Werbung

Dickes Hochhaus im Blickfeld

Bauantrag für Projekt an der Warschauer Brücke soll bis Jahresende eingereicht werden

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

»Aufmerksame Computer mit einem Dach, die über solide Kapazitäten verfügen, um starke, blühende Gemeinschaften zu fördern und enorme Möglichkeiten für die persönliche Entwicklung zu eröffnen.« Solche Häuser will der niederländische Immobilienentwickler Edge Technologies bauen, lässt das Unternehmen auf seiner Internetseite verlauten. Im Falle des Gebäudes an der Warschauer Brücke, das zwischen U-Bahnhof und entstehendem Shoppingcenter wachsen soll, liegt das Dach 142 Meter hoch und soll auf 63 500 Quadratmetern vermieteter Fläche 5000 Büroarbeitsplätze beherbergen. Ein richtiger Klopper, der das Stadtbild prägen wird.

Bis Jahresende soll der Bauantrag eingereicht werden. Zumindest aus architektonischer Sicht steht dem nach Meinung des Baukollegiums unter Leitung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher (parteilos, für LINKE) nichts entgegen. Bei seiner letzten Sitzung im Mai hatte das Gremium noch einige Einwände. Wilder und rauer wünschten sich die Teilnehmer der Runde den Bau. Ganz wichtig sei auch die ortsbezogene Nutzung der Sockelgeschosse, hieß es im Mai. »Soziales, Bildung, Kreative aus dem Kiez«, machte Architektin Verena Brehm damals einige Vorschläge. Die Investoren kündigten an, im Sommer eine entsprechende Beteiligung zu starten.

»In meiner 30-jährigen Berufslaufbahn hatte ich es noch nie erlebt, dass eine Stadtverwaltung es rauer und wilder haben wollte«, sagt Architekt Andy Young vom Büro Bjarke Ingels Group. Man habe sich daher entschlossen, die Betonkonstruktion der Geschosse klobiger zu machen. Die Mauern im Sockelbereich sollen von lokalen Künstlern und Kreativen gestaltet werden. Man habe sich bei der Idee von der »drei Meter hohen Patina von Aufklebern, Graffiti und ähnlichem« inspirieren lassen, die die Hauswände der Umgebung ziert. Eine urwaldartige Bepflanzung der Terrassen des Hochhauses habe sich als unrealistisch erwiesen. Um diese zu betonen, solle dort nun ebenfalls mit farbigen künstlerischen Akzenten sowie einer entsprechenden Beleuchtung gearbeitet werden.

Doch für Brehm sind nach wie vor viele Fragen offen. »Wie wird das Podiumsgeschoss genutzt werden, und durch wen?«, will sie bei der Baukollegiumssitzung am Montag wissen. »Wie kann eine öffentliche und nichtkommerzialisierte Nutzung nicht nur in Erdgeschoss, sondern in den ganzen Sockel?«, fragt sie weiter. »Es muss ein Konzept geben, bei dem Bezirk und Senat unterstützend wirken«, fordert sie. Das müsse im Baukollegium besprochen werden.

»Das ist für uns ein separater Stream, weil wir die Ergebnisse aus dem Baukollegium abwarten wollten«, sagt Petra van der Wielen vom Immobilienentwickler OVG Real Estate. Schließlich gingen noch dreieinhalb Jahre ins Land bis zur geplanten Fertigstellung des 400-Millionen-Euro-Projekts.

»Für uns ist das ein wesentliches Thema, kein Nebenthema«, macht Regula Lüscher klar. »Da liegt noch ein Prozess vor Ihnen.«

»Bis zur Einreichung des Bauantrags wollen wir ein Konzept abstimmen«, verspricht Projektchef Jürgen Reimann. Wenn man das Gebäude für Nutzungen in der Umgebung öffnen wolle, sei die Frage, wie viele Jahre vorher die Anforderungen klar seien. Das wird knapp, denn der nächste Termin mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist erst für Oktober angesetzt.

Auch mit der schieren Höhe des Gebäudes wollen sich längst nicht alle abfinden. »100 statt 140 Meter wäre zumindest ein Maßstab, an dem sich andere Hochhäuser auf dem Gelände orientieren«, sagt Carsten Joost. Der Architekt war einst stark bei der Bürgerinitiative »Mediaspree versenken« engagiert. Und tatsächlich hatte der einstige Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) mit den damaligen Grundstückseignern diese Höhenbeschränkung ausgehandelt. »Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg müsste mit der Forderung nach 100 Metern Maximalhöhe noch einmal auf die Investoren zugehen«, fordert Joost.

Inzwischen rennen angesichts der Büroflächenknappheit Mietinteressenten Investoren die Bude ein. Ob auch der Modehändler Zalando darunter ist? »Die sind inzwischen überall«, lautet die Antwort.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen