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Es begann mit Aitmatow

Seit 47 Jahren schreibt Irmtraud Gutschke im »nd« über Literatur und Literaten

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es begann mit Aitmatow

Man kann sich Irmtraud Gutschke nicht anders vorstellen als inmitten von Büchern. Auf ihrem Schreibtisch stapeln sich die Bände, ringsherum vollgestopfte Regale bis zur Decke. Und zu Hause, sagt sie, könne sie nur noch ein neues Buch ins Regal stellen, wenn sie zuvor eines herausgenommen hat.

Irmtraud Gutschke weiß viel über Literatur und darüber, was sie mit den Lesern anstellen kann. Aber sie ist alles andere als eine Literaturpäpstin. Sie maßt sich keine Urteile an, sie schreibt liebevoll über Literatur. »Wozu einen Verriss drucken«, sagte sie einmal, »wo es doch so viele gute, schöne, wichtige Bücher gibt.«

Sie kann auf eine ganz eigene Weise über Literatur und Literaten sprechen. Leise, behutsam, nachdenklich, fesselnd. Säle füllen sich, wenn ihr Name auf dem Plakat steht, wenn sie dem Publikum von Hermann Kant oder Eva Strittmatter erzählt, mit denen sie viel beachtete Interviewbände veröffentlichte und zu denen sie ein vertrautes Verhältnis fand. Oder wenn sie über Tschingis Aitmatow spricht.

Überhaupt Aitmatow. Mit der Kunst des Kirgisen verbindet sie eine lange Beziehung, seit dem Herbst 1969. Damals las sie, die Studentin, die Lehrerin für Russisch und Englisch werden wollte, seine Novelle »Djamila«. Danach war sie eine andere. Aitmatows Sprache habe sie in eine Stimmung versetzt, als schwebe sie. Spontan beschloss sie, über diesen Dichter ihre Diplomarbeit zu schreiben. Eine Dissertation sollte sich anschließen, dann hörte sie, dass im Kulturressort des »Neuen Deutschland« jemand mit Russischkenntnissen gesucht werde. So kam sie vor 47 Jahren nach Berlin, zur Zeitung - »mit 21 und Schleife im Haar«.

Auf ihr erstes Interview mit einem sowjetischen Autor hat sie sich einen Monat lang vorbereitet. Überhaupt, sagt sie, war sie lange Zeit eine Lernende. Die Doktorarbeit schrieb sie nebenbei, natürlich über Aitmatow, dem sie später zwei Bücher widmete. Bis heute freue sie sich über die Fülle der Neuerscheinungen und möchte diese Freude an die Leser weitergeben. Wer ihre Texte liest, lernt sie kennen, denn sie gibt nicht wenig von sich preis: ihre Anteilnahme und Erfahrungen, Fragen und Besorgnisse.

Bald verlässt Irmtraud Gutschke die nd-Redaktion; sie geht in den Ruhestand. Ihr Terminkalender ist gut gefüllt, Gespräche und Vorträge über alte und neue Bücher. Unterwegs in literarischer Mission zwischen Berlin, Moskau, Neuruppin, Bad Homburg und Bischkek.

Sie wird uns fehlen, mit ihrer Erfahrung, ihrer menschlichen Wärme, und sie wird bleiben. Denn sie wird weiter über Bücher schreiben und darüber, was sie bedeuten und bewirken. Jahrzehntelang, sagt sie, habe sie nur Bücher gelesen, die sie dann auch besprochen hat. Wünschen wir ihr, dass sie hin und wieder die Muße findet, ein Buch ganz ohne Termindruck und Schreibverpflichtung in die Hand zu nehmen. Einfach nur, weil es schön ist.

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