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Die Perle im Küchengarten lockt nach Gera

Vier Jahre lang war die Orangerie in der thüringischen Stadt wegen Hochwasserschäden geschlossen - nun bietet sie Platz für neue Ausstellungen

  • Von Doris Weilandt, Gera
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Fontänen im großen Wasserbecken schwingen sich rhythmisch in die Höhe. Sie sind der Mittelpunkt des Küchengartens, einer imposanten Parkanlage im thüringischen Gera, deren Abschluss das barocke Orangerieensemble bildet. Das aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende architektonische Kleinod ist als Geraer Kunsthalle überregional bekannt. Nach dem Juni-Hochwasser 2013 musste das Haus geschlossen werden. Zwei Jahre später hoffte man, das Haus zum Geburtstag von Otto Dix (1891-1969) mit einer Präsentation des Spätwerks wieder öffnen zu können. Doch während der Bauarbeiten stellte sich heraus, dass die Schäden weit größer waren als zunächst eingeschätzt. Das Wasser hatte die alte Gebäudeabdichtung aufgelöst. Aus dem Boden des nicht unterkellerten Nordflügels drangen toxische Dämpfe, die von verbauten Materialien stammten.

Um das Haus mit neuer Lüftungs- und Klimatechnik auszustatten, bedurfte es zudem grundlegender Veränderungen unterhalb der Grundmauern. Bautechnisch kein Problem. Doch für Gera, eine Stadt, die seit vielen Jahren enorme Geldsorgen hat und deshalb schon das für eine Dix-Präsentation geplante Kunsthaus streichen musste, waren so umfangreiche Sanierungsarbeiten nicht zu stemmen. 2014 waren die Stadtwerke pleite, 2015 standen in der Haushaltsdebatte alle freiwilligen Leistungen - die Kultur gehört leider dazu - zur Disposition. Deshalb war es schwer, mit dem Land Thüringen und anderen über Fördermittel für die Orangerie zu verhandeln. Diese stand sozusagen symbolisch für den Zustand der Stadt - ein Stillstand ohne Ausweg und die Möglichkeit der Erneuerung. Dennoch, trotz aller Schwierigkeiten, gelang es jedoch mit Unterstützung von Land und Bund schließlich, das Gebäude als modernes Ausstellungszentrum wieder herzurichten. Zur Wiedereröffnung im August strömten Hunderte Menschen in die Orangerie, um das Ereignis zu feiern.

Im Nordflügel beginnt der Rundgang zum Spätwerk von Otto Dix, der in Untermhaus, heute Stadtteil von Gera, geboren wurde, mit dem Schlüsselgemälde »Selbstbildnis mit liegendem Akt«. Mit dem Bild aus dem Jahr 1944 wurde eine neue Schaffensperiode einleitet - Dix’ Rückkehr zum Expressionismus. Der ungeheuren Wandlung, die der Maler nach den Kriegserlebnissen vollzog, soll künftig größere Beachtung geschenkt werden. »Die Geburtsstadt hat als Erbeverwalter die Aufgabe, den ganzen Dix zu zeigen«, sagt Kunstsammlungsleiter Holger Saupe zu dem Konzept, das auch das Geburtshaus einbezieht. Die jetzige Schau soll den Auftakt für eine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung der bisher wenig beachteten Periode mit »Totentanz«, »Ruinennacht« und »Höllenfahrt« bilden, in der sich der Maler von dem »Renaissancekram«, wie er selbst schreibt, verabschiedet und einer pastosen Maltechnik zuwendet, bei der die Farbe quasi Reliefs bildet.

Sehenswert ist auch die Ausstellung im Südflügel, in der die Geraer Malerfamilie Reinhold vorgestellt wird. Den Grundstock für mehrere Künstler-Generationen legte Johann Friedrich Leberecht Reinhold im späten 18. Jahrhundert. Seine Porträtkunst widmet sich vor allem der Profildarstellung, die tiefe Einblicke in die menschliche Psyche ermöglicht. Neben Persönlichkeiten aus dem Hause Reuss sowie Bürgern der Stadt zeigt er den Goethefreund und Künstler Johann Heinrich Meyer mit seiner Enkelin. Der berühmteste Vertreter der Familie Reinhold ist der jung verstorbene Sohn Heinrich.

Der Bogen, der in der Orangerie gespannt wird, reicht bis in die Gegenwart. In der Ausstellung »Out of Paper« werden erstmalig Papierarbeiten und Objekte des Geraer Künstlers Volker Regel präsentiert. Die aus verschiedenen Materialien wie Zellulose und Seidenpapier geschöpften, gefalteten und geformten Werke entfalten in den hohen Räumen ihre fragile Schönheit. Es lohnt sich unbedingt, nach Gera zu fahren.

Die Orangerie in Gera in der Küchengartenallee 4 ist jeweils mittwochs bis sonntags sowie an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

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