. Das Genre ist also längst nicht auserzählt, wie man hätte meinen können. Und am Ende, werden die Zombies da besiegt? Verraten wir nicht. Gesungen wird jedenfalls: »Where is the light that used to shine? / While there is hope and I still breathe I will believe!« Es behaupte keiner, man könne keinen solchen Film drehen, die Briten drehen ja, Gott sei’s gedankt, andauernd solche Filme.

Außerdem: In einer Zeit, in der Zombies wie Andrea Nahles, Markus Söder oder Donald Trump noch immer von erstaunlich vielen hierzulande ernst genommen werden, ist in Sachen nachholender Humorarbeit noch sehr viel zu leisten, da kann man schon mal einen Zombiefilm zum Lachen drehen.

Auch im diesjährigen Eröffnungsfilm des alljährlich durch mehrere deutsche Städte tourenden Fantasyfilmfests, dem in LSD-Rausch-Farben gehaltenen Rachespektakel »Mandy«, in dem es um eine Hand voll geistesgestörter religiöser Spinner und einen Mann geht, der zum Rächer wird, nachdem seine Frau von der irren Sekte zuerst gefoltert und dann ermordet worden ist, fließt viel Kunstblut. Zuerst fällt nur ein Baum irgendwo in der US-amerikanischen Einöde um, zu Fall gebracht von einer Motorsäge. Grenzte es da nicht geradezu an ein Wunder, wenn Motorsägen im weiteren Verlauf des Films nicht noch eine Rolle spielen würden?

Ein Film, der sich erfreulicherweise nicht recht entscheiden kann, ob er nun davidlynchesker psychedelischer Farbenrausch sein will oder Hommage an das Blutspritz-, Rape-and-Revenge- und Horrorkino der frühen 70er Jahre, und deshalb einfach beides geworden ist. Schon zu beginn haben wir es mit einer ausgefuchsten Bildsprache zu tun, die Nicholas Roeg (»Wenn die Gondeln Trauer tragen«) ebenso zitiert wie Tobe Hooper (»Blutgericht in Texas«): Ein ruhiger See, ein prasselndes Kaminfeuer, TV-Schnee in Großaufnahme, ein totes Bambi-Rehlein, ein paar Sektenspinner, die mit halluzinogenen Drogen experimentieren.

Die Traum- und Albtraumbilder laufen mal schnell, mal langsam ab, sind mal in rotes, mal in blaues Licht getaucht. Ein Traum als Comicsequenz. Nicolas Cage, die Schnapsflasche in der Hand, mit Unterhose in einem in Orange (!) gekachelten 70er-Jahre-Badezimmer. Die surreale Landschaft, ganz in Rot getaucht. Klar wird schnell: Hier geht’s später noch richtig zur Sache, hier werden wir noch so manches schöne größenwahnsinnige Bild sehen. Das Webmagazin »Indiewire« entdeckte in dem Film eine »beeindruckende Dosis Psychedelia und Geistesgestörtheit«. Ein schönes Kompliment. Zwischendurch ist Nicolas Cage auf einem sehenswerten Rachefeldzug.

Später gibt es dann auch noch ein per Kettensäge (wer hat die längste?) ausgetragenes Penisfechten. Beim Altersheimsender ZDF, wo man »Forsthaus Falkenau« nicht nur für eine angemessene Abbildung unserer Gegenwart hält, sondern auch für so etwas wie die Avantgarde des abendländischen Filmschaffens, weiß man gar nicht, dass solche Filme gedreht und öffentlich gezeigt werden. Gut, dass es das Fantasyfilmfest gibt.

Das Festival findet zwischen 5. und 30.9. in folgenden Städten statt: Berlin, München, Hamburg, Köln ,Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart. Programm unter: www.fantasyfilmfest.com.

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