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Vergesslichkeit und Antriebsmangel am Anfang

Die genauen Ursachen der häufigsten Demenzform Alzheimer sind noch nicht endgültig geklärt, heilende Medikamente gibt es ebenso wenig

  • Von Andrea Hentschel
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es beginnt mit Gedächtnislücken und Sprachproblemen. Die Kranken werden orientierungslos und können sich nicht mehr erinnern. Schließlich verlieren sie ihre Selbstständigkeit und erkennen ihre Angehörigen nicht mehr. Jahr für Jahr erhalten in Deutschland rund 300 000 Menschen die Diagnose Demenz oder Alzheimer. Zum Welt-Alzheimertag an diesem Freitag machen Verbände erneut auf die Krankheit aufmerksam, die der Nervenarzt Alois Alzheimer 1906 erstmals beschrieb.

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. In Deutschland gelten der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft zufolge heute etwa 1,7 Millionen Menschen als demenzkrank. Ungefähr zwei Drittel davon haben Alzheimer. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde.

Alzheimer beginnt mit Vergesslichkeit und mangelndem Antrieb. Im weiteren Verlauf werden die gewohnten Handlungen immer schwieriger. Der Patient vergisst häufiger Worte, wird orientierungslos und kann sich nicht mehr erinnern. Einfache Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Knöpfen werden unmöglich. Schließlich verliert der Patient seine Selbstständigkeit und erkennt seine Angehörigen nicht mehr. Die sich ausweitenden Störungen des Denk- und Urteilsvermögens lassen ein normales Alltagsleben immer schwieriger werden. Viele Betroffene werden misstrauisch, aggressiv oder depressiv.

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind noch nicht endgültig geklärt. Das Gehirn von Alzheimer-Kranken weist typische Eiweißablagerungen auf. Fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge schädigen die Nervenzellen. Die für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit wichtigen Übertragungsstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden. In 90 Prozent der Fälle wirken genetische Faktoren, Alterungsprozesse und Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse zusammen. In sehr wenigen Fällen gibt es eine rein erbliche Veranlagung. Zwar kann die Krankheit auch schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, das Alter ist aber unbestritten der größte Risikofaktor. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind älter als 80 Jahre, fast 70 Prozent sind zudem Frauen.

Gegen das Fortschreiten der Krankheit oder gar für ihre Heilung gibt es bislang kein Medikament. Mit sogenannten Biomarkern kann zwar heute Alzheimer im Frühstadium einer leichten Gedächtnisstörung diagnostiziert werden, bevor eine Demenz vorliegt. Doch meist wird die Krankheit erst erkannt, wenn die geschädigten Hirnzellen unwiederbringlich verloren sind. Durch eine rechtzeitige Therapie mit Medikamenten kann der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit immerhin vorübergehend etwas hinausgezögert werden. Auch Verhaltens-, Musik- oder Erinnerungstherapien können die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Erst zum Jahresbeginn stellte der US-Pharmariese Pfizer seine Alzheimer-Forschung ein. Auch fielen einige zunächst vielversprechende Medikamente in Patiententests durch. Gegen die Krankheit werden ohnehin weniger Medikamente getestet als bei anderen weit verbreiteten schweren Erkrankungen. Die teure Forschung, in der bislang kein Durchbruch gelang, ist für viele Pharmaunternehmen schlichtweg nicht attraktiv. Verbände wie die Hirnliga fordern daher mehr Unterstützung für die klinische Forschung an Betroffenen auch durch die öffentliche Hand.

Experten empfehlen geistige, körperliche und soziale Aktivitäten zur Verringerung des Risikos, an Alzheimer zu erkranken. Empfohlen wird auch eine ausgewogene sowie fett- und cholesterinarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes. Untersuchungen zeigten, dass die Zunahme der Erkrankungen in manchen Ländern nicht mehr so groß ist wie erwartet. Als Gründe dafür werden eine gesündere Lebensweise und rege Hirnaktivität vermutet. AFP/nd

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