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Auf dem absteigenden Ast

Die Bundesliga der Fußballerinnen galt als stärkste der Welt. In der neuen Saison jedoch fehlen die Besten der Zunft

  • Von Frank Hellmann, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 4 Min.

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Keine Frage: Jackie Groenen ist in ihrer Heimat ein Star. Nicht nur, weil die Fußballerin vom 1. FFC Frankfurt die seit Johan Cruyff legendäre Rückennummer 14 in der niederländischen Nationalmannschaft trägt, sondern weil sie spielerischen Fähigkeiten mit einem sympathischen Auftreten verbindet. Sie war eines der fröhlichen Gesichter beim Gewinn der Europameisterschaft 2017 im eigenen Land. Der längst als Trendsetter abgelöste Frauenfußballverein aus der Mainmetropole benötigt Groenen, um in der Bundesliga wenigstens hin und wieder die Großen zu kitzeln. Bestenfalls gleich den Doublesieger VfL Wolfsburg am ersten Spieltag (Sonntag 14 Uhr).

Groenen glaubt: »Die Bundesliga ist noch die attraktivste Liga.« Noch. Sie hat vor vier Jahren bei den Chelsea Ladies in England gespielt, wo neuerdings eine Reihe von Renommierklubs gemeinsam mit dem Fußballverband (FA) kräftig das Gaspedal drücken, um auch bei den Frauen die spannendste und beste Liga der Welt zu bilden. Dass die 23-Jährige nächsten Sommer auf die Insel wechselt, wird schon jetzt vermutet. In Frankfurt bleibt sie definitiv nicht. Die deutsche Nationalspielerin Tabea Kemme und die Schweizerin Lia Wälti zog es bereits in diesem Sommer von Turbine Potsdam zu den Arsenal Women. Immerhin hat es der VfL Wolfsburg geschafft, seine beste Spielerin Pernille Harder bis 2020 zu binden, noch bevor die dänische Stürmerin zu Europas Fußballerin des Jahres gewählt worden war.

Die 25-Jährige hebt gerne hervor, wie fordernd die deutsche Liga sei. Für Heike Ullrich Direktorin des Deutschen Fußball-Bundes ist hingegen deren Ausgeglichenheit »unser Pfund«. Davon lassen sich Spitzenspielerinnen jedoch nicht ewig überzeugen. In Frankreich fördern Champions-League-Sieger Olympique Lyon und Paris St. Germain ihre weiblichen Aushängeschilder auf einem ganz anderen finanziellen Niveau. In Spanien macht nach dem FC Barcelona nun auch Real Madrid bei den Fußballerinnen ernst. Und in Italien hat Juventus Turin erkannt, dass es eigentlich ganz schick ist, Titel gleich für beide Geschlechter einzuheimsen. »Wir sind eine gewachsene Liga, die in der Breite am besten aufgestellt ist«, sagt Siegfried Dietrich, der Vordenker und Investor vom 1. FFC Frankfurt. »Aber es ist wichtig, dass wir jetzt nicht den Anschluss verpassen.«

Laut europäischem Dachverband UEFA haben die nationalen Verbände ihre Investitionen von 50 auf 100 Millionen Euro verdoppelt. Namhafte Männerlizenzvereine hätten erkannt, »dass mit vergleichsweise wenig Geld 100 Prozent Fußball unter einem Dach angeboten werden kann«, erklärt Dietrich. Keiner Spielerin könne übel genommen werden, wenn sie in attraktiven Städten wie London, Paris oder Barcelona ein Vielfaches verdienen kann. Wolfsburgs Sportdirektor Ralf Kellermann fordert daher auch: »die Liga attraktiv« zu halten, damit ausländische Nationalspielerinnen kommen und die deutschen bleiben. Sonst käme ein Teufelskreis in Gang.

Der schleichende Bedeutungsverlust der Frauen-Bundesliga wird durch einen langsam, aber stetig sinkenden Zuschauerschnitt belegt. Mittlerweile liegt er deutlich unter 900 pro Partie. Die nachhaltige Schubwirkung, die mal von der Frauen-WM 2011 in Deutschland ausgehen sollte, ist nie eingetreten. Eine vierstellige Besucherzahl bringen nur fünf Vereine zustande: Wolfsburg (1668), Potsdam (1415), Frankfurt (1290), SGS Essen (1095) und der SC Freiburg (1020). Auch Besucherzahl und Einschaltquoten der Frauenländerspiele sind übrigens rückläufig.

Vielleicht tut es dem Publikumsinteresse doch nicht so gut, dass mittlerweile acht der zwölf Bundesligisten zu einem Männerlizenzverein gehören, von denen manche die Fußballerinnen wie Mauerblümchen behandeln. Besonders stiefmütterlich sieht es beim FC Bayern München aus, wo sich bei Heimspielen im Stadion an der Grünwalder Straße eine solche Tristesse verbreitet, dass die Sportliche Leiterin Karin Danner einmal sagte: »Manchmal denke ich bei schönem Wetter auch, dass es im Englischen Garten jetzt schöner wäre als beim Frauenfußball.«

Dabei scheinen die Münchnerinnen die einzigen zu sein, die Wolfsburgs Vormachtstellung in der Liga gefährden können. Sowohl in der Meisterschaft als auch im Pokalfinale hatten die »Wölfinnen« zwar knapp die Nase vorn, aber Kellermann sieht den Kontrahenten auf Augenhöhe. Nicht nur sportlich - auch beim Budget. Der Rest schaut in die Röhre. Oder wie Siegfried Dietrich sagt: »Es kämpfen hierzulande zwei Welten gegeneinander.« Die einstigen Titelhamster aus Frankfurt und Potsdam haben bei der Vergabe der Meisterschaft seit fünf Jahren nichts zu melden. Trotz einer Jackie Groenen.

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