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Millionär in der DDR

Eine deutsch-deutsche Geschichte

  • Von Helmut Müller-Enbergs
  • Lesedauer: 3 Min.

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Solche wie er sind titelseitenverdächtig. Doch kein Bericht fand sich über ihn in einer der Zeitschriften der DDR. Das gelang dem Antiquitätensammler Siegfried Kath nicht, wäre vielleicht auch nicht in seinem Sinne gewesen. Er zählte zu den vermutlich wenigen Millionären in der DDR. Einer, der das ohne Partei und Staat, nicht einmal mit Hilfe des Ministeriums für Staatssicherheit geschafft hat.

Der 24-jährige Bundesbürger strandete irgendwie in der DDR, vier Monate nach dem 13. August 1961 - ohne Visum, ohne Papiere. Er durchlief das Aufnahmelager Barby, erhielt Arbeit in Tambach-Dietharz und saß kaum ein halbes Jahr später in Untersuchungshaft. Er hatte wieder aus der DDR fliehen wollen. Acht Monate auf Bewährung lautete das Urteil. Danach war er als Kellner in Friedrichroda tätig, bis es ihn später nach Pirna verschlug. Sein Motto lautete, wie der Historiker Christopher Nehring vom Deutschen Spionage Museum in Berlin ermittelte: »Ich arbeitete also nicht wegen einer sozialistischen Einstellung, die bei mir aufgrund meiner Entwicklung sowieso nicht vorhanden ist, sondern um gut situiert mein Leben zu gestalten und alle meine Ansprüche und Wünsche realisieren zu können.«

In Dresden-Pieschen machten er und seine Frau Annelies sowie zwei Mitstreiter aus der Bierhalle »Bärenschenke« das florierende »Café Baltimore«. Das hätte genügen können, reichte Kath aber nicht. Antiquitäten einsammeln und nach dem Westen verkaufen - das war’s. Zusammen mit seiner Frau fuhr er ab 1966 ins Dresdner Umland, suchte Bauernhöfe, Scheunen und Häuser auf und brachte einiges zusammen. Selbst die Verwaltungsbürokratie vermochte das Paar für sich einzunehmen, bis sie einen Laden in Pirna hatten. Für das MfS in Dresden war der Fall klar: »In seinem Verhalten kann man ihn als Typ des Geschäftsmannes der westlichen Welt bezeichnen. In seinem Gebaren sind eindeutig Züge des Managertums zu erkennen.« Mehr noch: Er denke »in geschäftlichen und privaten Dingen der normalen Entwicklung voraus«. Bis 1974 steigt Kaths Umsatz in die Millionen. Vom Kellner zum Millionär.

Innerhalb des staatlichen Apparates wächst das Bedürfnis, Kath auszubooten. 1973/74 wird eine Intrige gesponnen, in die auch die Kommerzielle Koordinierung von Alexander Schalck-Golodkowski eingebunden ist. Und alsbald befindet sich Kath abermals in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe tragen nicht - was soll’s, Kath sollte aus dem Geschäft herausgedrängt werden. Er verliert all sein Vermögen und wird in den Westen abgeschoben.

Nehring hat eine spannende, unkonventionelle und - gestützt auf private Unterlagen - gut lesbare Biografie verfasst. Diese Story hätte nicht einmal ins »Magazin« gepasst.

Christopher Nehring: Millionär in der DDR. Die deutsch-deutsche Geschichte des Kunstmillionärs Siegfried Kath. Büchner-Verlag, 199 S., geb., 18 €.

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