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Deutsche Tradition für russisches Gas

Der deutsche Chemiekonzern BASF schmiedet mit russischer Hilfe einen internationalen Energiekonzern

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Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima rief Bundeskanzlerin Angela Merkel die Energiewende aus. Obwohl sie erst wenige Monate zuvor die Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke verlängert hatte, proklamierte sie nun den Ausstieg aus der Kernenergie und den Übergang von fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle zu einer nachhaltigen Energieversorgung durch erneuerbarer Energien. Damit galt Deutschland plötzlich als globaler Vorreiter in Sachen Klimarettung.

Im Widerspruch dazu stehen nicht nur die fortgesetzte Braunkohleförderung oder der Verzicht der Europäischen Union, das Klimaziel für 2030 offiziell anzuheben - maßgeblich auf Betreiben der Bundesregierung. Auch deutsche Energieunternehmen setzen nach wie vor auf fossile Energieträger. Die geplante Erweiterung der Gaspipeline North Stream ist ein ebenso deutliches Beispiel wie die am Donnerstag verkündete Fusion des Öl- und Gasgeschäfts des Chemiekonzerns BASF und der Luxemburger Holding LetterOne, die vom russisch-israelischen Oligarchen Michail Fridman und seinen Geschäftspartnern German Chan und Aleksej Kusmitschjow kontrolliert wird. Beide Seiten unterzeichneten eine verbindliche Vereinbarung über den Zusammenschluss ihrer jeweiligen Töchter Wintershall und DEA Deutsche Erdöl AG.

Das künftige Gemeinschaftsunternehmen ist im Vergleich zu transnationalen Konzernen wie Shell oder Gazprom mit einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro kein Global Player. Die Fusion stärkt aber die Ausrichtung auf den russischen Markt. 43 Prozent der Förderung Wintershall Dea kommen aus dem Land. Mit 35 Prozent folgt Europa, der Rest entfällt auf den Nahen Osten und Lateinamerika. Im Vergleich zu dem von US-Präsident Donald Trump gepriesenen amerikanischen Flüssiggas ist das russische Erdgas tatsächlich billiger. Eine unveränderte Ausrichtung auf fossile Energieträger hintertreibt jedoch die selbst gesteckten Ziele der Bundesregierung und gefährdet das Klima.

Erfreut zeigen sich dagegen die deutschen Energieunternehmen. Durch den Zusammenschluss »schaffen BASF und LetterOne die Basis für profitables Wachstum«, erklärte BASF-Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel. Der forcierte Konzentrationsprozess in der deutschen Öl- und Gasindustrie ist zudem eine Reaktion auf die internationale Konkurrenz. »Ich bin überzeugt, Wintershall DEA wird das deutsche Traditionsunternehmen für Öl und Gas und der führende unabhängige europäische Produzent«, kommentiert der Wintershall-Vorstandsvorsitzende Mario Mehren den Deal, in dem BASF die Kontrolle behält. Der Anteil des deutschen Chemiekonzerns an Wintershall DEA wird zunächst 67 Prozent betragen, der von LetterOne 33 Prozent. Innerhalb der nächsten 36 Monate soll der BASF-Anteil sogar auf 72,7 Prozent steigen - noch vor dem geplanten Börsengang von Wintershall DEA.

Der russische Oligarch Fridman bleibt damit Juniorpartner in dem Unternehmen. Dieser hatte die DEA erst im Jahr 2014 über die Holding LetterOne von dem krisengeplagten deutschen Energiekonzern RWE erworben. Die britische Regierung blockierte das Geschäft jedoch zeitweilig aufgrund der sich verschlechternden Beziehungen mit Russland im Zuge der Ukrainekrise. Die Bundesregierung ihrerseits warb für das Geschäft, da es sich bei der Investorengruppe LetterOne um einen in der EU ansässigen Investor handele.

Tatsächlich ist die Holding eine klassische »Finanz-Industrie-Gruppe« (FIG) russischer Oligarchen. Dabei handelt es sich um Dachgesellschaften, in denen Oligarchen ihren weit verstreuten Besitz bündeln. LetterOne zum Beispiel verfügt über Unternehmensanteile in den Sektoren Einzelhandel, Telekommunikation und Energie. Eine weitere Besonderheit der FIGs besteht darin, dass sie üblicherweise auf schwach regulierten Finanzplätzen wie Luxemburg, den britischen Jungferninseln oder Zypern registriert sind. Damit bringen sie den russischen Staat um wichtige Steuereinnahmen. Doch Geschäften muss das ja nicht im Wege stehen.

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