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Südpazifisches Flüssiggas für China

Papua-Neuguinea ist der erste Pazifikstaat an der Neuen Seidenstraße und könnte vom Handelskonflikt mit den USA profitieren

  • Von Bernd Schröder
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im vergangenen Jahr hatte es so ausgesehen, als sei die Wirtschaft Papua-Neuguineas auf Erfolgskurs: Der Inselstaat im Südpazifik hatte es in die Top 10 der weltgrößten Exporteure von Flüssiggas (LNG) geschafft. Die Regierung setzt auf diese Einnahmequelle, um dem Land mit seinen acht Millionen Einwohnern zu mehr Wohlstand zu verhelfen - Hoffnungen, die sich bisher nicht erfüllt haben. Dabei galt das 2014 in Betrieb gegangene, vom US-Konzern ExxonMobil geführte »Papua-Neuguinea-Flüssigerdgas-Projekt« als Klassenprimus der Branche. Die seitdem generierten Einnahmen fielen jedoch, gemessen an den Erwartungen, weit weniger üppig aus, was die Wirtschaft belastet.

Vorangegangen war ein schweres Erdbeben im Februar 2018. Ein Schlüsselfeld des Projekts lag nur acht Kilometer vom Epizentrum entfernt. ExxonMobil stellte den Betrieb der dortigen Gasaufbereitungsanlage ein. Zwar wurde die Förderung im April wieder aufgenommen, doch drei Monate später gab ExxonMobil bekannt, man habe aufgrund von Konflikten mit Bewohnern des betroffenen Hochlandes den Bau einer dringend benötigten Gaspipeline eingestellt. Zuvor waren Baustellen zerstört worden.

Um die Einkommenslücke aus dem Erdgasgeschäft zu schließen und die schwächelnde Wirtschaft wiederzubeleben, wendet sich Papua-Neuguinea inzwischen verstärkt China zu. Der Staat schuldet der Export-Import-Bank Chinas bereits fast 1,9 Milliarden US-Dollar, die in Infrastrukturvorhaben geflossen sind. Dies entspricht fast einem Viertel der Gesamtschulden des Landes.

Das Wirken Pekings wird spätestens Mitte November sichtbarer werden. Dann treffen sich die Führer der Pazifik-Anrainerstaaten, darunter auch US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping, in der Hauptstadt Port Moresby beim Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftskooperationsforum. Das dortige Kongresszentrum war mit Zuschüssen und von Arbeitern aus China errichtet worden.

Bei einem Besuch von Premierminister Peter O’Neill in Peking im Juni dieses Jahres war Papua-Neuguinea als erster pazifischer Staat der One-Belt-One-Road-Initiative beigetreten. Mit dem Projekt einer Neuen Seidenstraße will China Geschäfte, Handel sowie seinen strategischen Einfluss ausweiten. Im November 2017 hatte Peking versprochen, Straßen im Umfang von 3,5 Milliarden US-Dollar in Papua-Neuguinea zu bauen, eine Verpflichtung, die China zum größten Hilfsgeber des Landes machen würde. Außerdem hat die Volksrepublik in Nickelminen, Kraftwerke und andere Projekte investiert. Und sie bezieht auch Erdgas.

Sollte Papua-Neuguinea die Pro-bleme rund um das LNG-Projekt von ExxonMobil in den Griff bekommen, könnte man aus dem sich verschärfenden Handelsstreit zwischen den USA und China Kapital schlagen. Denn Peking hat im August Handelszölle eingeführt, die auch auf Ölprodukte und Kohle aus den USA abzielen - eine Reaktion auf US-Zölle auf chinesische Güter, die am selben Tag in Kraft traten. Aufgrund der Übersichtlichkeit der Palette importierter Waren aus den USA könnten Energieträger in einer möglichen nächsten Runde in den Fokus chinesischer Gegenzölle rücken. Dortige Importeure von US-Energieträgern arbeiten bereits an einer Umstrukturierung ihrer Käufe. Das würde vor allem Folgen für den Spotmarkt haben, auf dem kurzfristige Geschäfte abgewickelt werden und auf dem im Falle der Erhebung von Sonderzöllen gerade im Winter mit Verknappungen zu rechnen sein wird. Hier könnte Erdgas aus Papua-Neuguinea dank der geografischen Nähe zum Zuge kommen.

Auch außerhalb des Spotmarktes, so rechnen Beobachter, dürfte der Handelszwist zu Reibungen führen. Erst im Februar hatte der größte chinesische Ölkonzern, PetroChina, zwei Flüssiggas-Lieferverträge mit Cheniere Energy aus den USA abgeschlossen, Laufzeit: 25 Jahre.

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