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Der Sonderling

Andreas Koristka sieht für die Zukunft von Hans-Georg Maaßen keineswegs schwarz

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zukunft von Hans-Georg Maaßen: Der Sonderling

Wo gearbeitet wird, da werden Fehler gemacht, mögen diese auch noch so klein sein. Welcher Telekomtechniker hat nicht schon einmal einen Freischaltungstermin verpasst? Welcher Stahlwerker ist noch nie in den Schmelzofen gefallen und wer hat in seiner Funktion als Behördenchef noch nie der »Bild« ein Interview gegeben, in dem er finstere und geheime Mächte im Hintergrund beschuldigte, die Ausschreitungen in Chemnitz inszeniert zu haben, um danach zuzugeben, dass er sich das alles nur ausgedacht hatte? Eben!

Arbeiter und Angestellte können nicht unfehlbar sein. Darum verwundert es, dass allen voran die SPD, die Partei der kleinen Leute, mit der Bestrafung von Verfassungsschutzchef Maaßen nicht vollauf zufrieden war. Nachverhandeln wollte Andrea Nahles und sie hat nun erreicht, dass Maaßen noch härter rangenommen wird: Seine überfällige Beförderung wird nämlich einstweilen ausgesetzt. Schlimmer noch: Maaßen wird versetzt. Er wird fortan als Sonderberater im Innenministerium arbeiten. Das ist einem Mann mit seinen Visionen (so paranoid sie auch sein mögen) eigentlich unwürdig.

Maaßen selbst hat das sozialdemokratische Credo aber vielleicht besser verstanden als die Genossen selbst. Er ist nämlich bereit anzupacken und sich ungeachtet seiner schwierigen Herkunft als Leiter einer abstrusen Behörde mit seiner eigenen Hände Arbeit wieder aus dem Morast zu ziehen. Aus diesem Grund plant er für den Beginn seiner Tätigkeit die Umsetzung eines Drei-Punkte-Plans als Sofortmaßnahme: Schreddern, schreddern und schreddern!

Andreas Koristka ist Redakteur des Satiremagazins »Eulenspiegel«.
Andreas Koristka ist Redakteur des Satiremagazins »Eulenspiegel«.

In wenigen Tagen will Maaßen die Akten des Ministeriums soweit reduziert haben, dass der Innenminister, der ihm so viel Vertrauen entgegenbrachte, sich beim Aufkommen unangenehmer Fragen immer auf die fehlende Aktenlage berufen kann. All die ans Ministerium adressierten Rechnungszettel von Modelleisenbahnartikeln der Spurgröße H0, die lustigen Schmierzettel-Zeichnungen aus den Kabinettssitzungen, die Angela Merkel mal mit Hitlerbart, mal nackt zeigen, und die Planspiele für den Schauprozess gegen Markus Söder dürfen sich dann geduldige Schnipseljäger aus den Papiermülltonnen zusammensetzen.

Außerdem plant Maaßen die Umsetzung eines neuen Systems. So soll das Innenministerium gezielt verdeckte Ermittler in alle gesellschaftlichen Bereiche einschmuggeln. Da Horst Seehofer auch Sportminister ist, ist er zum Beispiel an der Frage interessiert, warum die deutschen Athleten bei den letzten olympischen Spielen nur 17 Goldmedaillen (Russland: 19!) holten. Die V-Männer und V-Frauen sollen in Erfahrung bringen, aus welchem Grund sich die Sportler nicht mehr anstrengen und sie sollen gezielt den Trainingseifer steigern. Außerdem würde Seehofer gerne die Telefonnummer der einen Bedienung im Bundestagsrestaurant haben, die so eine sportliche Figur hat ...

Aber Maaßen will auch Kontinuität in seinem neuen Job wahren. So will sich der Ex-Verfassungsschutzchef in seiner neuen Position als Sonderberater weiterhin regelmäßig mit seinen liebgewonnenen Bekannten aus der AfD treffen, um beispielsweise zu beratschlagen, wem in nicht allzu ferner Zukunft eine Sonderbehandlung zuteil werden soll. Es schadet eben nie, wenn man gut vernetzt ist. Und wenn das Innenministerium als Folge dieser Gespräche die Forderungen der AfD schon vor Veröffentlichung kennt, dann kann Horst Seehofer sie umsetzen, ohne dass Alexander Gauland Bundestagsreden halten muss, die für den Haudegen der AfD in seinem hohen Alter eine ernstzunehmende Belastung darstellen.

Es wird natürlich ein schmieriger und dreckiger Weg für Maaßen. Aber diese Drecksarbeit ist er gewohnt. Sollte er sie besonders gewissenhaft erfüllen, dann hätte er vielleicht sogar die Chance, dass ein möglicher Nachfolger Seehofers ihn in seinem Amt als Sonderberater übernimmt. Ganz egal, ob dieser Nachfolger dann Nahles oder Höcke heißen wird.

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