Werbung

Die Karte schmeckt nicht allen

Urlauber verärgert über das Beharren der Wirte auf Bargeld - zum Beispiel in Göhren

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die freundliche Dame an der Kasse des ABBA-Museums in Stockholm schüttelt den Kopf, als ihr der deutsche Tourist einen Geldschein geben möchte. »Vi tar bara kort« - Wir nehmen nur Karten. Sie sind das gängige Zahlungsmittel in Schweden, das sich immer mehr von Scheinen und Münzen verabschieden will. Macht die Museumsfrau Urlaub in Göhren auf Rügen und zückt dort im Restaurant ihre Kreditkarte, erntet auch sie ein Kopfschütteln - und ein: »Wir nehmen nur Bargeld!«

In der Gastronomie des Ostseebades, berichtet der NDR, verweigern die meisten Wirte noch immer die Annahme eines mittlerweile weit akzeptierten Zahlungsmittels, des »Plastic Money«. Auch aus Zingst und Usedom, um weitere Beispiele für das Beharren auf Bargeld zu nennen, berichten Touristen, dass in Gastronomiebetrieben die Annahme von Karten abgelehnt worden sei. Eine Nachricht, die Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gar nicht gern hört, ist er doch bemüht, den erfreulichen Zustrom von Feriengästen in den Nordosten weiter zu steigern. Offenbar befürchtet er, dass Besucher, die an das Zahlen per Karte gewöhnt sind, künftig jenen Häusern fernbleiben, in denen dies nicht möglich ist. »Am Ende wird der Gast mit den Füßen abstimmen«, zitiert ihn der Rundfunk. EC-Kartenzahlung sei eigentlich ein Zwang, meint Glawe. »Denn jeder, der in der Wirtschaft erfolgreich sein will, muss sich diesen Herausforderungen stellen«, betont der Politiker.

Um Lösungen des Problems sei man durchaus bemüht, bekundet Göhrens Kurdirektor Jörn Fenske. Es gebe Gespräche mit Wirten, in denen die positiven Aspekte der bargeldlosen Zahlung erörtert werden. Es sei aber auch zu bedenken, dass den vielen Kleinstbetrieben im Ort die Gebühren für Kartenlesegeräte nicht gerade behagen. Der Wirteverband Dehoga steht der Kartenzahlung befürwortend gegenüber, trage sie doch zur Steigerung des Umsatzes bei.

Doch nicht allein in kleineren Ferienorten, auch in Städten Mecklenburg-Vorpommerns sei das Zahlen per Karte oder Handy in vielen Cafés sowie Geschäften gar nicht oder erst ab einem bestimmten Wert möglich, berichtet die »Ostsee-Zeitung« (OZ). Selbst in großen Cafés im Zentrum von Rostock oder Greifswald dürfen Kunden oft nur bar bezahlen. In einem Rostocker Tabakgeschäft zum Beispiel sei der bargeldlose Einkauf erst ab 20 Euro, in einem Zinnowitzer Supermarkt ab 10 Euro möglich.

Der Nordosten laufe der internationalen Entwicklung hinterher, resümiert Tobias Woitendorf, Vizegeschäftsführer des Landestourismusverbandes, laut »OZ«. Und Kay-Uwe Teetz vom Handelsverband Nord weiß: Die meisten Einzelhändler im Land akzeptierten zwar Karten, aber wo sie es nicht tun, müssten sie mit dem Frust der Kundschaft rechnen.

»Geschäftstüchtiger« und zeitgemäßen Zahlungsformen näher als jene Gastronomen und Kaufleute, die Nein zur Karte sagen, ist offensichtlich die Leitung der evangelischen Kirche St. Nikolai in Schwerin. In jenem Gotteshaus, auch als Schelfkirche bekannt, haben die Verantwortlichen ein EC-Karten-Lesegerät platziert. Vor allem Touristen nutzen es nach ihrem Gang durch die Barockkirche in der Altstadt gern für eine Spende. Und weil es nach der Zahlung einen steuerlich verwendbaren Beleg gibt, werden auch schon mal größere Beträge gegeben, so die Kirchenverwaltung.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen