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  • »Das schönste Mädchen der Welt«

Für sich selber kämpfen

»Das schönste Mädchen der Welt« ist moderner als man denkt

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Same old story: Ein paar Jungs haben Interesse an einem Mädchen, beziehungsweise haben sie das, was sie unter Interesse verstehen: Sie wollen das Mädchen eigentlich nur zum Objekt machen, zu einer Art Pokal, den man besitzen will.

Es wird dann um diese Frau »gebuhlt«, sie soll »erobert«, ihr Herz »gewonnen« werden - wie auf der Kirmes. Am Schießstand, den Finger am Abzug, stehen hier die Schüler Cyril (Aaron Hilmer), Rick (Damian Hardung) und Benno (Jonas Ems). Ihr »Objekt der Begierde« heißt Roxy, ist 17 und wird gespielt von der sehr talentierten Nachwuchsschauspielerin Luna Wedler. Sie ist die neue, geheimnisvolle Mitschülerin und stößt genau zum Ausflug nach Berlin zu ihrer neuen Klasse - als »Das schönste Mädchen der Welt«.

Auf der Fahrt nach Berlin muss sie neben Cyril sitzen, der sich sofort verknallt, aber sich keine Chancen bei ihr ausrechnet, denn er hat eine sehr große Nase. Auf einer Raststätte fängt Roxy dann auch an, sich für Rick zu interessieren, weil der eine Gitarre hält.

Das klingt bekannt? Ganz recht, »Das schönste Mädchen der Welt« ist eine Adaption des über Jahre alten Dramas »Cyrano de Bergerac« von Edmont Rotstand. Da geht es um einen Poeten, der wegen ebenjenem Nasenproblem seine Cousine nicht anbaggern will, sondern einem anderen Typen hilft, seine Cousine anzubaggern, indem er Liebesbriefe schreibt, von denen die Cousine dann denkt, sie seien von dem anderen Typen.

So ähnlich ist es nun auch in der neuen Teeniekomödie von Aron Lehmann. Hier ist Cyril der schlaue Typ mit dem Talent und Rick der doofe, aber normschönere. Cyril schreibt gar nicht mal so schlechte Rapsongs und Rick gibt sie als seine aus. Männer verkaufen die Manipulation von Frauen als Romantik - ein ewig sicherer Kassenschlager. Doch es bleibt hier eben nicht dabei, dass Frauen wie Quests in Videospielen behandelt werden, denn Roxy hat keinen Bock darauf, das passive Wesen ohne eigenes Begehren zu sein.

Sie hat auf den Macker Benno keinen Bock, entlarvt den pseudodeepen Rick als uninteressant und geigt Cyril ordentlich die Meinung wegen seiner Unehrlichkeit. Sie kämpft für sich selbst, statt den Jungs beim Fechten, beziehungsweise Battle-Rap zuzusehen. Stattdessen schnappt sich selbst das Mikro.

So schafft es »Das schönste Mädchen der Welt« mit den Selbstverständlichkeiten vieler bisheriger romantischer Komödien zu brechen. Die Männerrollen sind vielseitig, es gibt kein eindeutiges Gut oder Böse, die Jugend wird ernstgenommen statt sie zu ausschließlich als doofe Smartphone-Zombies zu präsentieren. Themen wie Mobbing und sexuelle Gewalt fungieren, im Gegensatz beispielsweise zu den »Fack ju Göthe«-Filmen, nicht als Gags und die Rollen der Erwachsenen, insbesondere Cyrils lustige Mutter (Anke Engelke) und die schrullige Lehrerin Frau Reimann (Heike Makatsch) sind hier locker und modern inszeniert, statt den der ewig langweiligen, klischeebeladene Generationenkampf zu bebildern.

Man weiß natürlich schon vorher wie es ausgeht, weil man deutsche Romantikkomödien kennt. Aber der Weg zum Happy End ist hier neu und progressiv. Darunter werden es die jungen Regisseure in Zukunft hoffentlich nicht mehr machen.

»Das schönste Mädchen der Welt«, Deutschland 2018, Regie: Aron Lehmann, Drehbuch: Judy Jorney, Lars Kraume, Darsteller: Luna Wedler, Aaron Hilmer, Damian Hardung, Heike Makatsch, Anke Engelke, 102 Minuten.

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