Werbung

Drei Millionen in Idlib blicken nach Teheran

Iranisch-russisch-türkischer Dreiergipfel müht sich um Einigung über Schicksal der syrischen Provinz

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Wenn am heutigen Freitag in Teheran die Präsidenten des Gastgeberlandes Iran sowie Russlands und der Türkei ihre Gespräche zu Syrien beendet haben, wollen sie die Welt wissen lassen, was sie zu Idlib beschlossen haben.

Seit Wochen bereits zieht die syrische Armee Truppen um die Provinz im Nordwesten zusammen, in der sich Zehntausende dschihadistische Freischärler verschanzt, eine friedliche Übergabe zurückgewiesen haben und es offenbar auf einen blutigen Endkampf ankommen lassen wollen. Hauptleidtragende dessen würde wohl die Zivilbevölkerung sein; das sind etwa drei Millionen Menschen, die Hälfte davon Binnenflüchtlinge.

Iran und Russland haben es bisher nicht an Klarheit fehlen lassen, dass sie Präsident Baschar al-Assads militärische Pläne unterstützen. Von beiden hieß es zuletzt noch einmal, die Extremistengruppen in Idlib müssten besiegt werden. Es wird erwartet, dass beide Länder die syrischen Regierungstruppen bei einer Offensive unterstützen. Der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghassemi sagte: »Es ist das legitime Recht der syrischen Regierung, bis zum Ende gegen die Terroristen zu kämpfen und ihr Land von ihnen zu säubern.«

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Milizen vorige Woche auch seine Gunst entzogen, ist aber - neben seiner unveränderten Position für einen Sturz Assads - trotzdem gegen einen Sturm auf Idlib, weil er auf keinen Fall als Folge schwerer Kriegshandlungen erneut größere Kontingente syrischer Flüchtlinge in die Türkei lassen möchte. Selbst Assad-Gegner sollen draußen bleiben, nach türkischem Gusto am besten in den syrischen Kurdengebieten, um diese politisch-militärisch zu unterwandern.

Ebenfalls am Freitag will sich auch der UN-Sicherheitsrat mit Idlib befassen. Das Ergebnis der Teheran-Gespräche wird man dann aber schon kennen.

Ungeachtet dessen gab es bereits die ersten Fluchtbewegungen. Rund tausend Zivilisten seien seit Mittwochabend auf dem Weg aus Dörfern im Südosten Idlibs in die türkisch besetzte Kurdenregion Afrin im Norden und Gebiete im Westen der Provinz Aleppo geflüchtet, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag laut AFP. Syrische Regierungstruppen beschossen auch am Donnerstag Gebiete im Südosten Idlibs mit Artillerie. Am Dienstag hatte auch die russische Luftwaffe erstmals seit drei Wochen wieder Angriffe geflogen.

Unterdessen beklagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), dass die EU von all diese Prozessen völlig ausgeschlossen sei. Den »Lübecker Nachrichten« sagte Röttgen, die Europäer seien »zum diplomatischen Bettler geworden«, weil ihnen eine abgestimmte Nahostpolitik fehle und sie in Syrien von anderen Mächten an den Rand gedrängt worden seien.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen