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Im Brigadistendress

Ein junger Fußballklub aus London erinnert an antifaschistische Spanienkämpfer. Das Trikot wird zum Hit

  • Von Simon Volpers, London
  • Lesedauer: 4 Min.

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Das lila-rot-gelbe Trikot mit dem winzigen »No pasarán«-Aufdruck im Nacken trug der CCFC erst ein Mal. Das Spiel wurde gewonnen.
Das lila-rot-gelbe Trikot mit dem winzigen »No pasarán«-Aufdruck im Nacken trug der CCFC erst ein Mal. Das Spiel wurde gewonnen.

2:1 hieß es am vergangenen Sonnabend nach 90 Minuten im Spiel zwischen Ealing Town und dem Clapton Community FC in der Middlesex Counties Division, der zwölften Liga im englischen Vereinsfußball. Spieler und mitgereiste Fans des Auswärtsteams aus dem Osten Londons, das kurz CCFC genannt wird, freuten sich letztlich über verdiente, aber dennoch etwas glückliche drei Punkte. Und mit ihnen dürften sich einige Tausend Anhänger über den Sieg im ersten Pflichtspiel des CCFC überhaupt gefreut haben.

Einige Tausend? Ja, mindestens 11 000, um genauer zu werden. So groß ist die Zahl derjenigen, die in den vergangenen Wochen ein Trikot der »Tons« bestellt haben. Seit der kleine Amateurklub aus London vor gut einem Monat das erste Mal in seinem neuen Auswärtsdress antrat, versuchen Fußballfans weltweit, ein Exemplar davon zu ergattern.

Das kommt selbstverständlich nicht von ungefähr. Zum einen ist der CCFC kein gewöhnlicher Klub. Erst in diesem Juni wurde er von ehemaligen Fans des drei Ligen höher spielenden Clapton FC gegründet, die im Streit mit dem dort die Geschicke waltenden Vereinsboss das Team verließen und eine demokratische Alternative schufen. Schon zuvor waren die Anhänger vielfältig sozial und politisch engagiert - und mit anderen linken Fanszenen in ganz Europa bestens vernetzt.

Zum anderen ist auch das heiß begehrte Trikot selbst mindestens genauso ungewöhnlich, stellt es doch eine Hommage an die Kämpfer der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg dar. Dessen Ende jährt sich im kommenden Frühjahr zum 80. Mal. Für die Fans der »Tons« war das Grund genug mit ihrem Jersey an die Verteidiger der demokratischen spanischen Republik gegen die Putschisten um General Franco zu erinnern.

In einer Abstimmung wählten sie aus 16 Vorschlägen mit gewaltigem Vorsprung den Entwurf in den Farben der Interbrigadisten - lila, rot und gelb. Der Nacken wurde zudem mit der antifaschistischen Losung »No pasarán« (Sie werden nicht durchkommen) bestickt. Das Heimtrikot trägt hingegen die rot-weiße Streifenoptik aus dem Vereinsemblem.

Hergestellt werden beide Trikots von Rage Sport, einem kleinen, italienischen Betrieb, der sich der Arbeit mit antifaschistisch und basisdemokratisch organisierten Amateurteams verschrieben hat. Eine Idee, die sich nun auszahlt: Nachdem die Nachricht von der Bedeutung des CCFC-Auswärtstrikots Ende August um die Welt ging, trudelten Anfragen aus aller Welt - und insbesondere aus Spanien - im Minutentakt ein. 250 Shirts wollte der frisch gegründete Amateurklub in der ganzen Saison verkaufen - fünf Tage nach dem ersten öffentlichen Auftritt waren bereits 5000 Exemplare abgesetzt, und die »Tons« stellten den Verkauf vorläufig ein. Seither haben sich weitere 6000 Anhänger auf eine Warteliste für die nächste Bestellrunde setzen lassen.

»In den vergangenen Wochen haben wir hart daran gearbeitet, eine Logistik für die vielen Bestellungen zu schaffen. Rage Sport hat zugesagt, 45 Tage lang mit all ihren Kapazitäten nur für uns zu arbeiten«, erzählt Thom, der Designer des Trikots, CCFC-Mitglied und, wie alle anderen im Verein, ehrenamtlich tätig. Trotz der Anstrengungen ist er über den gewaltigen Rücklauf glücklich: »Wir haben eine Welle neuer Mitglieder bekommen und viele Leute wollen sich einbringen. Das ist fantastisch!« Es sei sogar gefragt worden, ob die Spiele des Zwölftligisten nicht im Internet übertragen werden könnten.

Die Euphorie um den gerade einmal ein Vierteljahr alten Klub scheint kein Ende zu nehmen. Fast 14 000 Personen folgen ihm mittlerweile auf Twitter. Ealing Town, der Gegner vom vergangenen Wochenende, hat nicht einmal 100 Follower. »Wir dachten, wir würden schnell wieder aus den Nachrichten verdrängt werden, aber wir bekommen immer neue Anfragen. Diese Woche war ein Fernsehteam aus Brasilien zu Gast und das Material, das die Nachrichtenagentur Reuters gefilmt hat, taucht seither auf der ganzen Welt auf«, berichtet Thom.

Die riesige Aufmerksamkeit ist für die Fans aus London aufregend und ein unerwartetes Spektakel. Aber neben der kuriosen Anekdote vom Amateurteam, das Tausende Trikots verkaufte, bleibt vielleicht auch ein wenig mehr. »Wir planen gemeinsam mit der britischen Gedenkstiftung für die Internationalen Brigaden Erinnerungs- und Bildungsinitiativen in Ostlondon«, sagt Thom. Rund 2500 Antifaschisten aus dem Vereinigten Königreich und Irland waren in den 1930er Jahren nach Spanien gezogen, mehr als 500 von ihnen sollten nie mehr zurückkehren.

Womöglich schenkt der große Medienrummel nun auch dem darbenden britischen Amateurfußball wieder mehr Beachtung. Verdient hätte er es. Im Gegensatz zum milliardenschweren Profibusiness in der Premier League, wo Saisontickets der billigsten Kategorie bei manchen Klubs schon mal mehr als 1000 Euro kosten können, wird bei den Heimspielen des CCFC am Einlass nur um eine kleine Spende gebeten. Und nach Spielende kommt man sogar noch mit der Mannschaft ins Gespräch.

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