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Integration gehört zu Deutschland

Sachverständigenrat kommt nach repräsentativer Studie zum Schluss: Integrationsklima im Land ist »stabil positiv«

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 3 Min.

Nicht nur die Ereignisse in Chemnitz, auch Alltagsdebatten, Medienberichte und die Einschätzungen von Teilen der Politik etwa im Bundestag lassen den Eindruck entstehen, um das Integrationsklima in Deutschland sei es nicht zum Besten bestellt. Doch eine wissenschaftliche Studie liefert den gegenteiligen Befund. Seit 2010 untersucht der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), wie es um die Erwartungen und die Urteile der Bevölkerung zu Themen bestellt ist, die mit Integration und Migration zusammenhängen. Jährlich gibt der SVR ein Jahresgutachten heraus - das in einer repräsentativen Studie ermittelte Integrationsbarometer, das in zweijährigem Rhythmus entsteht, ist empirische Grundlage hierbei. Die Autoren sehen den Wert ihrer Arbeit auch darin, dass beide Seiten über ihre Wahrnehmung des Integrationsklimas befragt werden, sowohl die Mehrheits- als auch die Zuwanderungsbevölkerung.

Am Montag fasste der Sachverständigenrat das Ergebnis der wissenschaftlichen Erhebung mit positiven Worten zusammen. Das Integrationsklima sei stabil positiv, so der Vorsitzende, Thomas Bauer. Dass die Diskussion über Flüchtlinge den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig gefährdet habe, sei aus den Ergebnissen nicht herauszulesen.

Integration wird im Alltag also deutlich positiver beurteilt, als man annehmen könnte. Eine Mehrheit findet, dass Flüchtlinge positiv zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands beitragen werden, eine Mehrheit findet, dass Deutschland weiterhin Flüchtlinge aufnehmen sollte. Gleichzeitig ist eine Mehrheit von 57 Prozent der Deutschen (ohne Migrationshintergrund) für eine Begrenzung der Zahl der Zuwanderer. Skeptischer als andere blicken Ostdeutsche und Männer im Westen Deutschlands auf das Thema.

Zwischen Juli 2017 und Januar 2018 wurden bundesweit rund 9300 Personen mit und ohne Migrationshintergrund befragt. Der sogenannte Integrationsklimaindex, gemessen auf einer Skala von 0 bis 100, ist gegenüber 2015 zwar leicht gesunken und liegt noch bei 63,8 Punkten statt 65,4. Aber er liegt doch deutlich oberhalb der 50-Prozentmarke. Mit ihm wird die Akzeptanz von Zuwandern, von Integration im Bildungsbereich oder der Beziehungen zwischen Zuwanderern und Mehrheitsgesellschaft bewertet.

Interessant ist, dass unter den Migranten in Deutschland Spätaussiedler am skeptischsten auf Zuwanderung blicken. Beispielsweise sind sie mehrheitlich und über die Werte anderer Gruppen hinaus überzeugt, dass Flüchtlingszuzug die Kriminalität erhöht. Und mehrheitlich dagegen, weitere Flüchtlinge aufzunehmen.

Als wichtigsten Grund für eine misstrauische Haltung haben die Forscher mangelnden Kontakt zu Zuwanderern identifiziert. Im Osten des Landes wirke dieser Effekt am deutlichsten, weil hier anteilmäßig die wenigsten Menschen mit Migrationshintergrund leben. Von einem »ostdeutschen Integrationspessimismus« zu sprechen, lehnen die Sachverständigen ab. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), plädierte vielmehr dafür, Orte der Begegnungen zu schaffen, in Vereinen, der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz. Zudem forderte sie, interkulturelle Bildung bei der Lehrerausbildung stärker zu berücksichtigen.

Die meisten Befragten mit wie ohne Migrationshintergrund sind im Grundsatz weiterhin dafür, Flüchtlinge aufzunehmen. Gleichzeitig meint die Mehrheit, dass der Zuzug von Flüchtlingen begrenzt werden muss. Ob es Muslima in Schulen und Behörden erlaubt sein soll, ein Kopftuch zu tragen, ist umstritten. Muslimische Zuwanderer und Zuwanderinnen sind überwiegend dafür. Die Mehrheitsbevölkerung dagegen sieht das besonders an Schulen kritisch.

In ihrem Jahresgutachten sprechen sich die Forscher für ein Einwanderungsgesetzbuch aus, analog dem Sozialgesetzbuch, in dem die verschiedenen Wege zusammengefasst werden sollten, auf denen Drittstaatsangehörige nach Deutschland kommen können. Für Integration durch Bildung bedürfe es keiner Gesetze, sondern eines durchlässigen Bildungssystems, das Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen gleiche Zugangschancen gewährt.

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