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Deutschlands größtes Wahlamt braucht 10 500 Helfer

Wie sich München für die bayerische Landtagswahl am 14. Oktober wappnet

  • Von Sebastian Schlenker, München
  • Lesedauer: 3 Min.

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September 2017: Wahlhelfer bereiten in München die Auszählung der Briefstimmen bei der Bundestagswahl vor.
September 2017: Wahlhelfer bereiten in München die Auszählung der Briefstimmen bei der Bundestagswahl vor.

Wenn am 14. Oktober der nächste bayerische Landtag gewählt wird, ist das Wahlamt in München besonders gefragt. Rund 913 000 Menschen sind für die Wahl in den neun Stimmkreisen Münchens wahlberechtigt, wie Johannes Mayer, Sprecher des städtischen Kreisverwaltungsreferats, sagt. Denn anders als in den meisten anderen Großstädten ist in München nur ein Amt für sämtliche Wähler zuständig. Das Münchner Wahlamt ist die größte Wahlbehörde in Bayern - und sogar die größte in ganz Deutschland.

Das stellt die Mitarbeiter des für die Wahl zuständigen Kreisverwaltungsreferats vor besondere Aufgaben. Um für die große Zahl an Wahlberechtigten einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, ist das Wahlamt auf 10 500 Wahlhelfer angewiesen. »Eine solch große Zahl an Helfern zu finden, stellt uns jedes Mal wieder vor eine Herausforderung«, sagt Mayer. Auch wenn rund 60 Prozent der Wahlhelfer Angestellte der Stadt oder des Landes seien, gelte es die restlichen Helfer mittels Werbung im Internet, mit Plakaten und Werbeclips von der Mithilfe zu überzeugen.

Auch andere Großstädte wie Augsburg oder Nürnberg stehen vor der Aufgabe, zahlreiche Wahlhelfer gewinnen zu müssen. Sie können ebenfalls nicht nur auf eigene Mitarbeiter zurückgreifen. Die Frankenmetropole benötigt 4100 Wahlhelfer. »Die Bereitschaft zur Beteiligung scheint abzunehmen«, erklärte Wolf Schäfer vom Wahlamt der Stadt Nürnberg. In Augsburg sind für die Wahl 1700 Helfer gefragt. Probleme gebe es dort aber keine: »Uns gelingt es regelmäßig, genügend Wahlhelfer zu motivieren«, teilte Dieter Roßdeutscher vom Bürgeramt der Stadt mit.

Generell sei es in den kleineren Gemeinden leichter, die benötigten Wahlhelfer zusammenzubekommen, sagt Franz Dirnberger, Geschäftsführer des Bayerischen Gemeindetags. Dort sei die Beziehung zwischen den Mitarbeitern und der Kommune oft enger, was die Motivation zur Hilfe bei der Wahl erleichtere. Zudem reiche es in kleinen Gemeinden oft aus, wenn allein Angestellte der Stadt zur Wahl mithelfen, so dass dort keine Helfer von außerhalb angeworben werden müssten.

Doch auch die Bemühungen der Stadt München zahlen sich aus. So konnte das Wahlamt Ende August den zehntausendsten Wahlhelfer verzeichnen. Ist ein Helfer gefunden, geht beim Wahlamt in München die Arbeit jedoch direkt weiter: Alle Wahlhelfer müssen für ihre Aufgabe am Wahltag und bei der Auszählung geschult werden. Dafür stehen in München 60 erfahrene Wahlhelfer als Trainer bei mehr als 400 Schulungsterminen bereit.

»Wir haben mit den Schulungen bereits Mitte August begonnen, diese gehen bis kurz vor der Wahl«, sagt Mayer. Neben der überaus großen Anzahl an Wählern in München ist auch der Zuschnitt der Stimmkreise mit besonderem Aufwand verbunden.

»Da es in München neun Stimmkreise gibt, benötigen wir auch neun verschiedene Stimmzettel für die Landtagswahl sowie die ebenso stattfindende Bezirkswahl. Das stellt besondere Anforderungen an die Logistik und die Ergebnisermittlung«, sagt Mayer. Zum einen sei da das aufwendige Auszählungsverfahren in Verbindung mit der kurzen Frist bis zur Feststellung des Ergebnisses. Zum anderen die schiere Menge an Stimmzetteln, die auf die 618 Wahllokale in der bayerischen Landeshauptstadt verteilt werden müssen. Insgesamt 988 000 Stimmzettel lässt die Regierung von Oberbayern für die Wahl in München drucken. 618 000 davon landen in den Wahllokalen, die übrigen 370 000 sind für die Briefwahl vorgesehen.

Auch an den Tagen nach der Wahl sind das Wahlamt und die zahlreichen Helfer noch lange nicht fertig mit ihrer Arbeit. Von Montag bis Mittwoch korrigieren sie Rechen- oder Eingabefehler und geben - falls nötig - noch die restlichen Ergebnisse der mehr als 600 Kandidaten in den rund 900 Stimmbezirken in das Computersystem ein. Erst wenn all diese Daten beim Landeswahlleiter gelandet sind und dieser, zusammen mit den Ergebnissen aus ganz Bayern, das finale Ergebnis bekannt gibt, ist auch für das Wahlamt in München die Arbeit beendet. dpa/nd

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