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Wenn der Staat nicht umverteilt

Allianz-Ökonomen bescheinigen besonders den USA ein »großes Verteilungsproblem«

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Viel war in den ersten Jahren nach der Finanzkrise von der ungleichen Verteilung des Reichtums die Rede. Mit Slogans wie »We are the 99 Percent« (Wir sind die 99 Prozent) wurden die Marktkräfte kritisiert, die nicht nur immer wieder zu Krisen führen, sondern auch zu extrem zwischen Reich und Arm gespaltenen Gesellschaften. Die SPD ging deswegen 2013 mit dem Versprechen einer Vermögenssteuer in den Wahlkampf, der französische Starökonom Thomas Piketty brachte mit seinem Werk »Das Kapital im 21. Jahrhundert« im selben Jahr nicht nur die Feuilletons in Aufregung.

Fünf Jahre danach scheint mit dem Aufkommen des Rechtspopulismus das Problem aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden zu sein. Doch besteht es noch immer. Besonders die USA, die seit Januar 2017 vom ultrarechten US-Präsidenten Donald Trump regiert werden, haben ein ausgeprägtes Verteilungsproblem. Und wer meint, dass dies nur linke Propaganda sei, der irrt. Auch die Ökonomen von Deutschlands größtem Versicherer bescheinigen den USA im »Allianz Global Wealth Report 2018« als einem der »ungleichsten Länder« der Erde ein »großes Verteilungsproblem«.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Forscher in dem am Mittwoch veröffentlichen Allianz-Bericht ein Ursache für die extreme Ungleichheit in den USA in der mangelnden staatlichen Umverteilung durch den Staat sehen. So schreiben sie: »Es sind vor allem die angelsächsisch geprägten Gesellschaften mit ihrer starken Betonung des Marktmechanismus gegenüber korrigierenden Staatseingriffen, in denen die Vermögensverteilung im internationalen Vergleich eine starke Konzentration aufzeigt.«

Dabei wuchsen die Vermögen in den USA vergangenes Jahr mit 8,5 Prozent besonders schnell, während die Geldvermögen der privaten Haushalte weltweit insgesamt um 7,7 Prozent auf über 168 Milliarden Euro anstiegen. Und obwohl die globale Unterschicht schrumpfte und die globale Mittelschicht wuchs, ist der Reichtum auch weltweit betrachtet immer noch sehr ungleich verteilt. »Die reichsten zehn Prozent weltweit vereinen 78,9 Prozent der gesamten Netto-Geldvermögen auf sich; für die untere Bevölkerungshälfte, rund 2,5 Milliarden Menschen, verbleiben weniger als ein Prozent«, schreibt die Allianz. Auch sind 60 Millionen Menschen in der globalen Mittelschicht »Absteiger« aus den alten Industrieländern. »Dies betrifft in erster Linie die USA und Japan, aber auch europäische Länder wie Italien, Frankreich oder Griechenland.«

Um den Stand und die Entwicklung der Ungleichheit innerhalb der 50 Länder, die sie untersuchten, zu messen, wandten die Allianz-Forscher zwei Methoden an. Zum einen schufen sie einen neuen Indikator, in den etwa der Anteil der reichsten zehn Prozent und der unteren Bevölkerungshälfte am Gesamtvermögen eingehen. Zum anderen verglichen sie die Entwicklung des durchschnittlichen Vermögens mit der des sogenannten Medianvermögens.

Das Medianvermögen teilt die Bevölkerung in zwei Hälften. Es ist exakt jener Wert, bei dem die eine Hälfte der Bevölkerung mehr und die andere weniger besitzt. Dabei ist in ungleichen Gesellschaften das durchschnittliche Vermögen immer größer als das Medianvermögen und je größer die Differenz zwischen beiden Vermögen ist, desto ungleicher ist der Reichtum verteilt. Folglich gilt: Steigt die Differenz, so steigt auch die Ungleichheit. Diese Entwicklung stellten die Wissenschaftler nicht nur für Länder wie die USA, Indien oder Südafrika, sondern auch für viele europäische Staaten fest. »Die Wahrnehmung, dass in den letzten Jahrzehnten vor allem die «alten» Industrieländer unter einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich leiden, entspricht also in vielen Fällen durchaus der Realität«, schließen die Autoren des Berichts.

Betrachtet man den neuen Allianz-Ungleichheitsindex, dann steht Deutschland übrigens in Sachen Ungleichheit auf einem unrühmlichen sechsten Platz. Einen Grund für diese relativ hohe Ungleichheit sehen die Ökonomen in der Wiedervereinigung. So besitzen die Menschen im Osten weniger als im Westen.

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