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  • Girona FC gegen FC Barcelona

Puigdemonts Lieblingsklub

Girona FC schafft im katalanischen Derby beim großen FC Barcelona ein Unentschieden

  • Von Martin Ling, Barcelona
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Kleinen jubeln im großen Stadion: Die Spieler des Girona FC um Kapitän Alex Granell (r.) feiern den Ausgleich gegen Barca im Camp Nou.
Die Kleinen jubeln im großen Stadion: Die Spieler des Girona FC um Kapitän Alex Granell (r.) feiern den Ausgleich gegen Barca im Camp Nou.

Für politische Statements ist Fußballstar Lionel Messi nicht bekannt. Immerhin: Nur wenige Sekunden nach den obligatorischen Unabhängigkeitssprechchören in Minute 17.14 in Anlehnung an die Unterwerfung Kataloniens durch Spanien 1714, die seit vergangenen Oktober um die Forderung nach der Freiheit der damals und bis heute inhaftierten politischen Gefangenen ergänzt werden, schlug der argentinische Zauberfloh zu. Nach glänzender Vorarbeit des Ex-Bayern Arturo Vidal setzte er einen trockenen Flachschuss ins linke Eck.

1:0 in der 19. Minute - der Start zu einem rasanten katalanischen Derby zwischen dem altehrwürdigen FC Barcelona und dem Emporkömmling Girona FC aus der gleichnamigen katalanischen Provinz, die bisher eher für die Drei-Sterne-Küche des weltberühmten Gourmetrestaurants Can Roca und als Hochburg des Separatismus bekannt war als für erstklassigen Fußball. So hat dieses katalanische Derby in der Primera División noch keine Tradition: Erst zum zweiten Mal gastierte der Girona FC im Camp Nou. Girona ist der Lieblingsverein des katalanischen Ex-Präsidenten Carles Puigdemont, der zuvor Bürgermeister der 100 000-Einwohner-Stadt war. Livespiele muss er sich derzeit verkneifen: Bei Einreise aus dem belgischen Exil nach Spanien ist ihm die Verhaftung sicher.

Sein Girona FC schaffte erst 2017 erstmals den Aufstieg in Spaniens erste Liga. Zuvor fristete er sein Dasein in unteren Spielklassen - und das eigentlich seit seiner Gründung 1930. Im Jahr 2008 gelang dann der Aufstieg in die zweite Liga, neun Jahre später der Sprung in die erste. Dass trotz des schmalen Budgets der Klassenerhalt mit einem beachtlichen zehnten Rang gelang und auch in dieser Saison nach vier Spielen schon wieder ein beachtlicher sechster Platz zu Buche stand, liegt auch an den berühmten Brüdern Guardiola: Startrainer Pep und Fußballunternehmer Pere. Denn der Girona FC gehört zu 44,3 Prozent der City Fußball Group, der auch das von Pep trainierte Manchester City gehört, und zu 44,3 Prozent der Girona Football Group, bei der Pere das Sagen hat.

ManCity stellt Girona Leihspieler, für die sie selbst keine Verwendung haben, kostengünstig zur Verfügung. Ein großer Deal für den kleinen Girona FC, der nichtsdestotrotz als Aktiengesellschaft organisiert ist, während der große FC Barcelona nach wie vor ein Verein ist, bei dem zumindest theoretisch die Mitglieder das Sagen haben. Sie bestimmen über den Präsidenten und auch andere Fragen wie einst beispielsweise Trikotwerbung - ja oder nein? Erfahrungsgemäß votieren sie im Zweifel für den Kommerz, ohne den eine Mannschaft mit einem Gehaltsvolumen von mehr als 600 Millionen Euro pro Jahr schlicht nicht finanzierbar wäre.

Die Fans, darunter auch Zigtausende Touristen, hält der Kommerz freilich nicht davon ab, ins Stadion zu strömen: 76 055 waren es am Sonntagabend, trotz späten Spielbeginns um 20.45 Uhr. Doch wegen eines Feiertags war am Montag arbeitsfrei und die U-Bahnen fuhren durch, so dass der sonst übliche Verkehrskollaps nach großen Spielen entfiel.

Die Fans, vor allem die aus dem Ausland, investieren dabei jede Menge Euros in Fanaccessoires, wenn sie schon mal vor Ort sind. Dafür werden sie auch in jedem Spiel vom Stadionsprecher auf Englisch willkommen geheißen, wobei sonst alle Ansagen ausschließlich auf Katalanisch zelebriert werden. Während der Franco-Diktatur (1936 - 1975) war das Camp Nou einer der wenigen öffentlichen Orte, an denen offen Katalanisch gesprochen wurde - eigentlich war es unter Strafandrohungen verboten und nur in den eigenen vier Wänden erlaubt. Katalanischlehrer standen allein wegen ihres Berufes stets mit einem halben Bein im Gefängnis.

Fußball und Politik lassen sich in Barcelona seit diesen Zeiten nur noch schwer trennen. Das Ausgleichstor durch einen Kopfball von Gerard Piqué für Barcelona, das seit der 34. Minute nur noch mit zehn Mann spielte, weil der französische Innenverteidiger Clement Lenglet in seinem Stammelfdebüt per Videoüberwachung wegen Ellbogeneinsatzes die rote Karte gesehen hatte, fiel in der 62. Minute. Dass der Videoschiedsrichter ausgerechnet aus Madrid kam, war für manchen Anlass für neue Verschwörungstheorien, zumal der Feldschiedsrichter Freistoß für Lenglet gepfiffen und der Girona-Spieler sich für sein Foul entschuldigt hatte.

Das Unentschieden kam für den Girona FC glücklich, aber nicht unverdient. Bei Elf gegen Elf kamen die Gäste nur selten gefährlich vors Tor. Mit Elf gegen Zehn wurde es ein rasantes Spiel - mit Vorteilen für die dezimierten Hausherren, aber mit ihrem guten Sturmduo immer gefährlichen Gästen. Cristhian Stuani, der Angreifer aus Uruguay, traf doppelt (45., 51.) und steht schon bei sechs Saisontoren - keiner in der Liga hat nach fünf Spieltagen mehr, nur Messi genau soviel. Dank der besseren Tordifferenz blieb Barça trotz Remis Tabellenführer vor Real Madrid, während Girona seinen sechsten Platz behauptete.

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