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Zufällig dieselbe Forderung

Die Bahn verhandelt mit zwei Gewerkschaften parallel einen Tarifabschluss - am Ende soll der bessere gelten

  • Von Jörg Meyer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Tarifverhandlungen bei der Bahn: Zufällig dieselbe Forderung

Die Tarifverhandlungen für die rund 160 000 Beschäftigten der Deutsche Bahn AG (DB) haben begonnen; und damit die letzten großen Verhandlungen in der Tarifrunde 2018. Nachdem sich die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bereits am Donnerstag mit der Bahn an einen Tisch gesetzt hatte, folgte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) an diesem Freitag.

Die Forderungen der beiden Bahngewerkschaften bewegen sich mit 7,5 Prozent auf jeden Fall »am oberen Ende dessen, was die Gewerkschaften in diesem Jahr gefordert haben«, sagt Thorsten Schulten, Leiter des Tarifarchivs beim Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Der Grund: »Der Bahn geht’s wirtschaftlich gut. Das ist das Hauptargument der Gewerkschaften«, so Schulten. Mit Blick auf die weiteren Forderungen, etwa nach einer Ausweitung des tariflichen Wahlmodells zur Länge der Wochenarbeitszeit, ist die hohe Entgeltforderung auch nötig. »Es geht ja nicht nur um die 7,5 Prozent mehr Geld. Der Abschluss soll sich im Gesamtvolumen inklusive der Arbeitszeitforderung in der Höhe darstellen. Dafür muss die Entgeltforderung eine entsprechende Höhe haben.«

»Es gibt eine Renaissance der qualitativen Forderungen«, sagt Schulten weiter. »Es geht dabei nicht nur um die Arbeitszeit, sondern beispielsweise in der Pflege oder auch jetzt in Teilen in der DB-Tarifrunde um die Personalbemessung. Das eine geht ohne das andere nicht.« Es bestehe ohnehin kein Gegensatz darin, ob eine Gewerkschaft mit der Forderung nach mehr Geld, weniger Zeit oder besseren Arbeitsbedingungen in eine Tarifrunde zieht. »In den letzten Jahren kamen beispielsweise Arbeitszeitforderungen kaum auf, weil es in Krisenzeiten auch in den Lohnrunden schon schwierig war«, sagt Schulten. Es war schwer genug, überhaupt einen Inflationsausgleich für die Beschäftigten durchzusetzen.

Absprachen über die Höhe der Forderung habe es nicht gegeben, sagt GDL-Sprecher Stefan Mousiol. »Wir und die EVG haben unterschiedliche Ansätze, und wir entwickeln unsere Forderungen für uns alleine.« Dass beide Gewerkschaften 7,5 Prozent fordern, nennt er »Zufall«. Nach Tarifrunden mit mehreren Streiks in den letzten Jahren deutet bisher nichts auf eine harte Auseinandersetzung hin. »Es hat keine Aufgeregtheiten oder Vorwürfe über zu hohe Forderungen der GDL gegeben. Wir hoffen, dass es so ruhig bleibt«, sagt Mousiol.

Und sollte eine der beiden Gewerkschaften einen besseren Tarifabschluss erreichen als die andere, wird das Ergebnis auf alle Beschäftigten angewendet. Das sei in der Vergangenheit Praxis gewesen, heißt es aus Gewerkschaftskreisen gegenüber »nd«. Die Entscheidung darüber obliege allein der Arbeitgeberin also der DB AG. Letztlich profitieren alle davon: die Belegschaft, weil für sie in jedem Fall das höchste erreichte Ergebnis gilt, die Arbeitgeberin, weil sie mit der Gleichbehandlung aller Beschäftigten den Betriebsfrieden schützt und vermeiden kann, dass es zu neuen Auseinandersetzungen kommt.

Die GDL hatte in der Tarifrunde 2014 und 2015 neun Mal zu flächendeckenden Streiks aufgerufen. Die Lokführergewerkschaft wollte Tarifverträge für das gesamte Zugpersonal abschließen, um mit Blick auf das damals vor der Verabschiedung stehende Tarifeinheitsgesetz ihren Einflussbereich auszudehnen. In der Tarifrunde 2016 erstritten die Gewerkschaften bei 24 Monaten Laufzeit eine Lohnerhöhung von 2,5 Prozent im ersten Jahr. Im zweiten Jahr - ab 1. Januar 2018 - konnten die Beschäftigten wählen, ob sie weitere 2,6 Prozent mehr Entgelt oder stattdessen eine Reduzierung der Arbeitszeit oder mehr Urlaubstage haben wollten. Ursprünglich stammte diese Forderung von der EVG, die damit als erste der DGB-Gewerkschaften nach langer Pause die Arbeitszeitfrage wieder anging. Die GDL konnte sich 2016 mit ihrer Forderung nach besseren Pausenregelungen für Lokführer noch nicht durchsetzen, deshalb steht das Thema nun wieder im Forderungskatalog.

Die Debatte, ob nun die EVG oder die GDL die besseren Abschlüsse erzielt, ist müßig. Zu unterschiedlich sind die Forderungen und tarifpolitischen Modelle. Die EVG hat viel mehr Mitglieder bei der Bahn - in allen Beschäftigtengruppen. Die GDL kämpfte in den letzten Jahren um die Ausweitung ihres Einflussbereiches über ihre ursprünglich einzige Kernklientel, die Lokführer, hinaus. »Es gab den Mythos, dass die GDL in den letzten Jahren bessere Abschlüsse erzielt hat als die EVG. Beim Blick auf die nüchternen Zahlen nehmen sich die beiden aber nicht viel«, sagt Tarifexperte Thorsten Schulten.

Die erste Verhandlung am Donnerstag ging erwartungsgemäß ohne Einigung zu Ende. Die nächste Runde findet Ende Oktober statt. Bis Ende des Jahres will die Gewerkschaft den neuen Tarifvertrag unter Dach und Fach bringen.

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