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Raumpioniere in der Lausitz

Ein Netzwerk berät Städter, die aufs Land ziehen wollen

  • Von Anett Böttger, Weißwasser
  • Lesedauer: 3 Min.

»Ist man da nicht einsam?« Diese Frage hört Arielle Kohlschmidt häufig. Die 41-Jährige lebt in Klein Priebus, einem kleinen Dorf im nordöstlichsten Zipfel von Sachsen. Am Telefon, übers Internet oder im direkten Gespräch gibt sie Leuten Auskunft, die aufs Land ziehen wollen. Bei ihr und ihrem Mann finden genervte Großstädter ein offenes Ohr: in der »Raumpionierstation Oberlausitz« an der deutsch-polnischen Grenze.

Arielle Kohlschmidt und Jan Hufenbach kamen 2009 von Berlin nach Klein Priebus, »von der belebten Stadt ins Nichts«, wie sie zugeben. Zusammen betreiben beide eine Kreativagentur. Die Neiße fließt wenige Meter vor ihrem Haus vorbei. »Ich mag die Natur und wollte meine Ruhe haben«, begründet Kohlschmidt ihren Wechsel in die abgelegene Idylle, wo sie als Grafikerin und Texterin Inspiration findet.

Im teilweise sehr dünn besiedelten Osten Sachsens wird häufig über Abwanderung und fehlende Arbeitsplätze geklagt. »Wir haben viele Menschen getroffen, die Chancen in diesem unbespielten Raum sehen«, berichtet Kohlschmidt. Ein Artikel über Landleben als neuen Trend gab den Anstoß, anderen von den eigenen Erfahrungen zu erzählen und damit Lust auf die vermeintliche Provinz zu machen.

»Wir sind keine professionellen Berater, sondern zeigen einen ganz konkreten Landeplatz«, sagt die Mutter eines Sohnes. Nach eigenen Angaben hat das Paar inzwischen rund 130 Leute zur Landlust beraten, die meisten davon telefonisch oder per Mail. »Manche kommen selbst vorbei, einige übernachten sogar bei uns«, erzählt Kohlschmidt. Die Termine für persönliche Gespräche sind bis in den November hinein ausgebucht. »Wir nehmen uns Zeit und wollen keinen neuen Stress.«

Sachsen honoriert das Anliegen, überregionale Aufmerksamkeit für die Region zu erzeugen und Kontakte zu Gleichgesinnten herzustellen. Laut Staatskanzlei in Dresden hat der Freistaat für 2017 und 2018 insgesamt 72 000 Euro für die Raumpionierstation bewilligt. Engagierte Initiativen seien durchaus geeignet, die Folgen des Strukturwandels in der Lausitz zu mildern oder gar aufzufangen.

Unterdessen ist das Netzwerk in der Oberlausitz auf 26 »Raumpioniere« angewachsen. Dazu gehören Designer, Kommunikationstrainer, Kulturmanager oder der Betreiber eines Flammkuchen-Restaurants. »Für Leute, die ortsunabhängig arbeiten können, ist der ländliche Raum interessant«, sagt Arielle Kohlschmidt. Gerade durch die Digitalisierung sei vieles möglich geworden. »Wenn sich ein Kern von Zuzüglern bildet, zieht das einen Schwarm nach sich«, glaubt sie. In wie vielen Fällen sich Leute nach einem Kontakt mit den Raumpionieren tatsächlich in der Oberlausitz niederließen, lasse sich schwer beziffern. »Wir wissen es konkret von drei Menschen«, sagt die zierliche blonde Frau.

Wenn die Förderung durch den Freistaat zum Jahresende ausläuft, wird die Raumpionierstation keineswegs geschlossen. »Das ist eine Herzensangelegenheit«, sagt Kohlschmidt. Außerdem gibt es Aussicht auf weitere finanzielle Unterstützung. An diesem Samstag ist in Weißwasser ein Treff für Pioniere geplant. Titel der Veranstaltung: »Landebahn für Landlustige«. dpa/nd

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