Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Halb offen ist besser als komplett zu

Initiative fordert sofortige Öffnung des Spreeparks / Senatsverwaltung für Umwelt reagiert überrascht auf Kritik

  • Von Florian Brand
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit einer Floßdemonstration auf der Spree wollen Aktivist*innen der Initiative »Offene Republik Spreepark« (ORS) am Samstag auf ihre Forderungen in Bezug auf den ehemaligen DDR-Vergnügungspark aufmerksam machen. Die Initiative will »die Hälfte des Parks für Kunst, Kultur, Produktion und Schnapsideen« öffnen und der Berliner Stadtgesellschaft zur Verfügung stellen, sagte Daniel Plasch von Clubcommission Berlin, die die Interessen der lokalen Clubbetreiber vertritt. Sie ist einer der beteiligten Vereine. »Das Beteiligungsverfahren verdient seinen Namen nicht«, sagte er mit Blick auf das Planungsvorhaben des Senats.

Vor drei Jahren hatte das Land Berlin den Spreepark zurück gekauft. Derzeit erarbeitet das landeseigene Unternehmen »Grün Berlin« ein Konzept für den Park. Für die Umsetzung stehen laut Umweltverwaltung 48 Millionen Euro aus verschiedenen Töpfen zur Verfügung. Das 23 Hektar große Areal an der Spree solle »ein Ort der Überraschungen, nicht der Events« werden, in dem Natur und Kultur gleichermaßen Platz hätten, hatte Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) unlängst angekündigt.

Die Aktivist*innen kritisieren hingegen das aus ihrer Sicht intransparente Verfahren. Versprechen wie die öffentliche Beteilung, seien gebrochen und Forderungen schlicht ignoriert, beziehungsweise lediglich als Worthülsen übernommen worden, so Plasch. »Wir möchten keine Kaffeefahrten, sondern einen Park für alle.« Sie fordern die sofortige Öffnung des Areals, das ein Ort für »unabhängige Kulturprojekte und unbequeme Kunst« werden solle. Berlin könne es sich nicht leisten, Flächen zu umzäunen und sie der Öffentlichkeit zu entreißen, so Plasch.

Kultursenator Klaus Lederer (LINKE) äußerte grundsätzlich Verständnis für die Schaffung von Kunst- und Kulturräumen, bestätigte sein Sprecher Daniel Bartsch dem »nd«. »Derzeit sind wir jedoch nur marginal an der Erstellung des Konzeptes beteiligt«, so Bartsch.

Auch einen Exklusivvertrag mit dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern »Nestlé«, halten die Kritiker*innen »nicht für gemeinnützig«. Es käme der Stadt zu Gute, lokale Betreiber*innen mit ins Boot zu holen, sowie nachhaltige Projekte zu unterstützen. Die Aktivist*innen fordern daher die Hälfte des Parks für lokale Akteur*innen, sowie gemeinwohlorientierte Betreiber*innenkonzepte zu öffnen.

Ein weiterer Konflikt entzündet sich an dem Ausbau des Verkehrskonzeptes. Dieses sei aufgrund der Lage im Naturschutzgebiet nicht ohne Weiteres zu realisieren, so Plasch.

In der Senatsverwaltung für Umwelt gibt man sich derweil verwundert über die Kritik an dem Bauvorhaben. »Das Projekt ist von vorne herein nicht als fertiges Konzept, sondern als Rahmenplan für die Menschen der Stadt geschaffen worden«, sagte Pressesprecher Matthias Tang auf »nd«-Anfrage. Zudem gebe es eine rege Bürger*innenbeteiligung. »Der Rahmen sieht ganz bewusst nicht vor, was dort geschehen soll, so dass Künstler und Anwohner sich dort einsetzen können.« Zwar verlange man ein geringes Eintrittsgeld, um die Pflege des Geländes gewährleisten zu können, das Areal solle aber dennoch für alle offen sein, die dort künstlerisch tätig werden wollen.

Auch mit Blick auf das Verkehrskonzept betonte er, dass Besucher*innen gut beraten seien, dort nicht mit dem Auto hinzufahren. »Wir werden keine riesigen Parkplatzflächen aus dem Boden stampfen«, sagte er. Trotzdem müsse das Gelände für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen geebnet werden. Von einem Exklusivvertrag mit »Nestlé« wusste der Sprecher hingegen nichts.

Der Spreepark war 1969 zum 20. Geburtstag der DDR eröffnet worden. Der »Kulturpark Plänterwald« war der einzige große Vergnügungspark im Osten. Millionen von DDR-Bürger*innen pilgerten nach Treptow, um sich dort zu amüsieren.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln