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Risse wie auf einem Wüstenboden

Extremer Sommer für Sachsens Talsperren - oder das, was davon übrig geblieben ist

  • Von Johannes Neudecker, Pirna
  • Lesedauer: 3 Min.

Ein heißer Spätsommertag im Osten des Erzgebirges. Zwischen einem Wäldchen ragt eine riesige Mauer von über 40 Metern in den Himmel. Dahinter liegt der Stausee der Talsperre Lehnmühle - oder das, was davon übrig geblieben ist. Denn die Trockenheit hat ihn auf 20 Prozent seines Volumens schrumpfen lassen. Das hellbraune Sediment am Ufer ist so trocken, dass sich schon Risse wie auf einem Wüstenboden gebildet haben.

Zusammen mit der Talsperre Klingenberg lagert an der Lehnmühle mehr als die Hälfte des Dresdener Trinkwasservorrats. Sitzt die Sächsische Landeshauptstadt also bald auf dem Trockenen? »Nein«, sagt Eckehard Bielitz, Fachbereichsleiter für Wasserwirtschaft bei der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen. »Die Trinkwasserversorgung durch die Talsperren in Sachsen ist gesichert.« Um die Trinkwasserqualität zu gewährleisten, sei ein Großteil des Wassers aus Lehnmühle in die tiefer im Elbtal liegende Talsperre Klingenberg geleitet worden.

In diesem Jahr hat es in Sachsen nur halb so viel geregnet wie in einem Durchschnittsjahr. Weil sogar Bäche ausgetrocknet sind, die sonst die Staubecken der Talsperren speisen, sanken die Pegelstände. Aktuell enthalten die 23 sächsischen Trinkwassertalsperren im Schnitt 70 Prozent ihres Stauziels - das ist das Fassungsvermögen abzüglich des Raumes, der für Hochwasser frei gehalten wird. Talsperren speichern den Wasserbedarf von mindestens zwei Jahren. Eine Trockenperiode stellt keine Gefahr dar. Wenn das nächste Jahr allerdings ähnlich trocken ausfällt, »könnte das für den Trinkwasservorrat kritisch werden«, so Wasserwirtschaftsexperte Bielitz.

Die letzte langanhaltende Niederschlagsknappheit in Sachsen liegt einige Jahrzehnte zurück. In den 1960er Jahren ließen drei aufeinanderfolgende Trockenperioden einige Talsperren fast austrocknen. Mit so einem Szenario rechnet bei der Talsperrenverwaltung jetzt niemand. Die Auswirkungen der Trockenheit sind jedoch an einigen Dämmen zu erkennen. In Lehnmühle hat der niedrige Pegel eine alte Steinbrücke wieder an der Oberfläche erscheinen lassen. Das hat auch unerlaubte Badegäste angelockt. In Trinkwasserspeichern ist Schwimmen aus hygienischen Gründen verboten. Menschen könnten auf dem feuchten Schlamm ausrutschen oder einsinken und sich in Lebensgefahr bringen. Gefahr geht auch von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg aus, die unbemerkt in den Stauseen lagert. »2010 haben wir bei Überprüfungen an der Talsperre Klingenberg Granaten und Blindgänger gefunden«, erzählt Bielitz. Einige Talsperren seien vor über 100 Jahren gebaut worden. Menschen, die sich gegen Kriegsende ihrer Munitionsreste entledigten, hätten diese einfach in den See geworfen.

Die Talsperren Quitzdorf und Bautzen kämpfen unterdessen mit Blaualgen. Zwar führen diese Staubecken kein Trinkwasser, jedoch sollten Badegäste bei Blaualgenbefall lieber im Trockenen bleiben, denn die Bakterien können Übelkeit und Hautreizungen verursachen.

Um die Staubecken an den sächsischen Talsperren wieder zu füllen, muss es jetzt überdurchschnittlich viel regnen. Andernfalls bleiben die Pegel auf dem jetzigen Niveau. Wenn sich die Beobachtungen der LTV bestätigen, lässt der Regen nicht mehr lange auf sich warten. Denn die Behörde hat in den letzten vier bis fünf Jahren bemerkt, dass sich die Zeiten mit viel Regen in Herbst und Frühling verlagert haben. dpa/nd

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