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Sippenhaft ist abgeschafft

Martin Kröger zu den als Clans bezeichneten Banden

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 2 Min.

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Gelbe Zahlenschilder signalisieren Spuren, die von Polizeibeamten an einem Zugang zum Tempelhofer Feld an der Oderstraße sicher gestellt wurden. Dort wurde ein Mann durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Nidal R. starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen.
Gelbe Zahlenschilder signalisieren Spuren, die von Polizeibeamten an einem Zugang zum Tempelhofer Feld an der Oderstraße sicher gestellt wurden. Dort wurde ein Mann durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Nidal R. starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Dass derzeit die Gewalt in Teilen der sogenannten Organisierten Kriminalität eskaliert, steht außer Frage. Womöglich an diesem Donnerstag soll Nidal R. in Berlin bestattet werden. Der 36-Jährige war am vergangenen Sonntag nahe des Tempelhofer Feldes von bislang unbekannten Tätern mit acht Schüssen vor den Augen seiner Kinder niedergeschossen worden. Er verstarb wenig später im Krankenhaus. R. war als zehnjähriger aus dem Libanon nach Berlin gekommen und seitdem immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er galt als sogenannter Intensivtäter.

Die Tötung auf offener Straße wird unterdessen von den Medien in der Hauptstadt wahlweise als »Clan-Krieg« beschrieben oder als »Clan-Kriminalität«. Die Strafverfolgungsbehörden sind da fortschrittlicher. Richtigerweise sprechen sie selbst gar nicht von arabischen »Clans« oder »Familienclans«. Im Behördensprech wird dagegen von Ermittlungen gegen »Straftäter aus arabischstämmigen Strukturen« gesprochen. Man ermittele nicht gegen Familien, wird zudem betont.

Die »Clan«-Terminologie dagegen suggeriert, dass der gesamte Familienverbund kriminell ist. Zwischen den Zeilen schwingt immer ein Generalverdacht mit. Doch Sippenhaft ist in Deutschland seit den Nazis aus gutem Grunde abgeschafft worden.

Diejenigen, die mit einer großen Anzahl an Straftaten auffallen, sind aber nur eine verschwindend kleine Gruppe der rund 138 000 Menschen in Berlin, deren Wurzeln im Libanon liegen. Sie haben entweder einen palästinensischen oder kurdischen Hintergrund und sind in den 1980er Jahren vor den Auswirkungen des Bürgerkrieges aus dem Libanon geflohen.

Dass Kriminelle mit dieser Geschichte so viele Straftaten begehen ist ein Problem - erst recht, wenn wie am Sonntag Passanten in Schusswechsel geraten. Es ist aber kein Familien-, sondern ein Sicherheitsproblem. Gegen die Täter muss die Polizei vorgehen, deren Familien müssen indes viel stärker aufgeklärt werden.

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