Werbung

»Der Markt regelt nicht alles«

Es werden weniger Bücher verkauft, aber die Frankfurter Buchmesse wächst

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Hand aufs Herz: Wie viel Bücher lesen Sie pro Jahr? Und wie oft schauen Sie am Tag auf Ihr Smartphone? Und vor allem: Kennen Sie Kinder, die Bücher lesen?

Im aktuellen »Spiegel« steht, dass Kinder und Jugendliche 98 Mal am Tag das Display ihres Smartphones einschalten. Im Durchschnitt vergehen zehn Minuten, bis sie wieder auf ihr Smartphone blicken. Schon richtig, irgendwas lesen sie da, diese Kulturtechnik ist also gerettet. Andererseits wird auch eine neue eingeübt: Die Sprachnachricht, die muss man nicht schreiben, die muss man nicht lesen. Nur sprechen und hören, ganz wie im Kleinkindalter.

Heute beginnt in Frankfurt am Main die 70. Buchmesse. Da gibt es dann wieder die Bilder mit den Bücherstapeln, endlos. Leseland Deutschland. Fragen Sie doch mal in Ihrem Bekanntenkreis, wo das liegen soll. Beim Lesen geht es ja viel um Fantasie.

Aber das ist vielleicht etwas zu subjektiv formuliert. Denn objektiv betrachtet ist Deutschland nach den USA der zweitgrößte Buchmarkt der Welt. 2017 lag der Umsatz bei 9,13 Milliarden Euro. Das ist zwar ein Minus von 1,6 Prozent, aber immer noch sehr viel. Zum Vergleich: Die seit der Jahrtausendwende stark geschrumpfte Musikindustrie bringt es nur auf 1,59 Milliarden Euro Umsatz. Trotzdem steht fest, dass weniger Bücher gekauft werden. Zwischen 2013 und 2017 hat die Branche 6,4 Millionen Käufer, das sind 18 Prozent der Kunden, verloren. Im traditionellen Buchhandel, den Sortimentern, werden nur noch 50 Prozent der Bücher verkauft, im Internet 18,8 Prozent, der Rest läuft mehr oder weniger direkt über die Verlage.

Die Bienen sterben und die lokalen Buchhandlungen. Es gibt die weit verbreitete Ansicht, dass die Menschheit ohne Bienen nicht existieren könne. Ohne lokale Buchhandlungen existiert auf jeden Fall Amazon weiter. Nicht nur der Einzelhandel wird vom Internet an- bis aufgefressen, auch die traditionelle Verlagslandschaft. »Der Markt regelt nicht alles« schrieben kürzlich rund 100 Autor*innen von Klöpfer und Meyer in ihrem »Tübinger Memorandum«, nachdem der Tübinger Verlag angekündigt hatte, auf sein Frühjahrsprogramm verzichten zu wollen, weil man nicht mehr so weitermachen könnte. Die Unterzeichner des »Memorandums« forderten eine staatliche Verlagsförderung, wie sie in Österreich und der Schweiz schon existiert. Für den legendären Stroemfeld Verlag aus Frankfurt kommen solche Initiativen zu spät. Er musste Insolvenz anmelden.

Doch die Frankfurter Buchmesse wächst. »Wir schätzen, wir landen bei plus drei Prozent«, sagt Katja Böhne, die Kommunikationschefin der Messe. Das Wachstum kommt allein aus dem Ausland: »Wir sind inzwischen bei einem Verhältnis 70:30«.

Gastland dieses Jahr ist Georgien. Dort wohnen 3,7 Millionen Menschen, ein bisschen mehr als in Berlin. Warum werden die besonders hervorgehoben? Da wird es politisch: Geht das Land langfristig in Richtung Westen oder in Richtung Russland? Im Frühjahr 2003 war Georgien erst in der »Koalition der Willigen«, die den USA in den Krieg gegen Irak folgten und erlebte dann im Herbst die erste der »Farbrevolutionen«: Eine neuartige Form des »Regime Change«, wo man sich immer fragt, wie stark die »Zivilgesellschaft« dabei eigentlich sein kann. Eine gewisse Operettenhaftigkeit gehörte in Georgien stets zur Regierungspolitik dazu, was man auch 2008 beim Kaukasus-Krieg gegen Russland bemerken konnte. Und jetzt die gute Nachricht: Die georgische Literatur kann diese spannenden Probleme erzählen. Man muss sie nur lesen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen