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Malá Úpa

Notiert

  • Von Friedrike Kleinert
  • Lesedauer: 2 Min.

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Im August 1922 trafen sich in Malá Úpa, am Fuße der Schneekoppe im tschechischen Riesengebirge, erstmals Menschen aus Polen, der Tschechoslowakei und Deutschland, um gemeinsam über den Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und die aufziehende faschistische Gefahr zu beraten. Daraus entwickelte sich eine Tradition, die mit der Okkupation Tschechiens durch Nazideutschland unterbrochen wurde.

Zum 50. Jahrestag der ersten Zusammenkunft wurde die Tradition wieder aufgenommen. Damals wurde in Malá Úpa auch ein Denkmal errichtet, das jedoch fünf Jahre nach der »Samtenen Revolution« abgerissen wurde. Die Regierenden in der neuen Tschechischen Republik wollten offenkundig keine Erinnerung an eine antifaschistische Tradition und diese gänzlich tilgen. Aber das gelang ihnen nicht.

Wenn auch nicht mehr so zahlreich wie in realsozialistischen Zeiten finden sich seit Jahren alljährlich im August vor allem links gesinnte Menschen dort ein. Konservative Kräfte versuchen immer wieder, die Treffen zu torpedieren. 2016 hat der Bürgermeister von Malá Úpa die Kundgebung am traditionellen Veranstaltungsort untersagt, so dass die Organisatoren auf die Bundesstraße zum Grenzübergang nach Polen ausweichen mussten.

Ungefähr 150 Menschen nahmen in diesem Jahr teil, wie immer aus Tschechien, Polen, Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Staaten. Es sprachen Vertreter der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSCM), der Kommunistischen Partei Polens, des Kuratoriums ostdeutscher Verbände und der Partei DIE LINKE. Aufgerufen wurde zu verstärkten Anstrengungen, der aggressiven Politik der NATO gegenüber Russland Einhalt zu gebieten, und der Instrumentalisierung der Flüchtlingsproblematik durch Rechtspopulisten und Rechtsradikale entgegenzutreten. »Stellen wir uns den Nazis in den Weg, wo immer sie auftauchen, lasst uns gemeinsam eintreten gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit«, hieß es im Grußwort von Gesine Lötzsch.

Unter den deutschen Vertretern war Gerhard Langguth, dessen Vater in den Jahren 1934 bis 1938 als Emigrant in der Tschechoslowakei lebte und von den tschechischen Genossen in seiner Widerstandstätigkeit gegen die Hitlerdiktatur aktiv unterstützt wurde. Auch die Enkeltochter des von den Nazis 1944 in Buchenwald ermordeten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, Vera Daehle-Thälmann, war anwesend. Ihr Großvater hatte 1927 in Malá Úpa vor den Nazis gewarnt und bei der Gelegenheit als Freundschaftsgeschenk der deutschen Kommunisten den tschechischen Genossen eine Fahne überreicht, nach der in den Jahren der NS-Okkupation die Gestapo intensiv, aber vergeblich fahndete. Eben jene Fahne wehte am letzten Augustwochenende wieder über dem Veranstaltungsplatz von Malá Úpa.

Friedrike Kleinert

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