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Gewerkschaft warnt vor Altersarmut

IG BAU: Größtes Armutsrisiko ist der Niedriglohn

»Wer jeden Tag acht Stunden malocht, der muss von seiner Arbeit auch leben können.« An der Forderung von Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Christian Stephan, sollte eigentlich nichts auszusetzen sein. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Am Donnerstag wies die Gewerkschaft in einer Mitteilung darauf hin, dass 24 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in der Hauptstadt weniger als 2200 Euro brutto im Monat verdienen. Das betrifft rund 215 600 Menschen. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Agentur für Arbeit. Die geringen Löhne stellen laut IG BAU besonders im Alter ein Armutsrisiko dar. Denn viel Rente bleibt bei dem Verdienst nicht übrig.

»Wer heute in Vollzeit weniger als 2200 Euro verdient, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter auf staatliche Stütze angewiesen«, sagt Stephan. Das ergebe sich aus Berechnungen der Bundesregierung. Danach muss jede*r Vollzeitbeschäftigte im Schnitt mindestens 12,63 Euro pro Stunde verdienen, um nach 45 Beitragsjahren bei der Rente oberhalb der staatlichen Grundsicherung zu liegen. Sonst droht Hartz IV.

Der Gewerkschafter sieht die Ursache dafür in einem ausufernden Niedriglohnsektor: »Bei vielen Beschäftigten ist die Angst groß, in Hartz IV abzurutschen. Deshalb akzeptieren sie auch Niedriglöhne. Etliche Unternehmen nutzen das schamlos aus. Sie zahlen kaum mehr als den gesetzlichen Mindestlohn.« Dabei hätten die meisten Betriebe durchaus Spielräume, mehr zu bezahlen. »Wer sich als Dumping-Unternehmer nur mit dem gesetzlichen Mindestlohn am Markt behauptet, der sollte sein Geschäftsmodell ohnehin überdenken«, sagt Stephan. Die Politik habe diesen Entwicklungen jahrelang tatenlos zugesehen.

Stephan rät, dass besonders Beschäftigte im Handwerk den Fachkräftemangel nutzen und auf Tariflöhne bestehen sollten. Die Bezahlungen in dem Bereich unterschieden sich teilweise um bis zu 960 Euro. »Von der Gebäudereinigung über das Dachdeckerhandwerk bis hin zur Landwirtschaft - für Beschäftigte geht es hier um viel Geld.«

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