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Huge Assholes

Paula Irmschler nervt die Idee, wir alle könnten einfach mit viel weniger leben

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Tiny Houses, also sehr kleine Häuser, können einen wirklich sinnvollen Nutzen haben für Menschen mit geringem Einkommen, sie können praktisch eingesetzt werden an Orten mit erheblichem Platzmangel, sprich: in Situationen hilfreich sein, in denen eine kapitalistisch verursachte Not vorherrscht, die kurzfristig gelöst werden muss. Doch wann und wo auch immer innovative Komprimierungen passieren, stehen alsbald verlässlich die Arschlöcher bereit, die aus Verzweiflung geborene Ideen romantisieren und daraus ihren sektenartigen Scheiß konstruieren müssen. Tiny Houses sind jetzt in erster Linie, und entgegen ihres Ursprungs, nicht mehr erschwingliche Kompromisse, sondern der neueste Shit für Leute, denen gar nichts mehr ein- und auffällt und die diese Not immer wieder als fancy Accessoire für sich entdecken.

Das Aufgeilen am Minimalismus als Entscheidung ist natürlich nichts Neues. Oft werden einem Habenichtstrends eingeredet, die einem zu einem besseren Menschen machen sollen, weil man den Kapitalismus so angeblich austrickst, während man ihn, der Ansage wegen, in Wahrheit nur stärkt. Statt Miete zu zahlen, kann man zum Beispiel doch einfach eine Bahncard 100 im Portemonnaie tragen und darüber ein langweiliges Buch schreiben. Um mal wieder einen Raum zu spüren, schmeißt man die Möbel aus dem Fenster und kann dann eine leere Berlin-Mitte-Bude bewohnen und Bilder von vorm Spiegel bloggen. Und, come on, einfach den blöden Bürojob an den Nagel hängen und ab zur Rucksacktour - der Klassiker schlechthin.

Macht es doch einfach mal, ihr armen Schweine, lasst doch mal los, dekonstruiert das Materielle, pflückt ein paar Beeren, fühlt euch leicht und frei, ein Lächeln ist mehr wert als irgendwas. Du hast Kinder, Schulden und Krankheit? Für sowas ist eh kein Platz im Tiny House.

Dabei ist Freude an Reduktion natürlich nicht das Problem, sondern der Umstand, dass man es für generell erstrebenswert hält, wenig zu haben und das zu propagieren, statt sich für eine Welt einzusetzen, in der vernünftig ge- und verteilt wird. Denn: Man könnte das auch einfach machen mit dem Loswerden und Sichverkleinern. Man könnte seinen ganzen Besitz verfeuern oder verkaufen, die Bude reinigen, aus dem Rucksack leben, ressourcensparend, ohne daraus einen Lifestyle, einen Hype, eine Religion zu konstruieren und so zu tun, als könnten alle da einfach mitmachen und damit jene vor den Kopf stoßen und verhöhnen, für die »Wenig« keine Entscheidung, sondern ein Problem ist.

Man könnte sich einfach mal nicht wie ein ignorantes Arschloch verhalten, zumindest ein bisschen weniger eines sein und dann noch mal viel weniger, bis das Arschlochgehabe so tiny ist, dass man endlich niemanden mehr damit behelligt.

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