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Mischung aus Klopp und Tuchel

Dortmunds Trainer Lucien Favre fördert erfolgreich die Jugend - und sorgt ständig für neue Impulse

  • Von Daniel Theweleit, Dortmund
  • Lesedauer: 4 Min.

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Längst war der prachtvolle Saisonauftakt von Borussia Dortmund um ein neues und ziemlich aufschlussreiches Kapitel bereichert worden, Monaco war besiegt, es lief die Nachspielzeit, aber Lucien Favre wedelte immer noch wild mit den Armen. Der normalerweise eher ruhig coachende Trainer rief Anweisungen über den Platz, als stünde diese Partie, die kurz darauf mit dem Endergebnis 3:0 abgepfiffen wurde, noch auf der Kippe, er war außer sich.

Man müsse eben »peu à peu Dinge korrigieren«, erklärte Favre später, und vielleicht war er in diesen letzten Augenblicken auch deshalb so aktiv, weil seine Korrekturvorschläge in dieser Mannschaft offenbar auf einen äußerst fruchtbaren Boden fallen. Nach dem leichtfüßigen 7:0 gegen den 1. FC Nürnberg und dem dank einer Willensleistung erzwungenen folgenden 4:2 in Leverkusen haben die Dortmunder nun auch auf internationalem Niveau ein Spiel gewonnen, das von einer beeindruckenden Reife geprägt war. »Geduld« sei der Schlüssel zu diesem souveränen Sieg gewesen, sagte Kapitän Marco Reus. Nach einer fußballerisch sehr guten, aber zu wenig zwingenden ersten Hälfte hatte das Trainerteam den Spielern in der Pause exakt die richtigen Hinweise gegeben.

Manches deutet darauf hin, dass Favre derzeit eine spannende Mixtur aus dem Stil der Dortmunder Zeit mit Jürgen Klopp und dem anspruchsvollen Ballbesitzspiel des ersten Jahres unter Thomas Tuchel anrührt. Wie unter dem heutigen Trainer von Paris St. Germain ist der BVB in der Lage, sehr kultiviert mit präzisen flachen Pässen aus der eigenen Hälfte bis in die Nähe des gegnerischen Tores zu kombinieren. Und wie einst Klopp ordnet Favre in der Pause erstaunlich oft die passenden Verbesserungsmaßnahmen an und wechselt Spieler ein, die entscheidende Impulse geben. Acht Jokertore hat der BVB im bisherigen Saisonverlauf schon geschossen. Wobei es immer wieder andere Spieler sind, die nach ihren Einwechslungen zu prägenden Faktoren werden. Es sei »überlebenswichtig«, dass immer wieder diese kraftvollen Impulse von der Auswechselbank kommen, sagte Reus.

Am Mittwochabend kam Jacob Bruun Larsen nach der Pause ins Spiel, schoss kurz darauf das 1:0 (51.), bereitete Marco Reus’ 3:0 vor (90.) und berichtete später, wie intensiv Favre mit ihm zusammenarbeitet. »Wir haben jeden Tag Vieraugengespräche«, erzählte der Däne über den Alltag mit seinem Trainer. Immer wieder gehe es um die ganz kleinen Feinheiten, um »Taktik, Defensivverhalten, oder darum, wie ich schießen soll«.

Genau hier liegt eine zentrale Stärke Favres, und diese Arbeitsweise erklärt vielleicht auch, warum viele sehr junge Spieler plötzlich so stark sind. Der 19-jährige Dan-Axel Zagadou, der zum ersten mal drei komplette Profispiele am Stück absolvieren durfte, hat sich zu einer Stütze der Mannschaft entwickelt, Jadon Sancho (18) ist dabei, Christian Pulisic (20) dauerhaft aus der ersten Elf zu verdrängen. Bruun Larsen ist auch erst 20 und macht derzeit gewaltige Fortschritte. Da muss der 23-jährige Manuel Akanji erkennen: »Wenn ich diese Mannschaft anschaue, gehöre ich schon nicht mehr zu den Jüngeren.«

Die Schwere der vergangenen Jahre, die nach den vielen Konflikten auf dem Kader lastete, ist auch wegen dieser Aufwertung der Jungen vollkommen verflogen. Mittlerweile produziert die Mannschaft sogar so viele schöne Geschichten, dass weniger erfreuliche Themen wie die anhaltende Krise des Mario Götze oder die Erinnerungen an das Bombenattentat beim vorherigen Gastspiel der AS Monaco im April 2017 im Nachgang dieser Partie überhaupt keine Rolle mehr spielten.

Eine Erfolgsgeschichte erzählt beispielsweise von Reus, der sich mit fast schon väterlicher Haltung um das Wohlbefinden seiner Mitspieler kümmert. Eigentlich war der Kapitän für die Ausführung von Elfmetern vorgesehen, doch als es wirklich einen Strafstoß gab, wollte Reus lieber Paco Alcácer »ein Tor gönnen«, wie er später berichtete. Zwar verschoss der Spanier, aber die Geste ist Ausdruck des ehrlichen Wunsches, dass der Kollege sich möglichst wohl fühlen möge. »Der Teamgeist stimmt!«, sagte auch Torwart Roman Bürki.

Kurz darauf traf Alcácer dann doch zum 2:0 (72.), es war sein viertes Tor im dritten Spiel für die Dortmunder, und am Tag danach wurde er erstmals nach zwei Jahren wieder ins spanische Nationalteam berufen. Viele kleine Dinge fügen sich zu einem schlüssigen Bild der Stärke zusammen. In den ersten Saisonwochen spielte bei Erfolgen noch der Faktor Glück eine große Rolle. Das hat sich gewandelt. »Auf jeden Fall verdient« sei dieser zweite Sieg im zweiten Champions-League-Spiel, sagte Favre, der im Moment in einem Umfeld arbeitet, in dem auch er seine großen Stärken zur Geltung bringen kann: die Arbeit an den Feinheiten.

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