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Kipchoge läuft Fabel-Weltrekord

Der Kenianer gewinnt den Berlin-Marathon in 2:01:39 h. Auch die Frauen stellen Rekorde auf

  • Von Jürgen Holz
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Ich war perfekt vorbereitet und wollte nur mein Rennen laufen. Nun bin ich unendlich dankbar und glücklich«, strahlte der von Zehntausenden umjubelte Sieger Eliud Kipchoge, der für den achten Weltrekord in Berlin seit 20 Jahren sorgte. Die letzten sieben waren alle auf dem schnellen Hauptstadtkurs gefallen. Die Bestzeit beim Berlin-Marathon lag bisher bei 2:02:57 h, aufgestellt vom Kenianer Dennis Kimetto 2014 auf dem gleichen Kurs, womit er damals als Erster unter 2:03 Stunden geblieben war. Diese Zeit unterbot Kipchoge nun um 1:18 Minuten. Das ist die größte Steigerung des Männerweltrekords seit mehr als 50 Jahren.

Der 33-jährige Kipchoge war schon zweimal Berlin-Sieger, aber beim Angriff auf den Weltrekord immer gescheitert. 2015 hatte ihn ein defekter Laufschuh gebremst, und im Vorjahr verhinderten Regen und Wind die Krönung. Beim dritten Anlauf deklassierte er seine beiden Landsleute Amos Kipruto als Zweiter mit 2:06:23 h um fast fünf Minuten. Sein Dauerkonkurrent, Ex-Weltrekordler Wilson Kipsang (2:06:48 h), der den Berliner Marathon 2013 gewonnen hatte, verlor noch mehr Zeit. Auch finanziell lohnte es sich für Kipchoge. Für den Sieg erhält er 40 000 Euro, für den Weltrekord zusätzlich 50 000 Euro und 30 000 Euro extra als Bonus, weil er unter 2:04 Stunden blieb.

Bei idealen Wetterbedingungen diktierte Kipchoge von Anbeginn das temposcharfe Rennen. Im Windschatten seiner drei Tempomacher schlug er sofort ein Höllentempo an und hatte schon nach fünf Kilometern einen Vorsprung von neun Sekunden auf seinen Verfolger Kipsang. Die Halbmarathon-Marke passierte Kipchoge in 61:06 Minuten. Da war er schon 39 Sekunden schneller als Kimetto bei seinem Weltrekordrennen vor vier Jahren. Während Kipchoge unaufhörlich weiterlief, brach Kipsang bei Kilometer 25 ein und verlor am Ende als Dritter mehr als fünf Minuten.

Die letzten 17 Kilometer musste Kipchoge komplett allein laufen, denn auch sein letzter Tempomacher konnte nicht mehr mithalten. »Der letzte Abschnitt so einsam und allein an der Spitze war hart. Aber ich hatte einen Plan, den Kipchoge-Plan. Ich konnte nicht anders, als den zu erfüllen«, sagte er.

Den Weltrekord in Berlin holte sich mit Kipchoge zum vierten Mal in Serie einer der Läufer aus dem kenianischen Hochland, die wiederholt mit Dopinggerüchten konfrontiert werden. Zuletzt waren auch einige Stars positiv getestet worden. Immerhin gibt es seit Neuestem ein Dopingkontrolllabor im ostafrikanischen Land.

Kipchoge ist seit Jahren im Marathon das Maß der Dinge. 2016 gewann er bei den Olympischen Spielen Gold, im April dieses Jahres sicherte er sich zum dritten Mal den Sieg beim London-Marathon. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Eldoret und ist den Marathon schon in 2:00:25 Stunden gelaufen - beim Projekt »Breaking2« seines Laufschuhherstellers Nike am 6. Mai 2017 auf dem Formel-1-Kurs im italienischen Monza. Die schnellste Zeit überhaupt wurde vom Leichtathletik-Weltverband IAAF aber nicht als Weltrekord anerkannt, weil bei diesem Nachtrennen in jeder Runde die Tempomacher ausgewechselt wurden.

Bei den Frauen blieben erstmals gleich drei Läuferinnen unter dem 13 Jahre alten Streckenrekord der Japanerin Mizuki Noguchi (2:19:12). Den Sieg holte sich die Kenianerin Gladys Cherono in Weltjahresbestzeit von 2:18:11 h vor den beiden Äthiopierinnen Ruti Aga (2:18:34) und Tirunesh Dibaba (2:18:55).

Für die 35-Jährige war es der dritte Berlin-Marathonsieg. 2015 war sie in 2:19:25 h die Schnellste, wobei ihr 13 Sekunden am Streckenrekord fehlten. 2017 bremste der Regen ihre Rekordpläne, aber sie lief ungefährdet zum Sieg. Nach dem dritten Berlin-Triumph in Rekordzeit meinte sie: »Ich wusste, was ich kann, und habe mich super gefühlt. Auf den letzten Kilometern habe ich angegriffen und es geschafft. Ich bin happy.«

Cherono war lange Zeit eine erfolgreiche Bahn- und Straßenläuferin. 2014 wurde sie Halbmarathon-Weltmeisterin. 2011 siegte sie bei den Afrika-Meisterschaften über 5000 und 10 000 Meter. Bei den WM 2013 in Moskau holte sie über 10 000 Meter in 30:45 min die Silbermedaille. Seit 2015 widmet sie sich nun ausschließlich der Marathondistanz.

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