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Mehr Personal für sichere Medikamente

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.

Noch ist die ganze Dimension des Skandals um illegalen Krebsmedikamentenhandel und das darin verstrickte Unternehmen Lunapharm nicht bekannt. Das wurde am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtags deutlich. Um einer Wiederholung vorzubeugen, sollen ein eigenes Referat und insgesamt zwölf hoch bezahlte Beamten-Stellen geschaffen werden. Umstritten bleibt, wer eigentlich die Hauptschuld am Versickern und Nicht-Weiterleiten brisanter Informationen trägt. Wegen des Skandals war vor einigen Tagen Gesundheitsministerin Diana Golze (LINKE) zurückgetreten.

Wie der Präsident des zuständigen Gesundheitsamtes, Detlev Mohr, den Abgeordneten berichtete, werde das erkennbare Ausmaß des Skandals von Woche zu Woche größer. Neben Lunapharm könnten auch andere Handelsfirmen verstrickt sein. Gemeinsam mit Polizeiermittlern, aber auch im Rahmen eines europäischen Netzwerks arbeite sein Amt daran, weitere Bestände möglicherweise illegaler oder gestohlener Medikamente in Apotheken und Großhandelslagern aufzuspüren. »Diese Waren dürfen die Patienten nicht erreichen«, so Mohr. Ein Rückruf habe aus Griechenland und Zypern bezogene Medikamen᠆te betroffen, ob auch italienische Ware betroffen sei, werde geprüft.

Mohr zufolge haben acht Apotheken die verdächtigen Medikamente verschrieben, davon seien nach jetzigem Kenntnisstand elf Patienten betroffen gewesen. Doch dabei werde es nicht bleiben. Drei Apotheken hätten noch nicht geantwortet. Zugleich habe die Laboruntersuchung von sichergestellten Beständen in 21 Fällen ergeben, dass die Medikamente keine Mängel aufweisen, doch würden noch weitere Ergebnisse abgewartet. Mohr sicherte zu, dass die geplanten Inspektionen bis Jahresende im vorgesehenen Umfang stattfinden werden.

Von »dramatischen Fällen« sprach Justizminister Stefan Ludwig (LINKE), der nach dem Rücktritt von Diana Golze kommissarisch das Gesundheitsministerium leitet. Er kündigte den Aufbau eines neuen Referats an, das sich der Medikamentensicherheit widmen solle. Vorgeschlagen werde die Schaffung von fünf neuen Stellen im Ministerium und sieben im Gesundheitsamt. Ziel sei es, diese Stellen noch 2018 auszuschreiben. Eine Besetzung sei angesichts der Situation auf dem Arbeitsmarkt schwierig. Nicht zuletzt deshalb prüfe er auch Veränderungen beim Vergütungssystem, um diese Arbeitsstellen attraktiver zu machen. Auch werde es künftig im Ministerium wieder eine Innenrevision geben, die vor einigen Jahren abgeschafft worden sei.

Amtspräsident Mohr wehrte sich vor dem Ausschuss gegen den in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwurf, er habe das Gremium in früheren Sitzungen falsch oder unzureichend informiert. Er räumte ein, dass er bei Dienstberatungen frühzeitig von möglichen Problemen um das Handelsunternehmen Lunapharm gehört habe und er in einer E-Mail auch ausführlich von zuständigen Dezernatsleiter eingeweiht wurde.

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