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Andere Begriffe, dieselben Ziele

Bei der ersten wachstumskritischen Nord-Süd-Konferenz bestand Einigkeit darin, mit dem Kapitalismus brechen zu müssen

  • Von Ulrich Brand, Mexiko-Stadt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zwei junge Aktivisten aus Xochimilco, einem Stadtteil im Süden von Mexiko-Stadt, versuchen seit einem Jahr eine solidarische Landwirtschaft aufzubauen. Sie seien ganz am Anfang, doch in ihrer Generation würden sich immer mehr Leute um konkrete Alternativen bemühen. Auf die Frage, warum sie an der Degrowth-Konferenz teilnehmen würden, antworten sie, dass sie ihre Arbeit gerne in einen größeren Kontext stellen würden.

Genau darum ging es bei der ersten Nord-Süd-Konferenz zum Thema Degrowth Anfang September. Nur wenige Woche nach der sechsten internationalen Konferenz im schwedischen Malmö ging es nun darum, das Potenzial einer radikalen Wachstumskritik für Länder des globalen Südens auszuloten. Etwa 200 Menschen folgten dem Aufruf. Auch wenn es Plenarveranstaltungen und Workshops zu vielen Themen gab, drehten sich viele Beiträge darum, in welchem Verhältnis der eher in Europa geprägte Begriff von Degrowth mit den Alternativdebatten in Lateinamerika stehen, insbesondere jene um Buen Vivir (Gutes Leben).

Eine Gemeinsamkeit sticht hervor: In beiden Ansätzen geht es darum, die jeweilige Wirtschaft aus dem kapitalistischen Wachstumszwang zu befreien. Was bedeutet es, wenn Kleinbäuer*innen vertrieben werden, damit großflächig Soja als Tierfutter angebaut wird und damit die Wirtschaft wächst? Alberto Acosta aus Ecuador argumentierte, in Ländern des globalen Südens gehe es angesichts der vielen Krisen vor allem darum, sich aus dem falschen Versprechen von Wachstum und Entwicklung zu befreien.

Die argentinische Soziologin Maristella Svampa stellte der Degrowth-Perspektive zwei in Nord und Süd weit verbreitete Perspektiven entgegen: Zum einen dem Argument, uns würde ein globaler Kollaps aufgrund der Umweltzerstörung bevorstehen, was dazu führe, dass Gesellschaften und Menschen gegeneinander um das Überleben kämpfen. Zum anderen kritisierte sie technokratischen Phantasien, dass mit angemessenen Technologien doch irgendwie die ökologische Krise bekämpft werden könnte. Degrowth und Gutes Leben, so Svampa, sehen die Ursachen der Krisen in den bestehenden Machtverhältnissen und im kapitalistischen Wachstumszwang. Soziale Kämpfe für eine bessere Welt seien deshalb zentral.

Immer wieder ging es um die Rolle der Mittelschichten in Lateinamerika, die zwar oft politisch progressiv seien, in ihrer eigenen Lebensweise aber eher konsumorientiert. Im Großraum Mexiko etwa ist die Zahl der Autos von 3,7 Millionen im Jahr 2005 auf unglaubliche 9,5 Millionen im Jahr 2015 gestiegen.

Die Konferenz in Mexiko wurde stark vom Lateinamerika-Programm »Sozial-ökologische Transformation« der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert, was ein überaus sinnvolles Engagement war. Insgesamt zeigte das Treffen, dass Postwachstum beziehungsweise Degrowth als Begriff kaum taugen. Zu sehr wird er als Import aus dem Norden verstanden, zu sehr als neue, dieses Mal ökologische Austerität. Doch das Anliegen gilt auch im Globalen Süden: Nämlich Wirtschaft und Gesellschaft ganz anders zu gestalten und mit dem Kapitalismus zu brechen.

Ein Dauerthema auf der Konferenz war die Wahl von Andrés Manuel López Obrador zum nächsten Präsidenten Mexikos. Der Linksliberale und seine neue Partei Morena im größten spanischsprachigen Land der Welt sind ein großer Hoffnungsschimmer über Lateinamerika hinaus. Inwieweit die angekündigte Transformation umgesetzt werden kann, ist eine der großen Fragen in den kommenden Jahren - auch für die globale Linke.

Ulrich Brand arbeitet als Professor für Internationale Politik an der Universität Wien.

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