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»Wir werden nicht nachlassen«

Mit makelloser Bilanz führte Bundestrainer Henrik Rödl die deutschen Basketballer zur WM. Auch dank der Bundesliga hat er so viele Talente zur Auswahl wie selten zuvor

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Glückwunsch zur WM-Qualifikation, auch wenn das Spiel am Sonntagabend gegen Israel sicherlich etwas knapper war als geplant, oder?

Knapper geht’s nicht mehr. Wir hatten viel Respekt vor den Israelis. Sie hatten gegen sehr gute Georgier auch nur knapp verloren und Russland mit 20 Punkten Vorsprung besiegt. Wir waren also gewarnt. Trotzdem sind wir nicht mit der nötigen Einstellung ins Spiel gegangen, wir waren zu locker. Dann brauchte es einen Riesenkraftakt und auch das Glück des Tüchtigen, um wieder zurückzukommen.

Das 112:98 nach Verlängerung war der achte Sieg im achten Spiel. Kam diese starke Bilanz auch für Sie etwas überraschend?

Das ist ein Riesenerfolg für das Team. Mit den Gegnern, die wir in der Gruppe hatten, hätte zu dem frühen Zeitpunkt niemand erwartet, dass wir bei 8:0 Siegen stehen und uns jetzt schon qualifiziert haben. Das kommt schon überraschend, und wir sind natürlich superfroh darüber.

Vor einem Jahr wurde heftig über die Einführung der Länderspielfenster gestritten - ohne bis jetzt zu einer Lösung gekommen zu sein. Auch Sie konnten nur selten Ihre besten Spieler aufstellen. Wie fällt Ihre Bilanz nach einem Jahr aus?

Für uns war es natürlich toll. Als Bundestrainer konnte ich viele Spieler in verschiedenen Situationen testen, und trotzdem stehen wir so erfolgreich da. Aber natürlich wäre eine Einigung der großen Verbände für Europas Basketball wünschenswert.

Was passiert in den noch ausstehenden vier Spielen. Werden Sie noch mehr Spieler testen?

Wir haben ja die ganze Zeit immer mit verschiedenen Kadern gespielt, das zog sich wie ein roter Faden durch die Qualifikation. Dass wir dabei immer die gleiche Atmosphäre ins Team bekommen haben, macht mich ganz besonders stolz. Die letzten Spiele werden aber immer noch wichtig für uns sein, weil die Platzierung in der Qualifikationsgruppe für die Setzliste bei der Weltmeisterschaft mit herangezogen wird. Wir werden also nicht nachlassen und immer versuchen, die bestmöglichen Mannschaften aufzustellen und zu gewinnen.

Wie schwierig war es, immer wieder eine funktionierende Teamchemie zu kreieren, obwohl immer wieder neue Spieler dabei waren?

Eigentlich überhaupt nicht. Alle Spieler wollten unbedingt zur Nationalmannschaft kommen und haben die nötige Einstellung selbst mitgebracht. Das war schon eine besondere Situation, und ich hatte dadurch eine sehr dankbare Aufgabe.

Mit Daniel Theiss, Isaiah Hartenstein, Paul Zipser, Isaac Bonga und Moritz Wagner könnten neben Dennis Schröder und Maximilian Kleber theoretisch bald fünf weitere Deutsche in der NBA spielen, die in Leipzig noch nicht mal dabei waren. Sagt der Bundestrainer da: »Toll, das wird eine super WM!« Oder fragen Sie sich schon: »Oh Mann, wen lass ich nur zu Hause?«

Die Frage wurde schon vor vielen Turnieren von Fans und Journalisten gestellt. Die Realität war dann immer eine andere. Also erst mal gucken, wer nächsten Sommer wirklich zur Verfügung steht. Mein Vertrauen, dass die Spieler, die dann kommen, das fortführen werden, was bis jetzt geleistet wurde, ist aber sehr sehr groß.

Vor wenigen Jahren spielte nur Dirk Nowitzki in der NBA. Für die Nationalmannschaft wurden Semistars wie Shawn Bradley und Chris Kaman eingebürgert. Plötzlich gibt es viele deutsche Talente. Wo sehen Sie die Gründe dafür?

Es gibt strukturelle Gründe: Die Bundesliga (BBL) hat höhere Standards eingeführt, so dass mehr Spieler auf einem höheren Niveau trainiert werden können, und sie auch bessere Trainer haben. So steigen die Chancen, sich weiterzuentwickeln. Die BBL-Regelung, dass im Zwölf-Mann-Kader immer mindestens sechs deutsche Spieler stehen müssen, spielt auch eine große Rolle. Zudem ist Basketball immer populärer geworden, die Liga dadurch stärker im Vergleich zu anderen, und daran sind wir alle gewachsen. Jetzt haben wir eine junge Mannschaft mit unglaublich viel Talent. In der Breite war das sicher noch nie so.

Acht Partien ungeschlagen, nur zwei andere europäische Mannschaften haben die WM bereits jetzt sicher. Ist Ihr Team wirklich schon an Europas Spitze angekommen, oder war auch Glück dabei, etwa bei den knappen Siegen in Serbien oder jetzt gegen Israel?

Der Vergleich mit anderen Nationen ist nur sehr schwer zu ziehen, denn alle haben ständig ihre Mannschaften umbauen müssen. Zudem waren viele unserer Spiele sehr eng. Dementsprechend hört sich 8:0 ein bisschen besser an als der Stand der Mannschaft, so wie er jetzt ist. Trotzdem zeigt es, dass man Dinge erreichen kann, so wie wir spielen. Die Basis ist aber unsere Teamatmosphäre. Die soll uns auch bei großen Turnieren weitertragen.

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