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Die Athleten wagen den Aufstand

Funktionäre und Sportler driften immer weiter auseinander. Letztere fühlen sich besonders bei WADA und IOC viel zu häufig übergangen

  • Von Nikolaj Stobbe, Buenos Aires
  • Lesedauer: 2 Min.

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Thomas Bach hebt gern die Bedeutung der Athleten für die olympische Bewegung hervor. Doch bei denen wird der Frust über Bevormundung und mangelnde Mitbestimmung immer größer. Bei der Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Buenos Aires wächst der Protest gegen eine vom IOC vorbereitete Athletenerklärung.

»Wir trainieren und wollen schneller laufen, schwimmen oder unseren Sport besser machen. Dafür erhalten wir aber keine Rückendeckung, keine Mitsprache«, sagte Athletensprecher Petr Koukal von der Welt-Antidoping-Agentur (WADA). »Wir bekommen nur die Entscheidungen mitgeteilt, und das tut weh«, meinte der Tscheche. Der deutsche Athletensprecher Max Hartung drohte bereits: »Das ist eine Bewegung, die das IOC wahrnimmt und die sie überhaupt nicht aufhalten können.«

Thomas Bach gibt sich nach außen zunächst gelassen. »Es gibt einzelne Sportler, die eine andere Meinung haben. Das ist normal. Aber wir haben eine demokratisch gewählte IOC-Athletenvertretung, die respektieren wir«, sagte der IOC-Präsident.

Gerade in der Frage um die Wiederaufnahme Russlands in die WADA wurde aber deutlich, wie weit die Meinungen zwischen Funktionären und Athleten mittlerweile auseinandergehen. WADA-Athletenvertreterin Victoria Aggar zeigte sich »enttäuscht über die Entscheidung der WADA, ihre eigenen Richtlinien zu ändern, um sich Russland zu fügen«. Damit traf sie offenbar einen wunden Punkt, denn WADA-Chef Craig Reedie zeigte überhaupt kein Verständnis mehr für die Athleten. »Die sollten ihren Platz in der Sportwelt kennen, sich endlich richtig mit dem Thema auseinandersetzen und sich dann erst eine Meinung bilden«, wetterte der Brite.

Kirsty Coventry, Athletensprecherin im IOC und streng auf Bach-Linie, attackierte Sportler, die bei den Winterspielen in Pyeongchang im Februar Protest gegen die Teilnahme Russlands gezeigt hatten. »Ich war angewidert, wie mache Sportler die russischen Athleten in Südkorea behandelt haben. Es war furchtbar«, sagte die Ex-Schwimmerin, heute Sportministerin aus Simbabwe.

Die Gräben werden immer tiefer. Bei der IOC-Session droht nun ein Eklat, weil sich Athletenverbände gegen eine neue Erklärung des IOC zu »Rechten und Pflichten von Athleten« wandten und um Aufschub baten. »Die Stimme der Athleten wurde nicht ausreichend gesucht«, lautete die Kritik. Zu den Aufsässigen gehören Verbände aus den USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland, deren Wortführer Hartung ist.

Mittlerweile finden sie auch Sympathisanten im IOC. Richard Pound, dienstältestes IOC-Mitglied und traditionell in Opposition zu Bach, sagte: »Es gibt diese enorme Machtfülle des Präsidenten, und ich glaube, dass das IOC sich nicht genug mit den Sportlern auseinandergesetzt hat, sich zu wenig um sie kümmert - zeitlich und auch finanziell.« SID/nd

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