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Gamer-Land Schleswig-Holstein

Landesregierung will E-Sports-Offensive starten

  • Von Dieter Hanisch
  • Lesedauer: 3 Min.

Schleswig-Holstein soll zu einem Vorzeige-Standort für E-Sport werden. Zu gerne möchte die Landespolitik eine bundesweite Vorreiterrolle einnehmen und an der Fachhochschule Westküste in Heide eine Akademie für die Spieler an Konsolen und Computern installieren. Nachdem ein Antrag der Koalition aus CDU, Grünen und FDP zusammen mit dem Südschleswigschen Wählerverband, den E-Sport zu fördern, in diesem Monat schon einstimmig durch den Landtag gegangen ist, hat das Jamaika-Bündnis die entsprechende Offensive noch einmal mit der Zusage von bis zu 500 000 Euro unterlegt, um kommunale Freizeiteinrichtungen dafür fit zu machen.

Kritiker geben sich skeptisch, im Zeitalter von Bewegungsarmut gerade auch bei der jungen Generation das Gaming derart zu pushen. Umgekehrt verweisen die E-Sport-Verfechter auf das Beispiel Schach. Der E-Sport kämpft um ein positives Image und gegen Vorurteile. Insbesondere möchte die Games-Branche, dass Clubs und Vereine als gemeinnützig anerkannt werden. Deutschlandweit dürfte es Schätzungen zufolge derzeit über 30 Millionen Video- und Computerspieler geben.

Großer Wachstumsmarkt

Seit den ersten Lan-Partys hat sich die Szene gewaltig ausgedehnt und professionalisiert. »Ballerspiele« mit Cola, Fastfood und Chips sind out. Dafür werden internationale Turniere ausgerichtet, bei denen hohe Siegprämien winken. Nur in wenigen Ländern wie in den USA, China und Frankreich ist der E-Sport in Sportverbänden integriert. Große nationale wie internationale Sportvereine führen inzwischen E-Sport-Abteilungen in ihren Klubs. Dazu zählen unter anderem Paris St. Germain, Manchester United, Schalke 04, Werder Bremen oder VfL Wolfsburg.

Diese Klubs haben den gesellschaftlichen Wandel im Freizeitverhalten offenbar erkannt und wollten sinkenden Mitgliedszahlen im Vereinssport begegnen. Nicht abzustreiten sind aber auch wirtschaftliche Interessen. Der E-Sport bietet gerade diesbezüglich ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial. Allein rund 370 000 Besucher aus über 100 Ländern bei der diesjährigen Gamescon in Köln lassen dies erahnen.

Der Verband der deutschen Games-Branche (Game e.V.) hat anlässlich der Messe mitgeteilt, dass die Branche im ersten Halbjahr 1,5 Milliarden Euro am Markt für Elektronikspiele umgesetzt hat - eine Steigerung um 17 Prozent. Laut einer Studie der Hamburg Media School aus dem Vorjahr umfasst die Branche hierzulande rund 650 Unternehmen mit 14 000 Beschäftigten. Maren Schulz von Game e.V. prognostiziert, dass der E-Sport bereits 2020 bezogen auf seinen weltweit erzielten Umsatz eine Sportart wie Handball überholt haben dürfte.

Vorbild Dänemark

All diese Zahlen und Vorhersagen rufen aus Sicht der Grünen nach einer wissenschaftlichen Begleitung, die nun auf den Weg gebracht werden soll und die es beispielsweise in Kanada schon gibt. In solch einer künftigen Akademie sollen neben ökonomischen Aspekten beispielsweise vor allem die sozialen Thematiken Spielsucht, Jugend- und Datenschutz vertieft werden. In Schleswig-Holstein schaut man in Sachen E-Sport gerne ins Nachbarland Dänemark. Dort werden wie im Fußball bereits Nachwuchszentren eingerichtet, um Spitzengamer und Talente konzentrierter zu unterstützen. Trainingslager für Computerspieler - hierzulande noch eine Vision, aber vielleicht gar nicht mehr allzu lange.

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