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Stricken am Mythos

FPÖ-Chef Strache hat ein Denkmal für »Österreichs Trümmerfrauen 1943-1954« eingeweiht und bedient damit eine Sehnsucht nach rechter Geschichtsdeutung

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wien hat seit Montag ein neues Denkmal - sagen die einen. Die anderen bestehen darauf, dass sich dieses auf Privatgrund befinde und städtischerseits »nicht in Obhut genommen« werde. Die einen, das sind die »Cajetan Felder Stiftung«, die der FPÖ nahesteht und deren Frontmann Hans-Christian Strache, derzeit Österreichs Vizekanzler und »Bundesminister für öffentlichen Dienst und Sport« ist. Die anderen, das sind die in Wien regierenden Sozialdemokraten sowie etliche Historikerinnen.

Es geht hier also offenbar um einen geschichtspolitischen Coup. Freilich ist sein Thema gut gewählt: Die Aktion dreht sich um ein schillerndes Bild des kollektiven Gedächtnisses: »Österreichs Trümmerfrauen 1943 bis 1954«. Was kann an daran problematisch sein, was spezifisch rechts?

Im deutschen Kontext ist die »Trümmerfrau« eines der wenigen Sujets, auf die sich Ost und West vordergründig einigten. Die frühere DDR ist voll solcher Denkmäler, doch auch im Westen gibt es einige - und die bundesrepublikanische 50-Pfennig-Münze, auf der eine kniende Frau eine Eiche pflanzt, sollte neben den »Kulturfrauen« in der Aufforstung auch den, wie es lange gemeinhin hieß, »unzähligen« Trümmerfrauen ein Denkmal setzen.

Aus heutiger Sicht fällt nun erstens auf, dass sich unterschiedliche Symboliken mit dem Thema verbinden: Im Osten wurde anhand junger, starker und optimistischer Frauen sozialistischer Elan nebst seinem neuem Frauenbild symbolisiert. Im Westen findet man mehr nach »Opfern« aussehende Bilder - und zeigte jene Münze nicht zufällig das »weiblichere« Pflanzen statt des Hämmerns oder Schleppens. Zweitens ergaben jüngere Untersuchungen, dass jene Trümmerfrauen weniger »zahllos« waren, als die Ikonografie es will: Trümmerbeseitigung in Handarbeit durch Frauen gab es in der SBZ noch öfter als im Westen. Insgesamt aber griff man möglichst auf Maschinen zurück. Zudem waren die Bauhilfen kaum Freiwillige, die taten, was zu tun war. Sie ergriffen eine schlechte Arbeit aus Alternativlosigkeit - oder wurden zur Strafe für NSDAP-Nähe dazu verdonnert. Für München etwa wurde ermittelt, dass nur rund 1500 Personen - 200 Frauen - in den Trümmern arbeiteten und 90 Prozent davon Ex-Nazis waren.

Der Sinn dieser Ikonisierung in Deutschland ist klar: Man brauchte - in Ost wie West - Identifikationsangebote und auch Elemente des »Opfers« im Selbstbild. So sollte man jene Denkmäler heute mehr als geschichtspolitische Zeugnisse denn realhistorische Referenzen sehen.

Dass nun aber Österreichs Rechte ein neues Denkmal durchsetzt - schon seit 1986 geplant, betont Strache, also seit dem Antritt von Jörg Haider in der FPÖ - ist erstens ein Versuch der Vereinnahmung der Wiedergründungsgeschichte, von der die FPÖ als historisches Sammelbecken der Anschlussbefürworter ja immer etwas ausgegrenzt ist. Und zweitens zeigt die Datierung »1943 bis 1954«, was dieses Denkmal wirklich sein soll: ein Monument gegen den alliierten Luftkrieg, in dessen Reichweite das heutige Österreich 1943 nach dem Fall Süditaliens geriet. In jenen Kriegsjahren aber wurden die Trümmer nicht von österreichischen Frauen beräumt, sondern - wie im Rest des Reichs - zumeist von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen.

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