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Auf Spitzenschuhen unter Wasser

Nach fast zehn Jahren wird die Tanzcompany Sabrina S. »Das Boot« erneut als Ballett aufführen

  • Von Uwe Sattler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Kann man »Das Boot« tanzen? Jenen Filmklassiker aus dem Jahr 1981, für den sich Regisseur Wolfgang Petersen als Vorlage des gleichnamigen Romans von Lothar-Günther Buchheim bediente? Der den Alltag an Bord eines U-Boots der deutschen Wehrmacht ebenso schilderte wie den Schrecken und die Sinnlosigkeit des Zweiten Weltkriegs? Und der für diese Darstellung unter anderem für sechs Oscars nominiert wurde?

Man kann. Das zumindest meinen Sabrina Mautsch und ihre Tanzcompany. »Wir proben schon das ganze Jahr, jede Woche einmal und zusätzlich an den Wochenenden«, erzählt die Chefin des Friedrichshagener Tanzstudios, die selbst klassisches Ballett studiert hat sowie am Opernhaus Leipzig und im staatlichen Tanzensemble der DDR engagiert war. Am 6. Oktober wird »Das Boot« im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur aufgeführt.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Stück gezeigt wird. Bereits 1999 hatte Mautsch »Das Boot« als Kurzballett in der Akademie der Künste aufgeführt. Knapp zehn Jahre später werden nun Tänzerinnen mit auf der Bühne stehen, die bereits damals dabei waren. »Die Idee, ›Das Boot‹ wieder aufzunehmen, kam im vergangenen Jahr von den jungen Frauen, die teilweise über ein Jahrzehnt meine Schülerinnen waren«, erklärt Mautsch. »Da spielte sicher auch der große Erfolg eine Rolle, den wir mit der Wiederaufnahme von ›Carmina Burana‹ hatten.« Auch das Stück von Carl Orff stand in den 90er Jahren als Kurzversion im Repertoire der Tanzcompany Sabrina M. und wurde nach fast einem Jahrzehnt von den damaligen Tänzerinnen gemeinsam mit jungen Tanzschülerinnen und -schülern von Mautsch als abendfüllendes Ballett neu aufgelegt.

Auch diesmal wird es so sein, dass die Alten gemeinsam mit den Jungen auf der Bühne stehen. »Als die Entscheidung zur Wiederaufnahme fiel, war mir sofort klar, dass es eine riesige Herausforderung ist«, berichtet Katja Schröder, die bereits mit vier Jahren ihren ersten Kinderkurs im Tanzstudio Sabrina M. absolvierte. »Zum einen tanzt es sich mit 32 natürlich ganz anders als mit 17«, sagt sie zu den körperlichen Anforderungen. Hinzu kommt, dass die Tänzerinnen die Proben in ihren Alltag einpassen müssen; eine der jungen Frauen reist sogar jedes Mal aus Cottbus an. Ohne Unterstützung der Familie geht da nichts. Auch bei Katja Schröder, sie ist alleinerziehende Mutter: »Nur weil mir Oma und Opa den Rücken freihalten, konnte ich das Tanzen überhaupt wieder aufnehmen.«

Wichtig ist allen in der Tanzcompany die Aussage, die mit dem Stück verbunden ist. »Die Frage von Krieg und Frieden ist doch aktueller denn je«, meint Sabrina Mautsch. Allerdings würden gerade junge Menschen das oftmals nicht mehr so wahrnehmen. Daher hat sie die eigentliche Geschichte vom »Boot« in eine Rahmenhandlung eingebunden: Gelangweilte Jugendliche stoßen auf die Kriegstagebücher eines alten Mannes und werden so in die - getanzten - Ereignisse des Jahres 1941 gezogen. Sichtlich erschüttert kehren die jungen Leute in ihren Alltag zurück, ihre Gleichgültigkeit ist großer emotionaler Anteilnahme gewichen. »Das umzusetzen, erfordert natürlich nicht nur eine gute Ballettausbildung und unglaublich intensives Training, sondern es verlangt auch einiges schauspielerisches Vermögen«, erläutert Sabrina Mautsch. Inzwischen laufen die letzten Proben, die Kostüme werden angepasst, immer noch Details verändert, die Ansprüche sind hoch. Zudem werden beim »Boot«, wie auch schon bei der Neuaufnahme von »Carmina Burana« (die übrigens am 13. Oktober gemeinsam mit dem Kammerchor Marzahn in der Universität der Künste abermals aufgeführt wird), Profitänzerinnen und -tänzer mitwirken. Und auf ihre Tanzcompany kann sich Mautsch ohnehin verlassen. Wie sagte Katja Schröder? »Tanzen ist immer noch ein Stück von meinem Leben.«

6. Oktober, 20 Uhr, Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur. Karten zum Preis von 29,50 Euro an der Abendkasse.

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