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Phillip Adams (Sydney, 2013)

Unbekannte Bekannte

  • Von Walter Kaufmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Phillip Adams (Sydney, 2013)

Wie sollte ich ihn vergessen können - wer, wenn nicht Phillip Adams, hatte mir, dem Fremden, dem Entfremdeten, bei meiner wohl letzten Sydneyreise so manche Tür geöffnet? Sein Interview für die ABC, das wie alle seine Interviews quer durch Australien von einem Millionenpublikum gehört worden war, begann mit: »Welcome back, Walter Kaufmann. I know you, but you don’t know me« - Ich kenne Sie, aber Sie kennen mich nicht.

Der Einstieg hätte gelungener nicht sein können - er verwies auf den Tag, als er mich als Reporter für eine Schülerzeitung zu meinem Romanerstling »Stimmen im Sturm« befragt hatte. Das war 1956, kurz vor meiner Rückkehr nach Europa. Der damals erst 16-jährige Phillip Adams hatte mich telefonisch über ein, wie er beschrieb, rotes Telefon erreicht, das Aufzeichnungen von Gesprächen ermöglichte. Ob ich bereit sei, ihm Fragen zu beantworten? Nach meinem Ja hatte er jugendlich-eifrig losgelegt - wie einer wie ich aus Nazideutschland hatte entkommen können, wollte er wissen, und was mit meinen Eltern geschehen war und auch - dies vor allem -, wie ich den kommunistischen Widerstand gegen Hitler so überzeugend hatte schildern können. »Da waren Sie doch noch jünger als ich heute.«

Sein reges Interesse an mir war spürbar gewesen, Bewunderung auch, und ich hatte ihm ausführlich und so anschaulich wie möglich geantwortet. Das Interview in der »Trumpet«, jener Schülerzeitung, hatte ich noch vor meiner Abreise aus Australien lesen können, und nicht nur ich, sondern die gesamte »Realist Writers Group«, zu der ich damals gehörte, hatte es als gelungen eingeschätzt. Wir hatten damals - auch das fiel mir jetzt ein - dem jungen Phillip Adams ein Dankschreiben geschickt - und nun dies: Da saß ein halbes Jahrhundert später ein ergrauter, doch noch sehr kernig, sehr rüstig wirkender 74-Jähriger einem knapp 90-Jährigen gegenüber und erinnerte an Anfänge - seinen und meinen. Was sich zu einem höchst lebhaften Gespräch gestaltete. Wir glühten, glaube ich, er in seiner Schilderung des Reporters mit dem roten Telefon - »there I was an eager greenhorn full of questions!« -, und ich glühte bei der Darstellung eines jungen Schriftstellers im Aufbruch zu neuen Ufern - des jungen Mannes, der ich damals war.

Die Ausstrahlung des Gesprächs hatte mir eine Fülle von Kontakten beschert, die anders nie entstanden wären: Dank Phillip Adams war der Fremde, der Entfremdete auch im Jahr 2013 in Sydney willkommen geheißen worden. Phillip Adams’ Verbundenheit mit mir war ungebrochen gewesen, seine Freude über meinen Besuch in Sydney hatte sich bis hinein in seine Stimme mitgeteilt: Noch heute habe ich den Klang im Ohr.

Und doch - die Zeit deckt vieles zu. Die Erinnerung an jenes zweite Interview begann zu verblassen so wie die Erinnerung an unser erstes verblasst war. Phillip Adams kam mir erst wieder zur Triumphzeit des Donald Trump ins Bewusstsein. Ich hatte zufällig in einer australischen Zeitschrift vom Verkauf der schmucken Phillip-Adams-Villa in Sydneys Paddington gelesen. Der in Australien längst berühmte Rundfunkreporter hatte die Villa zeitlebens »My White House« genannt, und als seine Frau zum Käufer keine Auskunft geben wollte, hatte er, Adams, sich mit einem Lachen eingemischt: Donald Trump sei der neue Besitzer, hatte er verkündet, und seine Frau hätte das verschweigen wollen, weil der Tag abzusehen sei, an dem Donald Trump aus den USA verjagt und er sich gezwungen sehen werde, in Australien um Asyl zu bitten. »Dann wird er mein, jetzt sein White House in Paddington beziehen wollen - was nicht unbedingt an die große Glocke gehängt werden muss. Doch so wird es kommen.«

Die 70-teilige Reihe, der für unsere Serie Porträts entnommen wurden, ist als Buch unter dem Titel »Menschen & Orte« geplant, das Ende 2018 zum 95. Geburtstag des Autors in der Edition Memoria in Hürth bei Köln erscheinen soll.

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