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Ruhige Räumung

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es sind Szenen, die zu erwarten waren. Am frühen Dienstagmorgen rückt die Polizei mit schwerem Gerät im Baumhausdorf »Bee-chtown« an. Vor nicht einmal einer Woche starb hier der Fotograf und Blogger Steffen Meyn beim Sturz von einer Brücke. Am Boden hatten Besetzer und Freunde eine kleine Gedenkstätte eingerichtet. Ein gemaltes Porträt mit der Aufschrift »Vergiss Meyn nicht« und viele Blumen stehen dort. Als das schwere Gerät anrückte, befürchteten die Besetzer, dass der Gedenkort zerstört würde. Kurze Verhandlungen folgten, im ruhigen Ton einigte man sich darauf, den Gedenkort abzubauen. Nach dem Polizeieinsatz soll alles wieder aufgebaut werden.

Im Baumhausdorf »Beechtown« geht es dann sehr schnell. Nur zwei Aktivisten sind dort in den Häusern, die sie ohne Widerstand verlassen. Dann rücken die Klettertrupps der Polizei an und reißen die Häuser ab. Schon am frühen Nachmittag ist fast nichts mehr von »Beechtown« zu sehen. Rund um den abgesperrten Bereich stehen 20 bis 30 Unterstützer. Sie singen, rufen Parolen und fordern die Polizei immer wieder auf, ihren Einsatz zu beenden. Die Polizisten bleiben stoisch.

Einige hundert Meter weiter in »Lorien« geht es hitziger zu. Am Morgen hat die die Polizei das Baumhausdorf umstellt. Hektik kommt auf, eine Aktivistin stürzt, als sie über eine Leiter ein Baumhaus erreichen will, aus etwa zwei Metern Höhe. Ein Schockmoment für alle Umstehenden, egal ob Aktivisten oder Polizisten. Einen Polizeisanitäter lehnt die Aktivistin ab, nach kurzem Warten kommen zivile Sanitäter. Sie stellen fest, dass es der Frau halbwegs gut geht. Nur an der Schulter hat sie sich verletzt. Ins Krankenhaus will sie nicht, sie bleibt. Hier hat es die Polizei insgesamt schwerer als in »Beechtown«. Mehrere Aktivisten hängen an Seilen, die über die Wege gespannt sind, mit schwerem Räumgerät können die Beamten hier zunächst nicht anrücken. Sie müssen warten, bis die Kletterpolizisten in den anderen Baumhausdörfern fertig sind.

Für RWE eröffnete sich am Dienstag unterdessen eine ganz andere Front. Hacker, die sich der Gruppe »Anonymus« zuordnen, hatten die Internetseite des Energiekonzerns einem sogenannten Denial-of-Service Angriff ausgesetzt. Die Hacker forderten RWE in einer bei YouTube veröffentlichten Botschaft auf, die Räumung des Hambacher Forsts zu beenden und auf die Rodung des Waldes zu verzichten. RWE bestätigte den Angriff. Die Internetseite des Konzerns war zeitweise nicht zu erreichen. RWE hat eine Strafanzeige gestellt.

Die Räumungen im Hambacher Forst sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Für den 6. Oktober planen verschiedene Umweltverbände eine Großdemonstration für den Erhalt des Waldes. Das Aktionsbündnis »Ende Gelände« hat für den selben Tag Aktionen »zivilen Ungehorsams« angekündigt.

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