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Birthler wird Vertrauensperson

Ex-Bundesbeauftragte soll Kulturwandel in Gedenkstätte Hohenschönhausen einleiten

  • Von Florian Brand und Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sie soll unter anderem als Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter*innen fungieren. Marianne Birthler, frühere Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, soll den Kulturwandel in der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen einleiten. Das kündigte Kultursenator Klaus Lederer (LINKE) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus an. Nach der Freistellung des Direktors Hubertus Knabe und seines Stellvertreters Helmuth Frauendorfer soll Birthler zudem die Neubesetzung der Führungsetage unterstützen.

In der mündlichen Fragestunde des Parlaments nahm Lederer sehr ausführlich zu den Vorwürfen von Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte wegen sexueller Belästigung Stellung. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe habe er in Absprache mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) eine Rechtsanwältin beauftragt, die Vorwürfe im Einzelnen zu prüfen, sagte Lederer. Der Kultursenator kritisierte, dass er im Laufe des Aufklärungsprozesses den Eindruck gehabt habe, dass es seitens der Gedenkstättenführung kein Problembewusstsein gebe. Dabei sei klar, dass die geltenden Bestimmungen des Allgemeines Gleichbehandlungsgesetzes einzuhalten sind.

Der LINKE-Politiker zeigte sich angesichts dessen erleichtert darüber, dass es gelungen sei, mit Marianne Birthler eine erfahrene Persönlichkeit gewonnen zu haben, die die Erfahrung mitbringt, mit einer solch diffizilen Situation umzugehen.

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters zeigte sich froh und dankbar über die neue Personalie. »Mit Marianne Birthler verbinden mich langjährige gute gemeinsame Erfahrungen in der Erinnerungskultur und insbesondere auf dem sensiblen Feld der Aufarbeitung der SED-Diktatur«, ließ sie in einem Statement verlauten. »So wichtig mir Marianne Birthlers Rat in den zurückliegenden Jahren war, so wertvoll ist er gerade auch jetzt.« Damit werde ein gemeinsames, überparteiliches, starkes Signal der Fürsorge für die Gedenkstätte gesetzt, so Grütters. Ihr sei es in den zurückliegenden Wochen wichtig gewesen, die Einrichtung zu schützen und die Aufklärung über Diktatur und Widerstand in größtmöglicher Unabhängigkeit und Unbefangenheit sicherzustellen.

Hubertus Knabe hingegen zeigte sich erschüttert, nach 17 Jahren »auf die Straße gesetzt« zu werden, kommentierte der Geschasste seinen Rauswurf auf Twitter. »Ich würde die Aufgabe gerne fortführen, denn ich fühle mich der Aufarbeitung der SED-Diktatur weiterhin tief verbunden«, erklärte Knabe. »Mit großer Leidenschaft« habe er sich dem Aufbau der Stasiopfer-Gedenkstätte gewidmet.

Wie lange Birthler in beratender Funktion bleibt und ob sie etwa auch für die Stelle einer Interimsdirektorin in Frage kommt, wollte Lederers Sprecher auf Anfrage nicht kommentieren. »Wir sind froh, dass es so schnell gegangen ist und wir mit Frau Birthler eine so ausgezeichnete Persönlichkeit gefunden haben.« Sie werde sich zunächst einen Überblick über die Situation verschaffen und zeitnah mit den Mitarbeiter*innen in Verbindung treten. Die beiden nun freigewordenen Stellen der Führungsebene sollen laut Senat ordentlich ausgeschrieben werden.

Derweil schweben bereits einige Namen zur Nachfolge Knabes im Raum, die Lederers Sprecher jedoch ebenfalls nicht kommentieren wollte. Genannt wird Jens Gieseke vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Er wurde in der »Berliner Morgenpost« vom früheren DDR-Bürgerrechtler Stephan Hilsberg als Nachfolger ins Spiel gebracht. Gieseke erklärte auf nd-Anfrage: »Das ist völliger Quatsch, ich habe meinen Traumjob bereits gefunden.« Er sei kein Gedenkstätten-Mensch und deswegen für die Stelle völlig ungeeignet.

Ein anderer neuer Leiter könnte Jörn Mothes sein, der Beiratsvorsitzende der Stasi-Unterlagenbehörde. Er wurde vom SPD-Politiker und letzten Außenminister der DDR, Markus Meckel, in der »Berliner Zeitung« vorgeschlagen. Die Aufarbeitung des Kommunismus, aber auch des Nationalsozialismus und Vertreibungen stünden zu oft nebeneinander und seien zu wenig integriert. Mothes sei vor diesem Hintergrund genau der richtige, nicht zuletzt auch aufgrund seiner hohen Sozialkompetenz, sagte Meckel dem »nd«.

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