Werbung

Elite forscht in maroden Gebäuden

Bildungsrauschen

2016 legten Bund und Länder ein Förderprogramm zugunsten von Spitzenforschung, universitärer Profilschärfung sowie Vernetzung und Kooperation innerhalb des Wissenschaftssystems auf und setzen damit die Exzellenzinitiative (2007 bis 2017) fort. Das nunmehr Exzellenzstrategie heißende Programm soll der globalen Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschaftsstandorts Deutschlands dienen. Mit jährlich 533 Millionen Euro will man ab 2018 Exzellenzuniversitäten und Exzellenzcluster »dauerhaft« unterstützen. Exzellenclustern sind Kooperationen international relevanter Forschungsprojekte; Exzellenzuniversitäten müssen mindestens zwei dieser Cluster vorweisen. Grundsätzlich sollen gegenüber außeruniversitärer Forschungseinrichtungen die Universitäten, einzeln oder im Verbund, bevorzugt werden, was aber eine Kooperation nicht ausschließt. (bmbf.de)

Verantwortlich für die Auswahl sind die Deutsche Forschungsgemeinschaft (dfg.de) und der Wissenschaftsrat (wissenschaftsrat.de). Das erste Auswahlverfahren wurde im September dieses Jahres abgeschlossen. Insgesamt 57 Cluster an 34 Universitäten erhalten ab 1. Januar 2019 jährlich 385 Millionen Euro zunächst über sieben Jahre, die bei Erfolg um weitere sieben Jahre verlängert werden können.

Diese Art Leuchtturmpolitik führt weniger zu nachhaltigem Mehr an Wissen, sondern schürt vielmehr eher die Konkurrenz, wie ein Disput unter Usern auf spiegel.de zeigt. Hier beklagt sich brotfresser, die DFG interessiere sich weniger für Geisteswissenschaften als für die »potenzielle wissenschaftliche Vermarktung der Naturwissenschaften«. ungläubig weist diese Behauptung zurück. Es seien viele Geisteswissenschaften dabei, er fragt sich allerdings, wofür »Forschung zu Manuskriptkulturen oder zu asymmetrischen Abhängigkeiten in Gesellschaften mit Sklaverei« gebraucht werde.

Wie engspurig das Konzept ist, zeigt der Kommentar des Lesers romanpgs, der an einer Elite-Uni studiert. Offensichtlich profitieren einfache Studierende von der Förderung nicht. »Es kann doch nicht sein, dass der Forschung an meiner Uni über den Zeitraum der letzten Förderung ein dreistelliger Millionenbetrag zugeschossen wurde, im selben Zeitraum aber die Anzahl an Tutoren abgebaut werden musste, weil dafür keine Mittel mehr da waren.«

Akkon erwähnt einen Aspekt, der die Folgen politisch selektiven Denken versinnbildlicht. Die TU-Dresden zählt zu den Auserwählten, hat aber marode Gebäude zu beklagen, für die der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement zuständig ist. Im Klartext: Die Universität bekommt Geld für exzellente Forschung, aber nicht für die Instandhaltung der Räume. »Zur Not kann man ja wieder Zelte oder Container für Büros, Unterrichtsräume und Mensen aufstellen, weil der über 100 Jahre alte Putz von der Decke fällt und man einsieht, dass Studieren und Arbeiten unter Lebensgefahr eben doch etwas unangemessen ist«, schreibt Akkon. Lena Tietgen

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!