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Ein Brand von Altreifen und mehr als 100 illegale Deponien

Wochenlang litten Einwohner von Senftenberg unter dem entsetzlichen Gestank von angeschmortem Gummi

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Anwohner klagten über Halskratzen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Kinder konnten wegen des Gestanks nicht einschlafen. Beim Einatmen entstand auf der Zunge ein pelziger Geschmack. Durchlüften half nicht, denn der Geruch kam von draußen. Fenster und Türen mussten geschlossen bleiben. Es war kaum auszuhalten. So haben Bürger die Situation beschrieben, nachdem es im Juli und im August auf einem illegalen Reifenlager in Senftenberg brannte. 3000 Tonnen angeschmorter Gummi blieben nach dem letzten Großbrand zurück, der fast alle auf einem ehemaligen Betriebsgelände gelagerten Altreifen erfasst hatte.

Nachdem die Flammen gelöscht waren, hatte das Landesumweltamt ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Gefährdung von Boden und Grundwasser durch die Brandrückstände abschätzen zu können. Auch um Maßnahmen zur Beseitigung der Geruchsbelästigung sei es dabei gegangen, erläuterte Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) bei der Landtagssitzung Ende September. Das Umweltamt sei Hinweisen der Anwohner nachgegangen. Auf dem Gelände der Gummi-Granulierung sei der Geruch deutlich wahrzunehmen gewesen. »Im Stadtgebiet ist das schwieriger festzustellen, das hängt ja von den Windverhältnissen ab«, sagte Vogelsänger.

Inzwischen soll es besser geworden sein. Gewöhnlich rieche man 200 bis 250 Meter entfernt von dem Gelände nichts mehr. Doch das hänge tatsächlich davon ab, wie der Wind wehe, bestätigt ein Anwohner. »Wenn es stinkt, stinkt es heftig.«

Das Zerschreddern von Altreifen hatte 2009 begonnen, aber nur einige Monate gewährt, weil der Betreiber der Anlage bald Pleite ging. Eine Verfügung des Umweltamtes, die Altreifen wegzuräumen, lief deshalb 2011 ins Leere. Bereits 2016 hatte Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) vor einem Brand gewarnt.

Schon seit Beginn der 1990er Jahre hat das Land Brandenburg mit illegalen Deponien zu kämpfen. Dubiose Unternehmer pachteten immer wieder Grundstücke, füllten diese mit Altreifen oder anderem Abfall und machten sich danach aus dem Staub oder gingen in die Insolvenz. Das Problem hatte dann der an der Nase herumgeführte Grundstückseigentümer. Sofern dieser nicht zahlungsfähig war, musste der Staat blechen.

Das Reifenlager in Senftenberg sei »nur eines von weit über 100 illegalen Abfalllagern in Brandenburg«, sagte der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne). Aus seiner Sicht wäre es billiger, vorher zu beräumen als »teuer zu löschen«. Doch auf Nachfrage sagte Minister Vogelsänger, weitere Brände auf illegalen Deponien seien ihm nicht bekannt. Er könne das aber »gern noch einmal alles überprüfen«.

Ärgerlich bestand der Landtagsabgeordnete Dieter Dombrowski (CDU) darauf, sofort informiert zu werden. Die Abgeordnete Ursula Nonnemacher (Grüne) wollte sich ebenfalls nicht vertrösten lassen. »Wenn es um starke Geruchsbelästigung mit gesundheitlichen Folgen und Klagen aus der Bevölkerung geht, dann liegt möglicherweise eine konkrete Gefahr vor«, meinte sie. »3000 Tonnen Reifen, das ist doch nicht nur eine Geruchsbelästigung. Da werden doch jede Menge Stoffe in die Luft freigesetzt.«

Vogelsänger verwies darauf, dass es immer auch um Steuermittel gehe. Insofern sei es üblich, ein Gutachten in Auftrag zu geben. Vor diesem Hintergrund sei auch die Beräumung von Abfalllagern zu sehen, die bereits erfolgten oder die derzeit im Gange seien. Bevor man öffentliche Gelder dafür einsetze, »muss man versuchen, der Lage in der Weise Herr zu werden, dass derjenige zur Verantwortung gezogen wird, der den Schaden verursacht hat«. Es gelte das Verursacherprinzip. »Wir können nicht beräumen und den Eigentümer dafür belohnen, dass er untätig geblieben ist.«

In Senftenberg stehe man vor der schwierigen Situation, dass der Verursacher noch im Grundbuch eingetragen sei. Daher führe an einer Gefährdungsabschätzung kein Weg vorbei. Selbstverständlich müsse man mit der Stadt Senftenberg darüber reden, »wie es mit dem Grundstück perspektivisch weitergeht«.

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